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AdoptionWie ein Kind aus dem Ausland adoptieren?

Frage: Leider können wir keine Kinder bekommen. Deshalb möchten wir gern ein Kind adoptieren. Da wir durch Arbeit und Reisen Brasilien gut kennen, hätten wir am liebsten ein Kind aus diesem Land. Wie müssen wir vorgehen?

Um ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren, müssen Sie bei der Zentralen Behörde Ihres Wohnsitzkantons ein entsprechendes Gesuch stellen.
von aktualisiert am 05. September 2017

Die Adoption eines ausländischen Kindes ist keine einfache Angelegenheit. An die Adoptiveltern werden in rechtlicher und persönlicher Hinsicht hohe Anforderungen gestellt, und das Verfahren erfordert viel Geduld. Nicht nur der Wunsch kinderloser Eltern nach einem Kind darf im Vordergrund stehen. Vielmehr soll vor allem dem Adoptivkind ein ihm entsprechendes stabiles familiäres Umfeld garantiert werden.

Um ein Kind aus dem Ausland zu adoptieren, müssen Sie bei der Zentralen Behörde Ihres Wohnsitzkantons ein entsprechendes Gesuch stellen. Am besten erkundigen Sie sich direkt bei dieser Behörde nach dem genauen Vorgehen, denn je nach Kanton bestehen Unterschiede. Eine Liste der zuständigen Behörden jedes Kantons finden Sie unter www.bj.admin.ch.

Betreuung durch Vermittlungsstellen

Bei der kantonalen Behörde erhalten Sie auch Informationsmaterial und individuelle Beratung. Zudem vermittelt sie Adressen von behördlich anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen in der Schweiz. Adoptionsvermittlungsstellen begleiten und beraten die künftigen Adoptiveltern. Sie helfen zum Beispiel beim Zusammenstellen der nötigen Unterlagen und fungieren als Kontaktstelle zu seriösen Partnern im Ursprungsland. Zudem orientieren sie über die kulturelle und die individuelle Situation der Kinder. Teilweise betreuen und begleiten sie die Adoptiveltern auch noch nach der im Ausland oder in der Schweiz erfolgten Adoption. Der Beizug einer Adoptionsvermittlungsstelle ist zwar freiwillig, aber sehr empfehlenswert.

Änderungen im Adoptionsrecht im 2018

Im Adoptionsrecht kommt es auf den 1. Januar 2018 zu Änderungen. So wird die Stiefkindadoption nicht mehr nur Ehepaaren, sondern neu auch Paaren in einer eingetragenen Partnerschaft oder in verschieden und gleichgeschlechtlichen faktischen Lebensgemeinschaften offenstehen.

Weiterhin nicht möglich ist jedoch die gemeinschaftliche Adoption fremder Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften oder in Konkubinaten. Ausserdem wird per 1. Januar 2018 das Mindestalter der adoptionswilligen Personen bei einer gemeinschaftlichen Adoption herabgesetzt: Von 35 auf 28 Jahre.

Die Paarbeziehung muss neu mindestens 3 statt wie bisher 5 Jahre dauern. Ausschlaggebend für die Berechnung ist dabei nicht mehr die Dauer der Ehe, sondern des gemeinsamen Haushalts.

Gelockert wird schliesslich per 1. Januar 2018 auch das Adoptionsgeheimnis. Hier finden Sie weitergehende Informationen zur anstehenden Revision.

Adoption: die Voraussetzungen

  • Ehepaare, die ein Kind adoptieren wollen, müssen mindestens fünf Jahre verheiratet oder beide mindestens 35 Jahre alt sein. Sie dürfen nur gemeinsam adoptieren – ausser in Spezialfällen. Eingetragene Partner oder Partnerinnen dürfen keine Kinder adoptieren.  
  • Eine unverheiratete Person kann ein Kind adoptieren, wenn sie 35 oder älter ist.  
  • Stiefväter oder Stiefmütter dürfen ihr Stiefkind frühestens nach fünf Jahren Ehe mit der leiblichen Mutter oder dem leiblichen Vater adoptieren.  
  • Bevor ein Paar ein Kind adoptieren kann, muss es während mindestens eines Jahres im gemeinsamen Haushalt für Erziehung und Pflege des Kindes gesorgt haben. Ausnahmeregel: Wenn eine Adoption im Ausland erfolgt ist, wird sie von der Schweiz direkt anerkannt. Dann müssen die Adoptiveltern das Kind im Herkunftsland aber vorher besucht haben.  
  • Für die Aufnahme eines fremden Kindes unter 15 Jahren (Stiefkinder sind ausgenommen) sowie für Kinder aus dem Ausland brauchen Adoptionswillige eine Bewilligung der kantonalen Adoptions­behörde an ihrem Wohnsitz (sogenannte Zentrale Behörde). Wer ohne die behördlichen Bewilligungen ein Kind aus dem Ausland zur späteren Adoption in der Schweiz aufnimmt, macht sich strafbar.  
  • Der Altersunterschied zwischen Kind und Adoptiveltern muss mindestens 16 Jahre betragen.  
  • Ein urteilsfähiges Kind – das heisst meist ab einem Alter von 14 Jahren – kann nicht ohne seine Zustimmung adoptiert werden.  
  • Die leiblichen Eltern des Kindes müssen der Adoption zustimmen – ausser sie haben sich nicht ernstlich um das Kind gekümmert, sind unbekannt, mit unbekanntem Aufenthalt länger abwesend oder dauernd urteilsunfähig.

    Karin von Flüe

Hier finden kinderlose Paare Hilfe

Eine Liste der kantonal anerkannten Adoptionsvermittlungsstellen ist erhältlich beim Bundesamt für Justiz: zur Adressliste

Eine Vielzahl von Informationen zu Auslandsadoptionen findet sich auch bei www.adoption.ch, der Website der Schweizerischen Fachstelle für Adoption. Auf ihrer Internetseite listet die Fachstelle zudem wichtige Punkte auf, die es bei einer Adoption zu beachten gilt:
 

  • Die gewählte Vermittlungsstelle sollte über eine kantonale Bewilligung verfügen. Mitglieder der KAVS garantieren ausserdem gewisse Mindeststandards bei der Vermittlung einer Adoption.  
  • Die Vermittlungsstelle muss Kultur, Sitten und das Rechtssystem des Herkunftslandes genau kennen und ihre Zusammenarbeit mit Institutionen im Herkunftsland offenlegen.  
  • Der Adoptionsvermittler sollte zu Auskünften über den Umfang seiner Tätigkeiten, seinen Wirkungsbereich, die Ausbildung und beruflichen Qualifikationen seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie über allfällige Qualitätskontrollen bereit sein.  
  • Referenzen von anderen Adoptiveltern sollten bei der Stelle erhältlich sein.  
  • Leistungen und Kosten der Vermittlungstätigkeit müssen in einem Adoptionsvertrag klar ausgewiesen sein.  
  • Die Vermittlungsstelle muss über Risiken und Wartezeiten bei einer Adoption offen informieren. Versprechungen für eine schnelle Adoption sollten hellhörig machen.

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