Antwort von Koni Rohner, Psychotherapeut FSP:

Natürlich könnte es sein, dass Sie Ihr Mann einmal enttäuscht hat. Dann wäre der Mangel an Vertrauen gerechtfertigt. Da Sie aber selber sagen, Ihre Eifersucht sei unbegründet, muss es sich wohl um eine seelische Störung handeln, die überflüssiges Leiden verursacht.

Mit der Erkenntnis, dass das Problem mehr mit Ihnen als mit ihm zu tun hat, haben Sie schon den ersten wichtigen Schritt zu Ihrer Befreiung getan. Jetzt geht es da­rum, die Ursachen Ihrer Eifersucht zu erkennen und eine Strategie zu entwickeln, wie Sie diese «herunterfahren» können. Neben den Tipps am Ende dieses Textes kann Ihnen ein Ratgeberbuch oder eine therapeutische Begleitung dabei helfen.

Es gibt die angemessene Eifersucht

Es gibt so etwas wie eine normale Eifersucht. Das hat schon Sigmund Freud vor fast hundert Jahren festgestellt. Wenn man befürchten muss, den Liebes- oder gar Lebenspartner zu verlieren, macht das Angst – und wenn man ihn tatsächlich verliert, ist das etwas vom Schmerz­haftesten, was einem im Leben passieren kann. Begründete Eifersucht hat also durchaus einen Sinn und ist nachvollziehbar.

Daneben existiert aber die unangemessene, krankhafte Eifersucht. Für diese gibt es mindestens zwei Ursachen. Die näherliegende ist eine fundamentale persönliche Unsicherheit. Wer sich für nicht liebenswert hält, muss natürlich immer fürchten, andere wären für den Partner attraktiver. Man beginnt nach Zeichen der auch nur emotionalen Untreue zu suchen, sieht verdächtige Blicke, befürchtet Heimlichkeiten und beginnt den Partner zu kontrollieren. Dafür verachtet man sich und verliert weiter an Selbstwertgefühl – ein Teufelskreis. Die Eifersucht kann zum blanken Terror werden und die Beziehung zerstören. Was man verhindern wollte, hat man schliesslich selber bewirkt.

Die zweite Erklärung geht von einer Projektion aus. Dass man sich auch mal von jemand anderem als dem eigenen Partner oder der eigenen Partnerin angezogen fühlt, ist normal. Wer sich das aber nicht eingestehen kann und es verdrängt, sieht am andern in übersteigertem Masse das, was er bei sich selbst nicht sehen will. Die Eifersüchtigen im zweiten Fall sind ­also eigentlich verhinderte Seitenspringer.

Der goldene Schlüssel zur Eifersuchtsfreiheit wäre reife, bedingungslose Liebe. Eine Liebe, die nicht egoistisch den eigenen Gewinn sucht, sondern sich selbst, der Welt und dem andern vertraut. Solche Momente sind in jeder Beziehung möglich. Aber da wir nicht vollkommen sind, werden wohl die meisten von uns auch immer wieder mal von Eifersucht gepackt. Dann soll man sich nicht davon mitreissen lassen, sondern etwas dagegen tun.

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Tipps für (grundlos) Eifersüchtige…

  • Registriere, dass dich wieder dein altes Laster umtreibt (das gibt dir etwas Distanz).  
  • Überlege und/oder notiere, wo sich gezeigt hat, dass du dem Partner vertrauen kannst (das gibt dir wieder Sicherheit).  
  • Überlege und/oder notiere, was deine Stärken sind und wieso du liebenswert bist (das hebt dein Selbstvertrauen an).  
  • Mach deinem Partner ein Geschenk oder tue ihm etwas zuliebe (das stärkt die Bindung und das gegenseitige Vertrauen).  
  • Verbiete dir rigoros Kontrollen und Schnüffeleien (dafür bist du dir zu gut).  
  • Gestehe deine Eifersucht (was man ohne Vorwurf ausdrücken kann, erleichtert).
     

…und für ihre Partner

  • Zeige Verständnis für die Gefühle des Partners.  
  • Lass dich nicht zum Verteidigen oder ­Argumentieren provozieren.  
  • Widerstehe der Versuchung, im Partner absichtlich Eifersucht auszulösen oder anzuheizen, um dich stark zu fühlen.

Weitere Infos

  • Rolf Merkle: «Eifersucht. Die Angst vor dem Verlust des Partners überwinden»; Verlag PAL, 2013, 119 Seiten, CHF 19.90
  • Eifersuchts-Test: www.palverlag.de