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BeziehungLohnt es sich zu heiraten?

Lohnt es sich zu heiraten?
Wollen wir oder wollen wir nicht? Zwischen Konkubinat und Ehe bestehen rechtlich teils gewaltige Unterschiede. Bild: Thinkstock Kollektion

Bei Paaren taucht früher oder später die Frage auf: Sollen sie die Ehe eingehen? Wer die rechtlichen Konsequenzen kennt, kann sich leichter entscheiden.

von Tinka Lazarevicaktualisiert am 2017 M08 08

1. Wie ist die rechtliche Regelung?

Ehe:
Das Eherecht ist im Zivilgesetzbuch ausführlich geregelt, etwa die eheliche Beistandspflicht oder die Pflicht, gemeinsam für den Unterhalt der Familie zu sorgen. Bei Problemen können Ehepaare sich ans Eheschutzgericht wenden.

Konkubinat:
Das Konkubinat ist zwar weit verbreitet, aber gesetzlich nicht geregelt. Wenn schriftliche Abmachungen fehlen, nehmen die Gerichte im Streitfall oft Bezug auf das sogenannte Recht der einfachen Gesellschaft. Bei persönlichen Problemen kann eine Paarberatung helfen.

2. Was gilt bei Kindern?

Ehe:
Wenn ein Kind während der Ehe zur Welt kommt, gilt der Ehemann automatisch als Vater. Die Eltern üben das Sorgerecht gemeinsam aus, seit dem 1. Juli 2014 grundsätzlich auch nach einer allfälligen Scheidung.

Konkubinat:
Ein unverheirateter Vater muss sein Kind auf dem Zivilstandsamt anerkennen, damit er auch rechtlich als Vater gilt. Gleichzeitig können die Eltern dort erklären, dass sie das Sorgerecht gemeinsam ausüben wollen. Später ist das noch gegenüber der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) möglich. Falls sich die Mutter weigert, die Erklärung über das gemeinsame Sorgerecht abzugeben, kann der Vater es allein bei der Kesb beantragen.

3. Wie steht es mit den Steuern?

Ehe:
Ehepaare werden gemeinsam besteuert, die Einkünfte und das Vermögen zusammengezählt.

Konkubinat:
Bei Paaren in «wilder Ehe» erfolgt die Besteuerung immer getrennt. Die sogenannte Heiratsstrafe existiert bei der direkten Bundessteuer und in den meisten Kantonen nur noch in wenigen Fällen. Meist sind nur Doppelverdiener mit höheren Einkommen davon betroffen.

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Meist fehlen für Paare, die im Konkubinat leben, die gesetzlichen Bestimmungen. Paare tun deshalb gut daran, eigene Abmachungen zu treffen. Auf Guider können sich Mitglieder mit nützlichen Musterverträgen behelfen und so erfahren, wie sie zum Beispiel die Vorsorge regeln können.

4. Wer bekommt wie viel Sozialhilfe?

Ehe:
Da sich Eheleute gegenseitig unterstützen müssen, werden sie bei der Sozialhilfe als «gemeinsame Unterstützungseinheit» betrachtet. Die Sozialbehörde zählt die Einnahmen und Ausgaben beider Partner zusammen und bestimmt so das Familienbudget.

Konkubinat:
Obwohl Paare ohne Trauschein keine gesetzliche Unterstützungspflicht haben, werden in der Praxis Einkommen und Vermögen des Partners angerechnet, sofern ein stabiles Konkubinat vorliegt.

5. Was gilt beim Erben?

Ehe:
Ehegatten sind laut Gesetz pflichtteilsgeschützte Erben. Wenn ein Ehegatte stirbt, muss der Überlebende dessen Nachlass hälftig mit allfälligen Nachkommen teilen. Hinterliess der Verstorbene keine Kinder, bekommt der Überlebende mehr, nämlich drei Viertel.

Konkubinat:
Unverheiratete erben gemäss Gesetz nichts voneinander, selbst wenn sie schon 30 Jahre zusammenleben. Mit einem Testament oder Erbvertrag kann der Partner begünstigt werden. Allerdings sind dabei Pflichtteile von Kindern respektive von Eltern zu berücksichtigen.

6. Gibt es eine Witwen- und Witwerrente der AHV?

Ehe:
Eine verheiratete Frau erhält eine Rente, wenn sie im Zeitpunkt des Todes ihres Mannes Kinder hat oder mindestens 45 Jahre alt ist und mindestens fünf Jahre verheiratet war. Ein Witwer hat nur dann Anspruch auf eine Witwerrente, wenn er zum Zeitpunkt der Verwitwung Kinder unter 18 Jahre hat. Seine Rente erlischt, wenn das jüngste Kind 18 Jahre alt wird. Die Witwerrente entfällt zudem, wenn er wieder heiratet. Wird die neue Ehe jedoch nach weniger als zehn Jahren geschieden (oder als ungültig erklärt), wird die verlorene Rente wieder ausbezahlt, sofern die Voraussetzungen dann noch erfüllt sind (Kinder unter 18 Jahre).

Konkubinat:
Ein hinterbliebener Konkubinatspartner geht leer aus: Die AHV kennt keine Witwen- oder Witwerrente für Unverheiratete. Es ist auch nicht möglich, das vertraglich zu ändern. Immerhin: Es kann sich nach der Pensionierung lohnen, nicht verheiratet zu sein. Denn bei verheirateten Paaren wird die Rente plafoniert – zusammen erhalten sie maximal 3525 Franken. Unverheiratete können im besten Fall auf Vollrenten von je maximal 2350 Franken hoffen und kommen so zu zweit auf bis zu 4700 Franken.

7. Gibt es eine Witwen- und Witwerrente der Pensionskasse?

Ehe:
Hinterbliebene Partner haben Anspruch auf eine Rente, wenn sie ein Kind zu versorgen haben oder älter als 45 Jahre alt sind und die Ehe mindestens fünf Jahre gedauert hat. Auch ein geschiedener Gatte kann unter Umständen eine Rente erhalten, wenn er gewisse Voraussetzungen erfüllt.

Konkubinat:
Das Gesetz sieht keine Leistungen an hinterbliebene Konkubinatspartner vor. Die Pensionskassen können aber im Reglement solche vorsehen, wenn die Lebensgemeinschaft mindestens fünf Jahre gedauert hat oder wenn die überlebende Seite für ein gemeinsames Kind sorgen muss.

8. Gibt es eine Waisenrente für Kinder?

Ehe und Konkubinat:
Kinder unter 18 Jahren sowie Kinder in Ausbildung bis zum 25. Geburtstag erhalten von der AHV und der Pensionskasse eine Waisenrente, wenn ein Elternteil stirbt – egal, ob verheiratet oder nicht.

 

9. Was, wenn die Beziehung bröckelt?

Ehe:
Ein Paar kann sich einvernehmlich trennen. Im Streitfall kann es ans Eheschutzgericht gelangen. Dieses wird einem Gatten die Wohnung zuteilen, die Obhut über die Kinder und die Alimentenzahlungen regeln. Wenn es nicht zur Versöhnung kommt, kann sich das Paar jederzeit einvernehmlich scheiden lassen. Falls ein Partner dagegen ist, kann der andere nach einer zweijährigen Trennung die Scheidung allein einreichen. Bei einer Scheidung erhält ein Ehegatte Alimente, wenn es ihm nicht möglich und nicht zumutbar ist, seinen Lebensunterhalt aus dem eigenen Einkommen zu decken. Zudem sind bei einer Scheidung das eheliche Vermögen und die Pensionskassenguthaben aufzuteilen.

Konkubinat:
Gesetzlich ist gar nichts geregelt. Der kinderbetreuende und haushaltsführende Partner kann bei einer Trennung keine Alimente für sich verlangen, es werden keine während der Konkubinatszeit gebildeten Ersparnisse und keine Pensionskassenguthaben geteilt.

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