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Kinder gleichberechtigt erziehenMein Kind – mein Freund?

Wenn sich Eltern und Kinder gut verstehen, ist das schön. Aber eine gleichberechtigte Partnerschaft sollte es nicht sein.

Wollen Eltern dem Kind zu sehr gefallen und sie in die Erziehung mit einbeziehen, geht das nur auf Zeit gut.
Von aktualisiert am 23. Mai 2019

«Willst du zum Zmittag ein Brötli, oder soll ich etwas kochen?», fragt die Mutter ihre dreijährige Tochter. «Brötli», haucht Lea. «Wir sind schon spät dran, fürs Kochen bleibt keine Zeit», doppelt die Mama nach. «Ich will Brötli», wiederholt Lea. «Okay, dann gehe ich jetzt gleich ein paar kaufen.»

Die Mutter ist beruhigt, denn sie hat die Zustimmung der Tochter. Und Lea? Sie mag Brötli zwar sehr gern – aber zu entscheiden, ob die Mutter kochen soll oder nicht, damit ist sie überfordert. «Sollen wir zu Fuss in den Laden gehen oder das Auto nehmen? Und willst du die braune oder die rote Hose anziehen?» Alles gut gemeint, aber für die Kleine eine heillose Überforderung.

Viele Eltern scheuen sich, Entscheidungen zu fällen für die Kinder, selbst wenn die noch klein sind. So meiden die Eltern Konflikte, der Alltag scheint dadurch leichter.

Doch die Kinder sehen sich vor Entscheidungen gestellt, die nicht ihrem Entwicklungsstand entsprechen. Zudem wird übermässig auf sie eingeredet. «Es wäre gut, wenn wir heute auf den Spielplatz gingen, was meinst du, Lea? Aber eigentlich ist das zu stressig, am Nachmittag kommt ja das Grosi.» Was soll Lea darauf antworten? Ob es zu stressig ist, weiss sie nicht.

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Checkliste «Entwicklung des Sozialverhaltens bei Kleinkindern» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Nicht alle Kinder entwickeln sich gleich. Dennoch gibt es für Eltern Anhaltspunkte, ab welchem Alter Kinder in der Regel anfangen zu «trötzeln» oder zu fremdeln, oder ab wann sie Zu- oder Abneigung zu Spielkameraden zeigen. Mitglieder von Guider erfahren dazu mehr in der Checkliste «Die wichtigsten Entwicklungsschritte im Sozialverhalten von Kleinkindern».

Das Kind lieben oder beliebt sein?

Ein Erwachsener kann auf Augenhöhe mit dem Kind sprechen, aber umgekehrt funktioniert das nicht. «Will ich meine Kinder lieben oder will ich bei meinen Kindern beliebt sein?» Beides unter einen Hut zu bringen sei meist nicht realistisch, sagt der bekannte dänische Familientherapeut Jesper Juul.

Eltern müssen Kinder ernst nehmen und sie einbeziehen in Entscheidungen, die direkt ihr Erleben betreffen Erziehung So macht man Kinder glücklich : «Was sollen wir spielen?» Oder: «Möchtest du mit dem Tretvelo fahren oder mit dem Traktor?» Das können Dreijährige entscheiden. Aber sie sollten nicht überall gleichberechtigt mitbestimmen.

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Eltern müssen Entscheidungen treffen

Allzu oft wollen Eltern die Kinder wie Kumpel behandeln – als wären sie emotional und sozial auf der gleichen Wellenlänge. Es ist zwar erstrebenswert, dass man Kinder partnerschaftlich erzieht. Doch Kinder sind keine Partner, mit denen man freundschaftlich verkehrt. Kinder sind keine Erwachsenen und Eltern nicht ihre besten Freunde.

Freunde sind gleichberechtigt, sie kommunizieren auf Augenhöhe. Von einem guten Partner und Freund kann man erwarten, dass er abends nach dem Gute-Nacht-Ritual auch wirklich ins Bett geht und nicht noch zehnmal auftaucht, um noch ein Glas Wasser, noch eine Geschichte oder noch ein Schlaflied zu erbitten.

Eltern müssen Kindern Grenzen setzen. Und Eltern sollen erwachsen und selbstbewusst Entscheidungen treffen. Im Beispiel oben wäre die Unterhaltung idealerweise so verlaufen:

Mutter: «Lea, ich mag heute nicht kochen, die Zeit reicht nicht. Gehen wir doch Brötli kaufen.»
Tochter: «Ich will Nudeln!»
Mutter: «Heute kann ich keine Nudeln kochen, morgen dann wieder.»
Tochter: «Blöde Mama.»

 

Die Mutter muss es aushalten, dass die Tochter sie für den Moment ablehnt, weil heute keine Hörnli auf den Tisch kommen. «Verunsicherte Eltern greifen nicht durch, weil sie nichts falsch machen und den Kindern gefallen wollen», sagt der schwedische Psychiater David Eberhard. «Am Ende beherrschen die Kinder das komplette Familiengeschehen, diktieren zum Beispiel, was gegessen wird Ernährung Wää! Gemüse! und wohin die Ferienreise geht.»

Und wenn Kinder langsam erwachsen werden?

Regeln und Grenzen bilden einen verlässlichen Rahmen, in dem Kinder aufwachsen und ein Gefühl der Sicherheit erfahren. Auch wenn es immer wieder zu Konflikten führt. Sie lernen, sich abzulösen Flüggewerden Wie viel Kontrolle und Verbote nötig sind , werden autonom und selbstsicher. Das zeigt sich dann, wenn früher oder später offensichtlich überholte Grenzen zur Diskussion stehen – wenn die Kinder älter sind und die Eltern sich offen zeigen müssen für lösungsrelevante Argumente.

Kinder wissen, dass es zur Rolle der Eltern gehört, nicht alles mit ihnen zu teilen. Dass sie sich aber stets um sie kümmern und sich mit Erwachsenenproblemen auseinandersetzen.

Zumindest solange sie selbst noch nicht erwachsen Pubertät Wie sollen Eltern mit ihren Teenagern umgehen? sind, wollen Kinder mit den Eltern nicht befreundet sein, sondern auf ihren Rückhalt zählen. Die Eltern erleichtern den Kindern das Erwachsenwerden, wenn sie ihr eigenes Leben leben, Hobbys und Freunde haben, mit ihren Schwierigkeiten allein klarkommen und den Kindern immer wieder vermitteln, dass sie nicht für ihr Glück und Wohlbefinden zuständig sind.

Fazit deshalb: Kümmern Sie sich um Ihre Kinder und seien Sie gute Eltern. Aber versuchen Sie nicht, die besten Freunde Ihrer Kinder zu sein.

Tipps: So grenzen sich Eltern positiv ab

  • Eigene emotionale Reaktionen hinterfragen: Warum fühlen Sie sich nach bestimmten Situationen traurig, verärgert oder froh? Und nach welchen?
  • Verantwortung übernehmen für die eigenen Gefühle: Ihr Kind kann nichts dafür, dass Sie wütend sind – auch wenn es allenfalls durch sein Verhalten Erziehung Eine Anleitung für korrektes Schimpfen die Verärgerung ausgelöst hat. Für Ihre Gefühle sind allein Sie verantwortlich. Gehen Sie mit der gleichen Achtsamkeit mit den Gefühlen des Kindes um. Achten Sie darauf, wie Sie innerlich darauf reagieren.
  • Gedanken des Kindes akzeptieren: Eltern sollten die Gedanken- und Gefühlswelt der Kinder nicht vereinnahmen. Vermeiden Sie deshalb Aussagen wie «Wenn du fröhlich bist, bin ich es auch» oder «Sei doch nicht traurig, sonst bin ich es auch».
  • Das Kind unabhängig werden lassen: Prüfen Sie hin und wieder, ob es Ihnen schwerfällt, das Kind loszulassen, damit es eigene Erfahrungen machen Erziehung Soll ich mein Kind ausprobieren lassen? kann. Was befürchten Sie? Und welche Gefühle löst dieser Gedanke in Ihnen aus?
  • Sich über die eigenen Bedürfnisse Klarheit verschaffen: Je besser Sie über sich, Ihre Gefühle und Bedürfnisse Bescheid wissen und je bewusster Sie dafür die volle Verantwortung übernehmen, desto leichter fällt es Ihnen, Ihr Kind positiv abgegrenzt und zugleich liebevoll ins Erwachsenenleben zu begleiten.
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Checkliste «Erfolgreich Grenzen setzen» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Kinder und Jugendliche testen immer wieder ihre Möglichkeiten bei den Eltern aus. Aus diesem Grund ist es für Eltern wichtig, konsequent zu bleiben. In der Checkliste «Erfolgreich Grenzen setzen» erhalten Mitglieder von Guider nützliche Erziehungstipps.

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Raphael Brunner, Online-Redaktor

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