Meerschwein Max realisierte schnell, dass er an einem dunklen, zugigen Ort und ohne Partner sein Dasein würde fristen müssen. Er schätzte seine Zukunft düster ein. Wenn Haustiere sprechen könnten, käme so manch tristes Schicksal an den Tag. Kinderherzen schlagen zwar höher beim Anblick von Meerschweinchen, Kätzchen und Co., sie können jedoch nicht wirklich abschätzen, was es heisst, für ein Tier zu sorgen – die Verantwortung dafür liegt bei den Eltern. Jene unter Ihnen, die sich mit Wünschen nach pelzigen oder gefiederten Hausgenossen konfrontiert sehen, sollten sich ausführlich über die Bedürfnisse der Tiere informieren und prüfen, ob die Wohnung eine artgerechte Haltung überhaupt ermöglicht.

Nachfolgend geben wir sieben beliebten Haustieren gleich selber das Wort und orientieren über die gesetzlichen Bestimmungen gemäss der gültigen Tierschutzverordnung.

Quelle: Jupiterimages Stock-Kollektion

Der Hund

«Ich sehe vielleicht nicht so aus, aber: In mir steckt ein Wolf – wild! Stolz! Ungezähmt! Na ja, zumindest irgendwo tief drin. Aber wenn mir kein Rudelchef Grenzen setzt, kann ich echt ganz schön ausflippen. Wenn man mich jedoch geduldig und konsequent erzieht, weiss ich mich zu benehmen. Denn im Grunde ist das mit dem Wolf ja schon länger her – und ganz unter uns: Eigentlich bin ich ziemlich drauf fixiert, dass mein Mensch mit mir zufrieden ist.»

Hunde haben die Fähigkeit, Stimmungsschwankungen «ihrer» Menschen zu spüren. Im Welpenalter müssen sie aber intensiven Kontakt zu Menschen und anderen Hunden haben, nur so können sie diese später als Sozialpartner erkennen. Ein Hund braucht viel Bewegung: Es muss klar geregelt sein, wer in der Familie am Morgen, am Mittag und am Abend mit ihm rausgeht; auf keinen Fall darf er den ganzen Tag allein gelassen werden. Beim Kauf eines Hundes muss man wissen, dass jahrelanges und beharrliches Engagement gefragt ist, zumal ein Hund zehn bis fünfzehn Jahre alt werden kann.

Das sagt das Gesetz:

  • Zwar wird per 1. Januar 2017 das Hundekurs-Obligatorium abgeschafft, die Kantone können jedoch selber festlegen, ob sie die Kurse vorschreiben wollen. Für Besitzer von grossen und massigen Hunden mit Wohnsitz im Kanton Zürich besteht zum Beispiel weiterhin eine Ausbildungspflicht.
  • Hunde müssen täglich mehrmals ausgeführt werden. Soweit erlaubt, sollen sie sich dabei auch ohne Leine bewegen können.
  • Hunde dürfen nicht den ganzen Tag angebunden sein. Sie müssen sich während des Tages mindestens fünf Stunden frei bewegen können. In der übrigen Zeit an einer Laufleine müssen sie mindestens 20 Quadratmeter zur Verfügung haben und dürfen nicht mit einem würgenden Zughalsband angebunden sein.
  • Weitere wichtige Infos zur Hundehaltung
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Die Katze

«Ich sehe zwar flauschig aus, Vögel, Mäuse, aber auch Blindschleichen oder Eichhörnchen halten mich jedoch für ein blutrünstiges Monster – zu Recht. Überhaupt bin ich recht triebgesteuert: Hat etwa der Nachbar gerade seinen Garten hergerichtet, kann ich einfach nicht anders, als mein ‹Geschäft› in seinem frisch umgegrabenen Blumenbeet zu verrichten. Wer mit mir zu tun hat, muss mich so nehmen, wie ich bin.»

1,4 Millionen Katzen leben in der Schweiz, eigenwillig und nicht erziehbar. Forscher konnten nachweisen, dass sie auf den Menschen blutdrucksenkend wirken. Manche Katzen sind Einzelgänger, andere gesellig, das hängt von der Prägung ab, die sie als Jungtiere erfahren haben. Einzelgänger pflegen intensiven Kontakt zu ihren Haltern und gehen Artgenossen aus dem Weg. Gesellige Tiere können ohne andere Katzen depressiv werden.

Zu unterscheiden ist zwischen Katzen mit Auslauf und Wohnungskatzen. Tiere mit Auslauf können ihre Bedürfnisse praktisch selber befriedigen; doch auch sie müssen gefüttert werden, da unsere Kulturlandschaft keine genügende Nahrungsgrundlage bietet. Reinen Wohnungskatzen, die nichts anderes kennen, ist hingegen auch drinnen wohl. Um diese Tiere muss man sich aber intensiv kümmern und ihnen viele Spielmöglichkeiten bieten. Der Schweizer Tierschutz betont zudem, dass Wohnungskatzen nicht einzeln gehalten werden sollten. Katzen können über 20 Jahre alt werden.

Das sagt das Gesetz:

  • Das Gesetz verlangt von allen Tierhaltern, Massnahmen gegen die übermässige Vermehrung der Tiere zu treffen: Es wird empfohlen, frei laufende Tiere zu kastrieren. Die gewerbsmässige Zucht ist meldepflichtig und die Züchter müssen entsprechend ausgebildet sein.
  • Für eine einzelne Wohnungskatze sollte eine Zweizimmerwohnung zur Verfügung stehen – und für jede weitere Katze ein Zimmer mehr. Erhöhte Ruheflächen und Rückzugsmöglichkeiten, Kletter- und Kratzgelegenheiten sowie ein Klo pro Katze sind vorgeschrieben.
  • Weitere Informationen und Tipps zur Katzenhaltung

Mehr zu Haustieren bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Ob Sie sich einen Hund, eine Katze, oder ein Pferd anschaffen, muss wissen, dass damit auch Pflichten einhergehen. Guider erklärt seinen Mitgliedern, was mit einem Haustier auf sie zukommt, wie sie als Tierhalter haften und wie es mit der Bewilligungspflicht des Vermieters zur Haltung von Haustieren in Mietwohnungen aussieht.

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Der Goldhamster

«Also, ich stelle das jetzt mal klar: Tagsüber will ich meine Ruhe haben, weil ich dann schlafe. Die Nacht dagegen mache ich zum Tag – aber so richtig mit Halligalli und Action, da werd ich zum Tiger – und nehme auch keine Rücksicht auf schlafende Kinder. Als überzeugter Einzelgänger genüge ich mir übrigens selbst vollkommen, auf Gesellschaft pfeif ich.»

Zum Knabbern benötigt ein Hamster Einrichtungsgegenstände: Kletteräste, Zweige von Weiden, Haselsträuchern oder Obstbäumen. Ob ein Hamsterrad sinnvoll ist, beurteilen Fachleute unterschiedlich. Hamster sind übrigens keine reinen Vegetarier: Körner sollten tierische Eiweisse enthalten. Zudem mögen sie Trockenfutter, Obst und Gemüse, Beeren, Hirsekolben, Nüsse und natürlich frisches Wasser. Ein Hamster kann vier Jahre alt werden.

Das sagt das Gesetz:

  • Für Goldhamster ist eine minimale Käfigfläche von 0,18 Quadratmetern (zum Beispiel 30×60 Zentimeter) vorgeschrieben. Empfohlen werden jedoch mindestens 0,5 Quadratmeter Grundfläche und 50 Zentimeter Höhe.
  • Der Käfig oder das Terrarium soll mindestens 15 Zentimeter tief eingestreut sein. Besser ist eine Einstreumischung aus Hobelspänen, Heu und Stroh von etwa 30 Zentimeter Tiefe: So kann der Hamster nach Herzenslust buddeln.
  • Weitere Tipps und Informationen zur Haltung von Goldhamstern
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Das Zwergkaninchen

«Ja, ich weiss: Ich bin klein und knuddelig – aber das gibt doch niemandem das Recht, mich dauernd herumzutragen und an mir rumzudrücken. Ich mag das nicht, und da braucht man sich nicht zu wundern, wenn ich auch mal zubeisse, weil mir das ‹Geknuddel› auf den Geist geht. Also: Pfoten weg!»

In der Tat: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kaninchen menschliche Zuwendungen geniessen. Sie wollen vielmehr mit Artgenossen in Gruppen leben – obwohl es ab und zu auch Unverträglichkeiten gibt und ein Tier das Gehege verlassen muss. Auf den Speisezettel gehören täglich Trockenfutter, Heu und Wasser; kommen noch frische Kräuter und Gräser, Wurzeln und Rinde dazu, umso besser. Damit es den Kaninchen nicht langweilig wird, brauchen sie frische Äste und Weichholzstücke von ungiftigen und ungespritzten Bäumen und Sträuchern oder getrocknete Maiskolben, Äpfel oder Rüben. Der Stall muss regelmässig geputzt werden, um Krankheiten zu verhindern. Wenn Kaninchen gesund bleiben, können sie zehn Jahre alt werden.

Das sagt das Gesetz:

  • Gruppenhaltung ist für Jungtiere vorgeschrieben; ausgewachsene Kaninchen müssen Riech- und Hörkontakt zu Artgenossen haben.
     
  • Ein Stall für zwei Kaninchen (ein Tier bis 2,3 Kilo Gewicht) ohne Nachwuchs muss mindestens 0,34 Quadratmeter gross sein, zirka 40×90 Zentimeter Grundfläche und 40 Zentimeter Höhe haben.
     
  • Weitere Tipps und Informationen zur Kaninchenhaltung
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Das Meerschweinchen

«Was mit Kumpels von mir schon alles angestellt wurde: Die hat man in Puppenwagen gebettet, in Lego-Häuser gesteckt oder zum Kuscheln mit ins Kinderbett genommen. Wir sehen zwar aus wie niedliche Fellbällchen, schon klar, aber wir sind doch kein Spielzeug! Und wenn wir uns nur widerwillig aus dem Käfig zerren lassen, dann liegt das einfach daran, dass wir nicht aus dem Käfig gezerrt werden wollen. Gopf.»

Meerschweinchen sind tatsächlich keine «Kuscheltiere», wie das gemeinhin angenommen wird. Sie haben einen feinen Knochenbau, und es ängstigt sie extrem, wenn sie gedrückt werden. Ein Meerschweinchen braucht zudem Artgenossen, denn einzeln gehalten werden die geselligen Tiere depressiv. Als Fluchttiere benötigen sie zudem ein grosses Zuhause, wo sie sich in Tunnels oder Röhren verstecken können. Auf ihrem Menüplan steht zuoberst viel Heu und frisches Wasser und als Ergänzung gut gewaschenes Gemüse, Äpfel oder Löwenzahn – und für die Zahnpflege frische Zweige. Bei guter Behandlung kann ein Meersäuli acht Jahre alt werden.

Das sagt das Gesetz:

  • Es müssen mindestens zwei Meerschweinchen zusammen gehalten werden, weil für die Tiere der Sozialkontakt wichtig ist.
     
  • Damit Meerschweinchen sich nicht unkontrolliert vermehren, müssen männliche Exemplare ungefähr nach vier Wochen kastriert werden.
     
  • Ein Meerschweinchenkäfig soll waagrechte Stäbe haben. Für zwei Tiere muss er mindestens 0,5 Quadratmeter gross sein, für jedes zusätzliche Tier kommen 0,2 Quadratmeter dazu. Empfohlen wird eine nach oben offene Plexiglas- oder Glaswanne von zirka 75×150 Zentimeter Grösse, mit etwa 30 Zentimeter hohen Wänden. Stellt man den Käfig ins Freie, braucht er eine Abdeckung.
     
  • Weitere Tipps und Informationen zur Haltung von Meerschweinchen 
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Der Wellensittich

«Ich fresse dem Menschen buchstäblich aus der Hand, wenn er sich viel mit mir beschäftigt. Und wer mich regelmässig beobachtet, merkt schnell, wenn mir etwas fehlt. Bedenkt aber, dass ich ein Schwarmvogel bin – habe ich nicht mindestens einen Artgenossen um mich, geht es mir richtig mies. Und Leute: Ich bin nicht blöd – ein Spiegel oder ein Plastikvogel ist da kein Ersatz.»

Beim Einrichten eines Wellensittichheims muss die Mitte frei bleiben, damit die Vögel fliegen und flattern können. Aber auch das freie Fliegen ausserhalb des Käfigs ist für sie wichtig – in freier Natur legen sie pro Tag bis zu 100 Kilometer fliegend zurück. Als Nahrung reicht eine Körnermischung als Grundfutter, dazu kommen ab und zu Früchte und Gemüse sowie einmal im Monat Kolbenhirse – und natürlich immer frisches Wasser. Für die Schnabelpflege benötigen die Vögel einen Kalkstein, ergänzt mit einem Jodpickstein. Unter idealen Bedingungen kann ein Wellensittich zwölf Jahre alt werden.

Das sagt das Gesetz:

  • Für Wellensittiche ist Gruppenhaltung vorgeschrieben: Sie sind mindestens zu zweit zu halten. Besser sind zwei oder drei Wellensittich-Pärchen.
     
  • Gesetzlich vorgeschrieben ist ein Wellensittichkäfig von mindestens 0,12 Kubikmetern für bis zu vier Vögel; dem entspricht ein Käfig von 60×40×50 Zentimetern. Für jedes weitere Tier muss das Käfigvolumen um 0,025 Kubikmeter grösser sein. Diese Masse sind nur das absolute Minimum. Weil Wellensittiche gerne klettern, kaufen Sie keinen Käfig mit nur vertikalen Gitterstäben.
     
  • Weitere Tipps und Informationen zur Wellensittichhaltung
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Der Aquariumfisch

«Viele denken, ich sei stumm – dabei verstehen die mich nur nicht. Doch wer mich täglich beobachtet, lernt schnell, wie ich mich mitteile, und merkt, wenn mit mir etwas nicht stimmt. Denn ich bin sehr sensibel und reagiere sofort auf Störungen jeder Art. Ich bin nämlich ein höher entwickeltes Wesen und nicht bloss ein Fischstäbchen mit Augen.»

Unter optimalen Bedingungen entwickeln Fische viele Verständigungsmöglichkeiten und Verhaltensweisen. Damit die kleine Welt unter Wasser gut funktionieren kann, muss sie artgerecht eingerichtet werden. Jede Fischart hat spezielle Bedürfnisse, über die man vor dem Aquariumkauf Bescheid wissen muss. Die Pflege eines Aquariums ist aufwendig und setzt technisches Verständnis und Kenntnisse über die Pflanzenwelt und Wasserkunde voraus.

Das sagt das Gesetz:

  • Es gibt keine Auflagen für Zierfische unter 20 Zentimeter Grösse.
     
  • Zu den am häufigsten gekauften Aquarien gehören die 60-Zentimeter-Becken. Wenige Fische, die klein bleiben und geringe Revieransprüche haben, kann man in diesem kleinen Lebensraum durchaus artgerecht halten.
     
  • Selbst kleine Aquarien müssen auf stabilem Unterbau stehen. 54 Liter fasst ein Becken von 60×30×30 Zentimetern. Zusammen mit Kies und Dekoration macht das 70 bis 100 Kilogramm Gewicht.
     
  • Weitere Tipps und Informationen zur Haltung von Aquarienfischen

Weitere Infos

  • Ausführliche Informationen zu artgerechter Tierhaltung finden Sie unter www.blv.admin.ch
     
  • Auch beim Schweizer Tierschutz finden Sie wertvolle Infos zur Haustierhaltung: www.tierschutz.com
     
  • Extra für Kinder aufbereitete Infos zu den verschiedenen Tierarten finden Sie unter www.neutierig.ch
     
  • Richtlinien zur Heimtierhaltung in Mietwohnungen: www.iemt.ch