Bakr und Sanaa führten eine Fernbeziehung. Zunehmend einsam, fingen sie eines Tages an, über den Zaun zu grasen. Wie es der Zufall wollte, bandelten die beiden in einer Singlebörse ausgerechnet miteinander an. Bakr, der sich Adnan nannte, verliebte sich in Sanaa, die sich als Dschamila ausgab. Sie vereinbarten ein Rendez-vous. Als Bakr dort seine Internet-Liebe als seine Ehefrau erkannte, rief er: «Ich verstosse dich!» – «Du bist ein Lügner!», schrie Sanaa, bevor sie, wie die jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtet, in Ohnmacht fiel.

Diese Anekdote aus der Welt des Online-Datings zeigt, dass die Partnersuche im Internet weltweit boomt. Zugleich dokumentiert sie, dass aus einem virtuellen Flirt süsse – im konkreten Fall bittere – Realität werden kann.

Allein in der Schweiz buhlen rund 500 Kontaktanzeigenportale, Partnervermittlungen und Seitensprungagenturen um Hunderttausende von Singles. Zahlen zum Online-Dating sind zwar mit Vorsicht zu geniessen. Nur die Anbieter können sie liefern, und die haben ein Interesse, mit aufpolierten Statistiken zu glänzen. Gleichwohl lassen «Studien» aufhorchen, wie sie etwa der Internetdienst singleboersen-vergleich.ch (siehe «Ihre Möglichkeiten») jüngst veröffentlichte.

Waren 2002 erst 100'000 Anzeigen im Netz, sollen sich heute monatlich rund 700'000 Leute in Singlebörsen einloggen, plus 250'000 im «Adult Dating», wo Spezielles wie Seitensprünge, Swingerabende oder Sadomaso-Abenteuer gesucht, organisiert und angeboten werden. Die Zahlen seien seit 2007 relativ konstant.

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Das Internet gilt heute als dritt- oder sogar als zweitwichtigster Ort, um jemanden kennenzulernen neben den traditionellen Treffpunkten wie Arbeitsplatz, Ausgang und Freundeskreis. Ab Alter 41, wo die Disco zu laut und der Arbeitsplatz «abgegrast» ist, soll das Internet bereits zu Amors beliebtestem Jagdgebiet avanciert sein.

Die Männer sollen die Initiative ergreifen

Damit sein Pfeil das Ziel auch trifft, sollten insbesondere Singlemänner bedenken: Wie im realen Leben gilt auch im Internet die Devise Männerwahl. Die Männer sind es, die eine Frau erobern müssen, nicht umgekehrt. Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn Frau hat Ansprüche. Sie prüft genau, ob es ein Mann ernst meint, und reagiert empfindlich auf Täuschungen. Mann tut also gut daran, in seinem virtuellen Auftritt aufrichtig zu sein. Jedes Schummeln kommt ohnehin irgendwann ans Licht. Das Gebot der Wahrheit gilt übrigens auch für Singlefrauen. Laut Henning Wichers von singleboersen-vergleich.ch mogeln sie am häufigsten beim Alter, Männer hingegen beim Beziehungsstatus; jeder vierte Mann im Online-Dating steckt laut Wichers noch in oder erst am Ende einer Beziehung.

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Attraktive Frauen werden in Singlebörsen mit Kontaktanfragen überschüttet. Auch deshalb muss Mann sich Mühe geben. Das fängt beim Formulieren und Gestalten der Kontaktanzeige an und geht weiter, wenn er eine Auserwählte für ein Treffen gewinnen möchte. Rechtschreibfehler sind einem Erfolg so abträglich wie Standardbriefe. Um aus der Masse hervorzustechen, sollte gerade die erste E-Mail kurz, witzig und überraschend daherkommen und am besten auf etwas aus dem Profil der oder des Angeschriebenen Bezug nehmen.

Das bekannte Rollenmuster, wonach Männer öfter die Initiative ergreifen, ja, ergreifen müssen, bestätigt auch die Zürcher Soziologin Evelina Bühler-Ilieva. 2002 befragte sie rund 4100 Benutzer der damals grössten Schweizer Datingsite Partnerwinner.ch und fand heraus, dass Männer durchschnittlich fünf Inserate aufgaben, Frauen lediglich deren zwei. Trotzdem lernten die Frauen 22 Personen kennen, die Männer «nur» 12. Die Soziologin konnte auch die These untermauern, wonach ein Waschbrettbauch allein nicht reicht, um bei Frau zu landen. So bewerteten weibliche Singles sämtliche «wünschenswerten Charakteristiken» wie Ehrlichkeit, guten Charakter, Intelligenz, Zuverlässigkeit, Beruf oder Einkommen höher als Männer – sogar das Alter. Einzig auf Äusserlichkeiten wie Körpergrösse, Figur und Attraktivität legten die Singlemänner mehr Wert als die Singlefrauen.

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Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs erste Date?

Die von den Befragten ausgewiesene Erfolgsquote war übrigens überraschend hoch: knapp 23 Prozent. Dabei waren die Frauen insgesamt erfolgreicher als die Männer, fast jede dritte Frau fand einen Partner.

Wann nach einem virtuellen Flirt die Zeit reif ist für das erste Treffen, muss jeder für sich entscheiden. Zuvor lohnt sich ein Telefongespräch oder ein Videochat. Die Stimme kann viel über den Menschen und dessen Absichten offenbaren. Das erste Date sollte zwingend nicht zu Hause, sondern in der Öffentlichkeit und in einem zeitlich begrenzten Rahmen stattfinden; ein Mittagessen zum Beispiel. Generell sollten alle Singles nicht allzu vertrauensselig sein.

Tipps: Ihre Möglichkeiten

Partnervermittler: Sin­gles beschreiben sich und was sie suchen, bleiben aber anonym. Ausgefeilte Programme ermitteln potentielle Lebenspartner nach Persönlichkeitsmustern und paarpsychologischen Kriterien. Zum Beispiel: www.parship.ch, www.elitepartner.ch, www.be2.ch. Mitgliedschaft pro drei Monate ab 240 Franken. Kündigungsfristen beachten!

Kontaktbörsen: Singles suchen in einem «Katalog» selber nach poten­tiellen Partnern. Manche Sites unterbreiten auch Vorschläge. Zum Beispiel: www.friend­scout24.ch, www.swissfriends.ch, www.meetic.ch, www.swiss­flirt.ch, www.singletalk.ch. Mitgliedschaft im Start­monat: ab 45 Franken. Auf Kündigungsfristen achten!

www.singleboersen-vergleich.ch: Vergleichsdienst von Online-Single-Börsen. Bietet einen guten Überblick über das vielfältige Angebot und überzeugt durch Tipps und Tests.


Vorsicht im Internet

  • Achten Sie auf Eigen­artiges. Brechen Sie den Kontakt ab, wenn Sie ein mulmiges Gefühl bekommen oder aufgefordert werden, eine teure Nummer zu wählen (Vorwahl 0901 oder 0906). Auch wenn Sie via SMS Kontakt aufnehmen oder im Voraus Geld zahlen sollen.
  • Kommunizieren Sie über eine E-Mail-Adresse, die keine Rückschlüsse auf Ihren echten Namen zulässt. 
  • Gehen Sie ganz bewusst mit Angaben zu Ihrem Namen, Wohnort, Beruf um. 
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