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AHVWer warten kann, bekommt mehr

Wer im Pensionsalter weiterarbeiten will, kann die Auszahlung der AHV-Rente aufschieben und wird später mit einer höheren Rente ­belohnt. Dazu sind etliche Formalitäten zu beachten.

Aktuell schieben nur etwa 13­'500 Personen die Rente auf – obwohl rund 148'000 Personen im Pensionsalter weiterarbeiten.
von aktualisiert am 21. März 2016

Peter Müller* liebte seinen Beruf und war bis zum Alter von 70 Jahren selbständiger Arzt. Auf die Auszahlung seiner Altersrente wollte er mit 65 ver­zichten, denn Einkommen hatte er zum damaligen Zeitpunkt noch genug. Später, wenn er sich zur Ruhe setzen würde, wollte ­Müller aber von einer höheren AHV-Rente ­profitieren. Diese Möglichkeit bietet das Gesetz durch die Aufschiebung der Alters­rente. Müller würde das nach fünf Jahren einen Zuschlag von fast ­einem Drittel einbringen.

Aktuell schieben nur etwa 13­'500 Personen die Rente auf – obwohl rund 148'000 Personen im Pensionsalter weiterarbeiten. Die meisten entscheiden sich, die AHV-Rente bei Erreichen des ordentlichen Rentenalters oder allenfalls vorher zu beziehen. Auch diejenigen, die weiter­arbeiten, lassen sich meist gleich­zeitig die Rente auszahlen, obwohl beide Einkommen versteuert werden müssen.

Das hängt vielleicht mit der geringen Bekanntheit des Rentenaufschubs zusammen, vielleicht aber auch mit dem kom­plizierten Antragsverfahren. Müllers Vorhaben scheiterte jedenfalls an den Formalitäten – aus dem monatlichen Zuschlag von rund 700 Franken, mit dem er gerechnet hatte, wurde letztlich nämlich nichts.

Sein Fehler: Er hatte den richtigen Zeitpunkt für den Antrag auf Aufschub verpasst. Müller hatte gewartet, bis er seine Tätigkeit aufgeben wollte, und stellte erst dann den Antrag auf AHV-Rente. Zwei Monate darauf verfügte die Ausgleichskasse: Ihm werde die Rente für die letzten fünf ­Jahre rückwirkend aus­gezahlt – aber ohne Zins und ohne Zuschlag.

Müllers Versäumnis könnte jedem passieren. Denn es ist nicht offensichtlich, dass man etwas beantragen muss, was man noch nicht will.

Seltsam auch: Wer seine AHV-Rente aufschieben will, muss das normale Formular für die Anmeldung zum Rentenbezug ausfüllen. Erst auf Seite 7 des achtseitigen Formulars kann man endlich ankreuzen, dass man die AHV-Rente noch gar nicht haben will. Wenn man die Rente später abrufen möchte, ist wiederum ein Formular nötig, wobei sich manche Fragen wiederholen. Ein unverständlicher Papierkrieg, der sich aber nicht umgehen lässt.

*Name geändert

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So viel Rente gibt es zusätzlich, wenn Sie weiterarbeiten

Der Zuschlag beim Aufschub der AHV-Rente wird zusätzlich zur Monatsrente ausgezahlt. Die Höhe ist abhängig von der Aufschubsdauer; maximal sind fünf Jahre möglich. In dieser Tabelle wird der Zuschlag nicht in Prozent der späteren Rente angegeben, sondern in Prozent der Durchschnittsrente, die ohne den Aufschub in diesem Zeitraum ausgezahlt worden wäre.

 

Anzahl Jahre
Zusatzarbeit

zusätzliche Monate

0–2

3–5

6–8

9–11

1

5,2%

6,6%

8,0%

9,4%

2

10,8%

12,3%

13,9%

15,5%

3

17,1%

18,8%

20,5%

22,2%

4

24,0%

25,8%

27,7%

29,6%

5

31,5%

 

 

 

Ein Berechnungsbeispiel findet sich im offiziellen Merkblatt der AHV «Flexibles Rentenalter»

Wann ist ein AHV-Rentenaufschub sinnvoll?

  • Wenn Sie genug Einkommen oder Vermögen haben, um mindestens ein Jahr ohne die AHV-Rente auszukommen.
  • Wenn Sie nicht mit einer verkürzten Lebenserwartung rechnen.
  • Wer Lohn wie Rente kassiert, muss beides als Einkommen versteuern. Das kann ins Geld gehen. Mit dem Aufschub vermeiden Sie höhere Einkommenssteuern.
  • Aber: Wenn Sie mit oder ohne Zuschlag Ergänzungsleistungen bräuchten, ist ein Rentenaufschub unsinnig.

Voraussetzungen für den Aufschub

  • Sie beziehen bisher keine IV-Rente und würden keine Hilflosenentschädigung der AHV erhalten.
  • Eine schriftliche Aufschubserklärung ist zwingend notwendig.
  • Der Rentenaufschub muss spätestens ­innert eines Jahres seit Entstehen des Anspruchs auf eine ordentliche Altersrente beantragt werden. Konkret: spätestens bis zum Ende des Monats, in dem Frauen 65 und Männer 66 Jahre alt werden.
  • Die Aufschubsdauer beträgt mindestens ein volles Jahr, maximal fünf Jahre.
  • Sie müssen sich im Voraus noch nicht für die genaue Dauer des Rentenaufschubs entscheiden. Sie können die Rente jederzeit abrufen.


Aber: Wer die aufgeschobene Rente vor Ablauf der einjährigen Minimaldauer bereits abruft, bekommt die Rente rückwirkend ausgezahlt – ohne Zuschlag und ohne Zins.

  • Entscheiden Sie sich von Anfang an für den Rentenaufschub, wenn Sie das wünschen. Denn sobald Sie, ohne zu reklamieren, die erste AHV-Rentenzahlung angenommen haben oder die Rentenverfügung rechtskräftig ist, ist es zu spät. Sie können sich nicht mehr umentscheiden.
  • Während des Rentenaufschubs werden auch Kinderrenten aufgeschoben.
  • Wenn der Ehegatte bereits eine AHV-Rente bezieht, wird diese allenfalls genau gleich gekürzt, wie wenn Sie Ihre Rente ebenfalls erhalten würden. Die sogenannte Plafonierung der Renten von Ehepaaren lässt sich mit einem Aufschub nicht um­gehen.
  • Verwitwete, die ihre Altersrente auf­schieben, bekommen keine Witwen- oder Witwerrente der AHV.

Wie Sie bei einem Antrag auf Rentenaufschub vorgehen müssen

Aufschubserklärung:

  • Sie müssen den Antrag spätestens innert eines Jahres seit Beginn des ordentlichen Anspruchs auf eine AHV-Altersrente stellen.
  • Beantragen Sie den AHV-Rentenaufschub mit dem Formular «Anmeldung für eine Altersrente» (Nr. 318.370). 
  • Füllen Sie das ganze Formular sorgfältig aus. Beachten Sie die Tipps zu Beginn.
  • In Ziffer 8 geht es um das flexible Rentenalter. In Ziffer 8.1 kreuzen Sie «Nein» an, denn Sie möchten die AHV-Altersrente nicht vor dem ordentlichen Rentenalter beziehen. In Ziffer 8.2 folgt endlich Ihre Aufschubserklärung: Hier kreuzen Sie «Ja» an.
  • Kopieren Sie Ihren Antrag, bevor Sie ihn an die AHV-Ausgleichskasse senden. Zum Teil werden Sie die gleichen Fragen wieder beantworten müssen, wenn Sie die Rente beziehen wollen.
  • Die Ausgleichskasse sendet Ihnen eine Bestätigung über den Rentenaufschub.


Abruf der aufgeschobenen AHV-Rrente:

  • Füllen Sie das Formular «Abruf der Altersrente» aus (Nr. 318.386). 
  • Normal wird die Rente ab dem Folgemonat nach dem Antrag ausbezahlt. Möchten Sie die Rente erst zu einem späteren Termin beziehen, müssen Sie das in Ziffer 4 angeben.
  • Werfen Sie nochmals einen Blick auf die Tabelle «So viel Rente gibt es zusätzlich, wenn Sie weiterarbeiten». Es gibt günstigere und weniger sinnvolle Termine für den Abruf Ihrer Rente. Ein Beispiel: Haben Sie die Rente ein Jahr und acht Monate lang aufgeschoben, beträgt der Zuschlag 8,0 Prozent. Warten Sie einen Monat länger, beläuft sich der Zuschlag bereits auf 9,4 Prozent.
  • Auch wenn Sie den maximalen Rentenaufschub von fünf Jahren wählen, müssen Sie die Auszahlung der Rente beantragen. Renten werden nie automatisch ausbezahlt.