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Arbeitslosigkeit, Schweinegrippe, Gewalttaten: Hätte die welt­weite Stimmungslage im Krisenjahr 2009 eine Farbe, wäre sie dunkel­grau. «Alles ist rosarot», schwärmt hingegen die 18-jährige Jeannine Landert. Ist ja auch klar, schliesslich ist sie frisch verliebt. Krise? Pah! Ob sich jemand in seinem Alltag glücklich fühlt oder nicht, hängt von ganz anderen Faktoren ab – in erster Linie von solchen im privaten Umfeld. Die rosarote Befindlichkeit der KV-Stiftin aus Jona SG, die dem Beobachter wie andere Persönlichkeiten über ihre Ansichten zum Glücklichsein Auskunft gab (siehe Porträts im Nebenartikel), steht beispielhaft dafür.

Eine exklusive Meinungsumfrage des Beobachters zeigt nun: Die Wirtschaftskrise hat die Rückbesinnung aufs Private noch akzentuiert – Glücksgefühle finden die Schweizerinnen und Schweizer vermehrt in ihrem persönlichen Umfeld. ­Diese Erkenntnis ergibt sich aus dem Vergleich der Erhebung vom Mai 2009, die unter dem Eindruck der aktuellen Krise stand, mit einer Zufriedenheitsumfrage des Beobachters von Ende 2003, also in einer Periode der Hochkonjunktur. Damals wie jetzt wurde eine repräsentative Bevölkerungsgruppe nach den spontanen Zufriedenheits- und Glücksfaktoren ihres Alltags gefragt. Bündelt man die einzelnen Antworten thematisch, lassen sich deutliche Veränderungen herauslesen (Details siehe Grafiken):

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Beziehungen sind am wichtigsten

Der meist­genannte Glücksfaktor mit 22 Prozent Nennungen ist neu das Themenbündel Familie/Verwandte/Haustiere; gegenüber 2003 ein deutliches Plus. Auch alle anderen persönlichen Beziehungen (Partner, Kinder, Freunde/Kollegen) haben für das Glücksempfinden an Bedeutung zugelegt.

Privatleben wird grossgeschrieben

Hobby/Reisen/Ferien ist mit 21 Prozent der Faktor, der 2009 als Glücksmacher am zweithäufigsten genannt wird; bei der Zufriedenheitsstudie von 2003 kam dieser Posten nur auf Platz fünf. Auch Haus/Wohnung/Garten wird in der neuen Umfrage höher bewertet. Bezogen auf die Krise, ist das plausibel: Wenn es in der Aussenwelt unge­mütlich wird, hält man sich lieber von ihr fern.

Arbeit verliert an Stellenwert

Der Job als Quelle von Glücksmomenten vereinigt in der aktuellen Befragung 18 Prozent der Nennungen – nur noch Platz drei gegen­über der Spitzenposition in der Studie von 2003. «Glücklich sein» wird heute stärker vom ­Privatleben ausserhalb von Büros und Werkstätten geprägt – bemerkenswert für die Schweiz mit ihrem traditionell hohen Arbeitsethos.

Auch wenn sich die Komposition des Glücks verändert: Insgesamt scheinen sich die Schweizerinnen und Schweizer die Stimmung durch die Krise nicht vermiesen zu lassen. Ihr persönliches Stimmungs­barometer schätzten sie auf einer Skala von 1 bis 10 nämlich auf einen hohen Glücksmittelwert von 7,5 ein. Das ist nur gering­fügig weniger als im Boomjahr 2003 mit einem Wert von 7,7. Woher kommt diese verblüffende Stabilität der Zufriedenheit?

Hans-Ruedi Hertig vom Meinungs­forschungsinstitut Konso AG, das die Be­obachter-Umfrage durchführte, erklärt: «Es ist schweiztypisch, dass bei uns der Anteil der sogenannt resignativ Glücklichen vergleichsweise hoch ist: Wenn es eng wird, senken sie ihre Erwartungen – und sind schon zufrieden, wenn sich diese bescheidenen Hoffnungen erfüllen.»

Überhaupt gehen die Schweizerinnen und Schweizer überaus pragmatisch durch die krisengeschüttelte Welt. Bei der Frage, was sie in letzter Zeit unglücklich gemacht habe, steht mit 27 Prozent der Nennungen einsam an der Spitze: «nichts». Glücklich das Volk, das so etwas sagen kann!

1. Was hat Sie in letzter Zeit besonders mit Glück erfüllt?

Familie, Verwandte, Haustiere     22%

Hobby, Reisen, Ferien     21%

Wetter, Klima, Sommer     15%

Arbeit     15%

Gesundheit     15%

Kinder     13%

Leben, Lebenssituation insgesamt     12%

Freunde/Kollegen/Verein/Nachbar     11%

nichts     10%

Ehefrau/-mann, Partner(in)     10%

persönlich: Glück allg.., Erfolg etc.     9%

Haus, Wohnung, Garten etc.     6%

Schweiz,  ­Landschaft, Berge     3%

Geld, Lohn     2%

2009: Auf die Frage nach alltäglichen Glücksfaktoren nennen die Schweizerinnen und Schweizer am häufigsten persönliche Beziehungen und Privatangelegenheiten. Das Thema Arbeit verliert – relativ gesehen – an Bedeutung (Mehrfachnennungen möglich).

2003: Bei der Frage, welche Faktoren im Alltag für Zufriedenheit sorgen, dominierte in der Phase der Hoch­konjunktur der Aspekt Arbeit. Persönliches und Privates erhielten durchs Band weniger Nennungen.

Quelle: Zsigmond Toth

2. Beeinflusst die Krise Ihr eigenes Glücksempfinden?


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3. Sind die Schweizer nun glücklicher als zuvor?

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Der Einfluss der Krise: Fast drei Viertel der Befragten geben an, ihr eigenes Glücksgefühl werde nicht oder kaum beeinträchtigt (Frage 2). Demgegenüber glaubt über die Hälfte, die Allgemeinheit sei nun weniger glücklich (Frage 3). Erklärung: Die durch die Medien vermittelte Bedrohung durch die Krise ist viel grösser als die eigene, reale Betroffenheit.

Um die Grafik grösser darzustellen, klicken Sie bitte mit der Maus auf die Grafik.

Quelle: Zsigmond Toth

4. Wie glücklich fühlen Sie sich selber? Und für wie glücklich halten Sie die Schweizer?

Das Ausmass des Glücks: Auf einer Skala von 1 bis 10 stufen sich die Befragten selber bei einem Wert von 7,5 ein. Der Glückslevel der Gesamtbevölkerung wird deutlich tiefer einge­schätzt. Hier spielt der stärkere Fokus aufs Private eine Rolle. Der hohe Wert bei Selbständigen und Kaderleuten hat mit deren grösserer Selbstbestimmung zu tun.

5. Was macht Sie glücklich? Zitate aus der Umfrage

  • «Mein Kind, das laufen gelernt hat»

  • «Mein Hund»

  • «Velofahren in der Natur»

  • «Meine Enkel haben mich angelacht»

  • «Ich habe geheiratet»

  • «Immer wenn ich meine Freundin ansehe»

  • «In der Migros hat mich jemand an der Kasse vorbeigelassen»

Glückssymbole und ihre Herkunft

Schwein: Das Borstentier galt bereits den Kelten als heilig.
Wurde eines geschlachtet, war die Tafel besser gedeckt als sonst – daher kommt vermutlich der Ausdruck «Schwein haben». Ausserdem dienten Schweine an mittelalterlichen Wettbewerben oft als Trostpreis.

Kleeblatt: Schon keltische Druiden verwendeten vierblättrige Kleeblätter zum Schutz vor bösen Geistern. Als Glücks­symbol wird es wohl vor allem wegen seiner Seltenheit verehrt. Die christliche Deutung führt diese Funktion eher auf die Kreuzform zurück. Es gibt übrigens auch Kleeblätter mit weniger als drei und mehr als vier Blättern – die sind noch seltener.

Schornsteinfeger: Der schwarze Geselle wurde zum Glückssymbol, weil seine Arbeit vor Bränden bewahrte. Je nach Aberglaube soll es Glück bringen, den Schornsteinfeger selbst oder einen der Goldknöpfe an seiner Uniform anzufassen. Auch Russ von seiner Kleidung soll an den eigenen Händen Glück bringen.

Fliegenpilz: Bei den Germanen war der Pilz wegen seiner halluzinogenen Wirkung heilig. Seine heutige Bedeutung als Glücksbringer stammt davon.

Marienkäfer: Er frisst Blattläuse und ist deshalb ein nützlicher Schädlingsbekämpfer. Wegen seiner roten Färbung wird er oft mit Liebe und Heirat in Verbindung gebracht.

Hufeisen: Es verdankt seine ­Bedeutung der ursprünglichen Funktion: Es schützte die wertvollen Pferde. Über der Haustür angebracht, soll es vor Krankheiten, Feuersbrünsten und Blitz­schlag bewahren. Wichtig ist, dass es mit der Öffnung nach oben aufgehängt wird, damit das Glück nicht herausfallen kann.