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FrühförderungWie man Kinder auf den richtigen Weg bringt

Kaum können die Kleinen laufen, schickt man sie schon in die Frühförderung. Dabei lernen sie in der Spielecke oder im Wald viel mehr.

Wer auf einen kleinen Einstein hofft, sollte ihn am besten einfach spielen lassen.
von aktualisiert am 14. September 2017

Fremdsprachen, Tanz und Musik: Viele Eltern schicken ihr Kind so früh wie möglich in Kurse. Sie hoffen, dass der Nachwuchs in seiner Entwicklung davon profitiert. Buchautor und Kinderarzt Remo Largo widerspricht: «Das basiert auf einem verhaltensbiologischen Irrtum.»

Ein Kind werde ja auch nicht grösser, wenn es öfter gefüttert werde, nur dick, sagt Largo. «Diese Förderangebote dienen vor allem dazu, elterliche Ängste für kommerzielle Zwecke auszunutzen.» Aus Studien weiss man: Kinder, die vor Schuleintritt lesen und schreiben können, büssen ihren Vorsprung gegenüber den Mitschülern schon kurze Zeit später wieder ein.

Wie aber können Eltern den Kleinen auf die Sprünge helfen? Ganz einfach mit Frühförderung zu Hause. Im Folgenden die wichtigsten Punkte.

Geborgenheit und Liebe

Kinder, die sich zu Hause geborgen und geliebt fühlen, leben ihre natürliche Neugier aus, die Welt zu entdecken. Ihre Lern- und Wissbegier wird durch eine abwechslungsreiche und vielseitige Umgebung optimal gefördert. «Ein Kind, dessen Eltern seine Fragen beantworten, mit ihm reden, ihm vorlesen, mit ihm reimen und singen, braucht keine Extras für seine geistige Entwicklung», sagt Elsbeth Stern, Leiterin des Bereichs Lernforschung an der ETH Zürich.

Reden und zuhören

Sprachförderung findet im Alltag statt, immer dann, wenn Erwachsene mit dem Kind sprechen und ihm zuhören. Die Kleinen sollten Sprache und die Bedeutung eines Worts auch im Spiel erleben. Was «auf» heisst, verstehen sie erst wirklich, wenn sie zum Beispiel Holzklötze stapeln. Handeln und Verstehen gehen Hand in Hand.

TV, Tablet und Computer

TV, Tablet und Computer haben einen positiven Einfluss auf die Sprachentwicklung – wenn der Inhalt altersgerecht ist und die Eltern mit dem Kind darüber sprechen. Unabhängig davon sollte man die Zeit begrenzen, die der Nachwuchs mit diesen Geräten verbringt. Sonst kippt der positive Effekt schnell ins Gegenteil.

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Checkliste «Entwicklungsphasen Kleinkinder» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Ab wann beginnen Kleinkinder über Ursachen und Folgen nachzudenken? In welchem Alter werden Puzzles und mechanische Gegenstände für sie interessant? Mitglieder von Guider erhalten in der Checkliste «Stufen der geistig-kognitiven Entwicklung der Kleinkinder» Anhaltspunkte für die Förderung ihrer Sprösslinge.

Ohne Regeln, ohne Eltern

«Das freie Spiel ist der beste Nährboden für die Schulfähigkeit», sagt die Berner Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm. «Eltern, die dem Spiel einen hohen Stellenwert beimessen, legen nicht nur die Basis für die Freude am Lernen, sondern auch für einen langfristigen und stabilen Schulerfolg.» Die Kinder werden beim freien Spielen nicht nur kreativ, sie lernen auch, sich sozial zu verhalten und sprachlich besser auszudrücken.

Leider ist die Zeit, die Kinder mit freiem Spiel verbringen, in den letzten 15 Jahren um rund einen Drittel geschrumpft. Schuld daran ist – neben den neuen Medien – der Förderwahn. In vielen Institutionen für Kleinkinder geht das freie Spiel vergessen, weil Eltern und Gesellschaft unter Förderung etwas anderes verstehen als eine Spielecke, in der die Kinder unter sich sind und spielen können, wie sie wollen.

Selbst zu Hause werden Kinder oft mehr animiert, als nötig und förderlich wäre. Kinder brauchen nicht ständig Eltern um sich, die sie beschäftigen oder unterhalten. Oft reicht eine Anregung, und schon befinden sie sich im Flow: tief versunken in ein Spiel, glücklich und zufrieden mit der Welt und sich selbst.

Wald, Natur und Tiere

Wasser und Wald seien die «Urheimat der Kinder», sagt Remo Largo. Die Natur bietet viel mehr motorisches Entwicklungspotenzial als jede Sportstunde. Hier sind dem freien Spiel so gut wie keine Grenzen gesetzt. Auf Baumstämmen jonglieren, Steine nebeneinanderreihen, Wasser stauen, Sachen sammeln – Anregungen gibts mehr als genug. Die Förderung besteht auch hier vor allem darin, beobachtend im Hintergrund zu bleiben und nur dann einzugreifen, wenn tatsächlich einmal Verletzungsgefahr droht oder wenn das Kind möchte, dass man mitspielt.

Auch Tiere faszinieren Kinder, egal, ob im Zoo oder auf dem Bauernhof. Wichtig ist, dass das Kind das Tempo angeben darf. Das gilt auch für Spaziergänge in der freien Natur. Am meisten profitieren die Kleinen, wenn sie überall verweilen dürfen, wo sie wollen. Auch hier begreifen sie kausale Zusammenhänge nur, wenn sie erleben, was sie mit ihrem Handeln bewirken. Computerspiele und Filme können erlebte Abenteuer zwar ergänzen, aber nicht ersetzen.

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Dinge und Sächelchen

Bauklötze, Teddybär und Kugelbahn sind zwar gute Spielsachen, aber für die Entwicklung nicht wirklich nötig. In Kulturen, die kein spezielles Spielzeug kennen, entwickeln sich Kinder genauso gut wie hierzulande – wo sie übrigens meist zu viel besitzen.

Was es braucht, sind Dinge zum Spielen, und die finden sich eigentlich überall. Wo es keine Trommel gibt, tun es auch Pfanne und Holzkellen, Tannzapfen kann man ebenso gut werfen wie Bälle. Und wenn die Eltern gegen Spielzeugwaffen sind, wird eben aus einem Stück Holz eine Pistole. Auch am Wasser oder im Sand können sich Kinder stundenlang beschäftigen.

Und zu Hause interessieren sie sich für fast alles, was ihnen im Alltag begegnet, und wollen mitmachen: abwaschen, Wäsche aufhängen, kochen. Auch hier gehört es zur Förderung, sich dafür die Zeit zu nehmen. «Damit geben Eltern dem Kind auch das wichtige Gefühl, gebraucht zu werden, und damit eine wohltuende Bestätigung von Zugehörigkeit», so Experte Largo.

Geschwister und Gspäändli

Ältere Geschwister haben einen positiven Einfluss auf die Entwicklung. Die Franz-Studie der Uni Freiburg von 2012 zeigt: Kinder, die sehr weit fortgeschritten sind, haben fast immer einen grösseren Bruder oder eine grössere Schwester. Einzelkinder profitieren besonders vom regelmässigen Kontakt mit Gleichaltrigen. Im Spiel mit ihnen entwickeln sie soziale Kompetenzen und üben sprachliche Fähigkeiten.

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