Das romantische Ideal, das wir aus Hollywoodfilmen kennen, sieht zugegebenermassen anders aus. Die Protagonisten lernen sich dort zufällig kennen, verlieben sich und heiraten – in der Regel nach einer dazwischengeschalteten Krisenphase, um es etwas spannender zu machen. Solche verliebten Momente können wir zwar alle erleben, und manchmal sind die Gefühle auch auf beiden Seiten gleich stark. Erstens aber braucht es für eine funktionierende jahrelange Partnerschaft mehr als Verliebtheit. Und zweitens gehorcht vielleicht auch bereits die Verliebtheit bestimmten Gesetzen, erfasst also nur Menschen, die auch irgendwie zueinanderpassen, die bestimmte Kriterien – wie sie ein Computer verarbeiten kann – erfüllen, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Natürlich hat sich auch die Psychologie mit der Partnerwahl beschäftigt. Sigmund Freud hat vor 100 Jahren zwei Partnerwahlmuster beschrieben. Eines ist die Wahl nach dem Anlehnungs­typus, bei der man ein Gegenüber wählt, das dem gegengeschlechtlichen Elternteil oder einem Geschwister ähnelt. Der Ehemann gleicht also dem Vater der Ehefrau oder die Ehefrau der Mutter des Mannes. Die andere Wahlmöglichkeit nach Freud ist die narzisstische Wahl: Man wählt jemanden, der einem selber ähnelt. Natürlich geht es bei beiden Varianten nicht nur ums Aussehen, sondern auch um Wesenszüge und Verhaltensmuster.

Gemeinsames und Gegensätze

Im Volksmund kennt man in Zusammenhang mit der Partnerwahl zwei Regeln, die sich zu widersprechen scheinen: Einerseits «Gleich und Gleich gesellt sich gern» und anderseits «Gegensätze ziehen sich an». Der US-amerikanische Psychologe ­Richard Centers hat 1974 an der Universität von Kalifornien mit wissenschaftlichen Methoden gezeigt, dass beide Redensarten ihre Berechtigung haben. Man sucht in einem Partner sowohl das Gleiche als auch das Andere. Was ähnlich ist, erleichtert die Kommunikation, das gegenseitige Verständnis und gibt einem ein Gefühl der Sicherheit und Vertrautheit. Was anders ist, hat den Reiz des Fremden und kann auch das in die Beziehung einbringen, was einem selber fehlt.

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Wichtige Faktoren bei der Partnerwahl sind – das zeigen verschiedene Untersuchungen – die soziale Schicht, das heisst die Ausbildung und das Einkommen, dann aber auch Interessen und Hobbys, körperliche Attraktivität, Nationalität und das Alter. So kann man sich vorstellen, dass in einer gut funktionierenden Partnerschaft etwa die soziale Schicht ähnlich ist, aber die Berufe völlig unterschiedlich – oder dass Interessen und Hobbys sich decken, aber die Herkunftsschicht ganz anders ist, und so weiter.

Der Verstand muss eingeschaltet sein

Zur Beurteilung der Stabilität einer Beziehung soll man aber nicht nur rückwärts schauen, nicht nur darauf, wo die Partner herkommen und was sie mitbringen, sondern auch in die Zukunft: Paartherapeuten betonen immer wieder, dass eine Beziehung dann besonders gut hält, wenn die Partner etwas Drittes verbindet. Oft ist es die Betreuung der Kinder, es kann aber auch ein gemeinsames Geschäft sein, das gemeinsame Suchen und Einrichten eines Heims oder auch die Liebe zu einem gemeinsamen Haustier.

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Fazit: Euphorische Verliebtheiten soll man geniessen, aber allein darauf lässt sich keine solide Partnerschaft aufbauen. Bei der Partnerwahl soll man genau hinschauen, ob man zusammenpasst, indem man seinen Verstand ­gebraucht. Aber auch auf den Bauch muss man hören, auf die Intuition: Das Unbewusste kann nämlich viel mehr Informa­tionen verarbeiten als unser Verstand. Ein ungutes Gefühl bezüglich einer Partnerschaft ist also durchaus ernst zu nehmen.