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Mit Kindern spielenVerlieren gehört zum Leben dazu

Kinder spielen fürs Leben gern. Und lernen dabei fürs Leben.

Kinder müssen lernen zu verlieren, und Eltern, den Emotionen ihrer Kinder freien Lauf zu lassen.
von aktualisiert am 01. März 2018

Schon wieder fliegen Spielfiguren durch die Luft. «Blödes Spiel!», brüllt Hanna und rennt aus dem Zimmer. Alles hat so fröhlich begonnen – aber die Siebenjährige kann einfach nicht verlieren.

Auch Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, mit Niederlagen umzugehen. Aber in der Regel sind sie fähig, angemessen zu reagieren. Doch das will gelernt sein.

Den Umgang mit anderen spielend erlernen

Gesellschaftsspiele unterstützen Kinder darin, soziale Kompetenzen zu entwickeln. Sie müssen sich an Regeln halten, Rücksicht auf die Mitspieler nehmen – und ab und zu eben auch Niederlagen einstecken. Dabei bildet sich die sogenannte Affektkontrolle heraus, das Beherrschen der Gefühle und Reaktionen.

Das Verlierenkönnen entwickelt sich in Phasen. Mit zwei bis drei Jahren bilden Kinder ihre Ich-Identität aus. In dieser sogenannten Trotzphase üben sie, ihre Bedürfnisse durchzusetzen, und sind in der Regel schlechte Verlierer. In der Pubertät Pubertät Erste Liebe und andere Sorgen ist es ähnlich. Dann stellen sich die Jugendlichen selbst in Frage. Es geht darum, wie stark, schlau oder schön man ist und ob man die Anerkennung der Gleichaltrigen bekommt. Die Frustrationstoleranz ist gering, und entsprechend schwer fällt es, mit Niederlagen umzugehen.

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Checkliste «Entwicklung des Sozialverhaltens bei Kleinkindern» bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Nicht alle Kinder entwickeln sich gleich. Dennoch gibt es für Eltern Anhaltspunkte, ab welchem Alter Kinder in der Regel anfangen zu «trötzeln» oder zu fremdeln, oder ab wann sie Zu- oder Abneigung zu Spielkameraden zeigen. Mitglieder von Guider erfahren dazu mehr in der Checkliste «Die wichtigsten Entwicklungsschritte im Sozialverhalten von Kleinkindern».

«Am Ende dem Sieger gratulieren»

Doch ob Kinder schlechte Verlierer sind oder nicht, hängt nicht zuletzt von der Haltung der Eltern ab. Erwachsene sollten auch beim Spielen Vorbild sein: engagiert spielen, mit dem Willen zu gewinnen – aber wenn es doch nicht klappt, gelassen und humorvoll bleiben. «Ein guter Verlierer ist jemand, der bis zum Ende spielt und dann dem Sieger gratuliert und sich mit ihm freuen kann», sagt die deutsche Pädagogin Kerstin Bahrfeck-Wichitill. «Optimal ist es, wenn ich mich freuen kann, falls ich gewonnen habe, und den Mut nicht verliere, wenn es schlecht läuft.»

Diese Souveränität bringt längst nicht jedes Kind auf. Wenn es tobt, mit Spielfiguren um sich schmeisst, die kleine Schwester schlägt, weil diese gewinnt, hört es oft: «Jetzt tu doch nicht so, das ist doch nur ein Spiel!» Doch für Kinder ist die Niederlage in diesem Moment unerträglich. Das Spielen geht ihnen mitunter buchstäblich an die Existenz. Sie haben Angst, Schwäche zu zeigen, ausgelacht zu werden oder einer Situation ausgeliefert zu sein. Dann sind sie auf das Einfühlungsvermögen und den Trost der Eltern angewiesen Empathie Ich weiss, was du fühlst . Aber auch auf die klare Ansage: «Du hast das Recht, wütend und traurig zu sein. Aber du hast nicht das Recht, uns das Spiel zu verderben.»

Mensch, ärgere dich nicht: So helfen die Eltern

Altersgerechte Spiele aussuchen

Die individuellen Fähigkeiten und das Alter des Kindes bestimmen, wie komplex und schwierig das Spiel sein darf. Gleiche Gewinnchancen für alle sind ein Muss. Und: nicht zu oft aggressive Rauswerfspiele auswählen.
 

Langsam an komplexe Spielregeln heranführen

Kleine Kinder können mit den Spielregeln schnell überfordert sein. Erwachsene sollten es daher locker nehmen und lieber mit wenigen Regeln beginnen und nach und nach mehr ins Spiel bringen.
 

Rahmenbedingungen beachten

Wenn das Kind müde ist, hungrig oder gestresst, verzichtet man besser auf das Spielen. Denn es braucht Konzentration, die Frusttoleranz ist im Moment gering. Vielleicht jetzt besser eine Geschichte vorlesen oder an die frische Luft gehen.
 

Gefühlen freien Lauf lassen

Kinder reagieren unterschiedlich, wenn sie verlieren. Vielleicht schreien sie, weinen, treten oder laufen wild herum. Solchen extremen Emotionen sollte man vorerst keine allzu grosse Beachtung schenken. Denn: Verständnis für den Ärger zeigen hilft mehr als das sofortige Zurechtweisen. Je mehr sich ein Kind verstanden fühlt, desto eher kann es sich beruhigen. Und: Öfter mal gemeinsam auf die «blöden» Spielfiguren schimpfen kann Wunder bewirken.
 

Nach Alternativen suchen

Wenns mit dem Verlieren hapert, können Kooperations- oder Rollenspiele weiterhelfen. Bei Kooperationsspielen spielt man gegen einen gemeinsamen Gegner, so verliert oder gewinnt man zusammen. Bei Rollenspielen schlüpft man in unterschiedliche Charaktere. So ist man mal ein Star und mal ein Versager.

Eltern sollten nicht schummeln

Das Verlieren sei eine Frage des Übens, sagt Fachfrau Bahrfeck. «Wenn man ein Kind immer gewinnen lässt, nimmt man ihm die Chance, das Verlieren zu üben.» Die Kleinen merken schnell, wenn Mama oder Papa schummeln, um zu verlieren. So wird das Gewinnen immer langweiliger, und die Lust am Spielen schwindet. Wenn die Eltern Wut und Tränen aushalten, helfen sie dem Kind besser.

Auch die kleine Hanna kommt bald wieder unternehmungslustig an den Tisch: «Spielt ihr mit?»

Gute Spiele für Kinder

  • «Stone Age Junior»: Ein modernes Brettspiel für Jung und Alt. Zwei bis vier Spieler begeben sich in die Steinzeit und sammeln Ressourcen, um ein Dorf zu bauen. Gewonnen hat, wer als Erster drei Hütten fertig hat. Ab fünf Jahren. Schmidt-Spiele, CHF 31.90
     
  • «Spinderella»: Das 3-D-Spiel funktioniert wie ein modernes «Eile mit Weile». Man muss drei Ameisen ins Ziel bringen und jene der Mitspieler mit Hilfe der achtbeinigen Spinderella vom Ziel fernhalten. Ab sechs Jahren. Zoch-Verlag, CHF 54.90
     
  • «Hi Fisch!»: Ein Kartenspiel. Wer den grössten Fisch fängt, darf ihn behalten. Wenn jedoch Haie auftauchen, sind gerade die grossen Fische in Gefahr. Ab sechs Jahren. Igel-Spiele, CHF 18.90
     
  • «Verfuxt!»: Der Fuchs hat das goldene Ei gestohlen. Die Hühner suchen mit dem Fuchs-Scanner nach Hinweisen. Ziel ist es, den Fuchs zu stellen, bevor er im Bau verschwindet. Ab fünf Jahren. Corletto, CHF 19.90
     
  • «Kingdomino»: Als Herrscher eines Königreichs sind die Spieler auf der Suche nach neuen Ländereien. Wie beim Domino müssen sie zueinanderpassen. Ab acht Jahren. Pegasus-Spiele, CHF 29.90

Anleitungen und weitere Spieltipps

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