Die Adoption eines ausländischen Kindes ist keine einfache Angelegenheit. An die Adoptiveltern werden in rechtlicher und persönlicher Hinsicht hohe Anforderungen gestellt, und das Verfahren erfordert viel Geduld. Nicht nur der Wunsch kinderloser Eltern nach einem Kind darf im Vordergrund stehen. Vielmehr soll vor allem dem Adoptivkind ein ihm entsprechendes stabiles familiäres Umfeld garantiert werden.

Um ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren, müssen Sie bei der Zentralen Behörde Ihres Wohnsitzkantons ein entsprechendes Gesuch stellen. Am besten erkundigen Sie sich direkt bei dieser Behörde nach dem genauen Vorgehen, denn je nach Kanton bestehen Unterschiede. Eine Liste der zuständigen Behörden jedes Kantons finden Sie unter www.bj.admin.ch.

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Betreuung durch Vermittlungsstellen

Bei der kantonalen Behörde erhalten Sie auch Informationsmaterial und individuelle Beratung. Zudem vermittelt sie Adressen von behördlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen in der Schweiz. Adoptionsvermittlungsstellen begleiten und beraten die künftigen Adoptiveltern. Sie helfen zum Beispiel beim Zusammenstellen der nötigen Unterlagen und fungieren als Kontaktstelle zu seriösen Partnern Adoptivkinder-Organisation Heikle Spenden im Ursprungsland. Zudem orientieren sie über die kulturelle und die individuelle Situation der Kinder. Teilweise betreuen und begleiten sie die Adoptiveltern auch noch nach der im Ausland oder in der Schweiz erfolgten Adoption. Der Beizug einer Adoptionsvermittlungsstelle ist zwar freiwillig, aber sehr empfehlenswert.

Änderungen im Adoptionsrecht

Seit 2018 steht die Stiefkindadoption nicht mehr nur Ehepaaren offen, sondern auch Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft oder in verschieden- und gleichgeschlechtlichen faktischen Lebensgemeinschaften. Mit Inkrafttreten der Ehe für alle (voraussichtlich per 1. Juli 2022) werden gleichgeschlechtliche Verheiratete wie heterosexuelle Verheiratete gemeinsam ein Kind adoptieren können. Für homosexuelle Paare, die ihre eingetragene Partnerschaft nach diesem Datum fortführen und nicht in eine Ehe umwandeln Nach dem Ja zur «Ehe für alle» Gelten wir künftig als Ehepaar? wollen, wird die gemeinschaftliche Adoption weiterhin nicht möglich sein. Das gilt ebenso für gleich- oder verschiedengeschlechtliche Konkubinatspaare.

Wer ein Kind adoptiert, muss mindestens 28 Jahre alt sein. Bei einer gemeinschaftlichen Adoption von Verheirateten sowie bei einer Stiefkindadoption müssen die Paare seit mindestens drei Jahren zusammen sein. Ausschlaggebend für die Berechnung ist die Dauer des gemeinsam geführten Haushalts.

Merkblatt «Adoption» bei Guider

Beobachter-Abonnenten erhalten mit dem Merkblatt «Adoption» eine Übersicht, welche Voraussetzungen für eine Adoption erfüllt sein müssen und wirft Fragen auf, mit denen sich Eheleute, Konkubinatspaare und eingetragene Partner beschäftigen sollten.

Hier finden kinderlose Paare Hilfe

Eine Liste der kantonal anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen ist erhältlich beim Bundesamt für Justiz: zur Adressliste

Eine Vielzahl von Informationen zu Auslandsadoptionen sind auch bei der Anlaufstelle Pflege- und Adoptivkinder Schweiz (Pach) zu finden. Auf ihrer Internetseite listet die gemeinnützige Organisation zudem wichtige Punkte auf, die es bei einer Adoption zu beachten gilt:
 

  • Die gewählte Vermittlungsstelle sollte über eine kantonale Bewilligung verfügen. Mitglieder der KAVS garantieren ausserdem gewisse Mindeststandards bei der Vermittlung einer Adoption.  
  • Die Vermittlungsstelle muss Kultur, Sitten und das Rechtssystem des Herkunftslandes genau kennen und ihre Zusammenarbeit mit Institutionen im Herkunftsland offenlegen.  
  • Der Adoptionsvermittler sollte zu Auskünften über den Umfang seiner Tätigkeiten, seinen Wirkungsbereich, die Ausbildung und beruflichen Qualifikationen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie über allfällige Qualitätskontrollen bereit sein.
  • Referenzen von anderen Adoptiveltern sollten bei der Stelle erhältlich sein.  
  • Leistungen und Kosten der Vermittlungstätigkeit müssen in einem Adoptionsvertrag klar ausgewiesen sein.  
  • Die Vermittlungsstelle muss über Risiken und Wartezeiten bei einer Adoption offen informieren. Versprechungen für eine schnelle Adoption sollten hellhörig machen.
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