Ihre Idee ist gar nicht so schlecht, weil eine räumliche Trennung eine Entspannung der Situation bewirken könnte. Ich würde allerdings nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten, das heisst vorderhand nur einmal eine vorübergehende Trennung oder eine Auflösung der gemeinsamen Wohnsituation vorschlagen. Vielleicht kommen Sie aber auch mit einer weniger radikalen Lösung aus dem Teufelskreis des Streitens heraus.

Grundsätzlich nützen Schuldzuweisungen nichts. Sie glauben, wütend zu werden, weil sich Ihre Partnerin in etwas hineinsteigert. Sie sieht es wahrscheinlich umgekehrt und glaubt, wegen Ihrer Wutausbrüche aggressiv zu werden. Kommunikationsforscher nennen dieses Phänomen «zirkuläre Beziehung». Es geht im Kreis herum, jeder hält den anderen für die Ursache und sich für den nur Reagierenden. Sehr oft geht es dann aber nicht nur im Kreis, sondern das Problem wird immer grösser. Es kommt zu einer Eskalation.

Die Eskalation eines Konflikts ist so häufig, dass sich auch die Wissenschaft damit beschäftigt hat. Sowohl in der Politologie als auch in der Psychologie gibt es Eskalationstheorien. Gewalteskalationen kann man nämlich ganz offensichtlich sowohl im Grossen zwischen Ländern oder Bevölkerungsgruppen als auch im Kleinen in Zweierbeziehungen beobachten. Es kann schlimmstenfalls um Tod und Leben gehen, aber auch Kränkungen oder seelische Verletzungen können eine Partnerschaft bereits so belasten, dass sie endgültig zerbricht.

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Wie man den Teufelskreis durchbricht

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat Eskalationen genau untersucht und ein Modell mit verschiedenen Stufen beschrieben. Es beginnt mit verhärteten Positionen und endet mit der totalen Konfrontation, in der die Vernichtung des anderen angestrebt wird, selbst wenn man dabei selber untergeht. Glücklicherweise sind Familiendramen, in denen es so weit kommt, selten. In jeder Eskalation engt sich aber die Wahrnehmungsfähigkeit ein, sieht man nur noch die Fehler des anderen und die eigenen nicht mehr, schiesst übers Ziel hinaus, sagt oder tut Dinge, die man später bereut, und verliert allmählich die Kontrolle über den Konflikt.

Was kann man tun, um den Teufelskreis zu durchbrechen? Wenn der Prozess noch nicht zu weit fortgeschritten ist, kann einer der Beteiligten eine Deeskalation einleiten. Statt härter zurückzugeben, versucht er zu verstehen - was nicht dasselbe ist wie nachgeben oder einlenken. Es wirkt aber auf jedermann beruhigend, wenn der Gegner plötzlich sagt: «Ich bin zwar nicht deiner Meinung, aber ich kann deine Position und deine Wut durchaus verstehen.»

Oft sind jedoch die Verletzungen oder die Angst zu unterliegen so gross, dass keine Partei diesen Schritt schafft. Dann braucht es einen aussenstehenden Vermittler, der vertrauensbildende Massnahmen einleitet. In der Partnerschaft kann dies ein Paartherapeut oder ein Mediator sein. Je früher man die Eskalation erkennt, desto leichter ist es auszusteigen.

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Quelle: Beobachter Edition