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KreditkartenNur mit der Karte wedeln?

Viele schrecken davor zurück, kontaktlos mit Kreditkarte oder Handy zu bezahlen. Sind diese Ängste berechtigt?

Kontaktlos zahlen setzt sich erst sehr schleppend durch.
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An der Kasse nur noch die Kreditkarte ans Zahlterminal halten – und schon ist bezahlt: Seit einigen Monaten funktioniert kontaktloses Zahlen mit der Kreditkarte von Mastercard und Visa, auf denen das entsprechende Symbol aufgedruckt ist. Das gleiche Logo findet sich an den Zahlterminals von immer mehr Grossverteilern, aber auch bei Starbucks, McDonald’s und an den bislang 140 neuen Automaten der SBB.

Seit kurzem bietet Swisscom mit der Tapit-App für Handys auch diese Zahlmöglichkeit, für Orange- und Sunrise-Kunden soll sie in den kommenden Monaten ebenfalls zur Verfügung stehen. Mit dem Handy zahlen funktioniert aber nur mit Geräten, die technisch dafür gerüstet sind. Ausserdem benötigt man eine Kreditkarte, die beim Tapit-System mitmacht. Derzeit ist die Auswahl noch sehr eingeschränkt. Zudem läuft Tapit noch nicht an allen Zahlterminals, auch nicht an den Billettautomaten der SBB.

Beträge bis zu 40 Franken

 

Kontaktloses Zahlen funktioniert für Beträge bis zu 40 Franken in der Regel ohne Eingabe des PIN-Codes. Bei höheren Beträgen muss man den Code am Terminal oder im Telefon eintippen. Doch: Trotz dieser Einfachheit nutzen nur wenige die Zahlmöglichkeit. «Der Anteil dieser Zahlungsart ist unter fünf Prozent», sagen die SBB zu den Transaktionen an den 140 Automaten. Auch Kioskbetreiberin Valora spricht von fünf Prozent kontaktlosen Zahlungen im Verhältnis zu allen Kartentransaktionen. Bei Migros sind es 20 Prozent der Kreditkartenzahlungen, im Schnitt 25 Franken pro Zahlung.

Ob sich das System mit der NFC-Technologie (siehe «Kontaktlos zahlen: Wie sicher ist es?») durchsetzen kann, wird sich zeigen. Fachleute sind davon zwar überzeugt. Sie rechnen damit, dass weitere Anbieter auf den Zug aufspringen und vom lukrativen Markt um Kommissionen profitieren wollen, so namentlich Apple, Paypal und der Schweizer Börsenbetreiber SIX. Aber schon einmal ist mit «Cash» ein elektronisches Portemonnaie gescheitert. Es wurde nach wenigen Jahren sang- und klanglos eingestellt. Der Detailhandel hatte es aus Kostengründen abgelehnt.

Die Furcht vor «Geldabsaugern»

Gegen das kontaktlose Zahlen sprechen derzeit vor allem Sicherheitsbedenken. Die Missbrauchsgefahr erscheint auf den ersten Blick beträchtlich, da die Zahlung ohne PIN oder Unterschrift erfolgt. Doch Fachleute beschwichtigen. Wer die üblichen Sorgfaltspflichten einhalte, müsse nicht viel befürchten. Das Risiko, dass jemand mit einem Zahlterminal Geld von Passanten oder Daten beim Zahlvorgang absauge, sei praktisch ausgeschlossen, sagen Sicherheitsexperten. Zahlungen ohne Identifikation sind auch nur bis 40 Franken möglich und nur bis zur Sperrung der Karte.

Sonst gelten die üblichen Regeln für Kredit- und Debitkarten: Man soll sie mit der gleichen Sorgfalt auf­bewahren wie Bargeld. Und: Kunden müssen Kreditkarten- und Kontoauszüge sofort nach Erhalt überprüfen und bei Unstimmigkeiten telefonisch und schriftlich reklamieren.

Das bedeutet NFC

Bei NFC (Near Field Communication, Nahfeldkommunikation) kommunizieren das Zahlter­minal und die Karte respektive das Mobiltelefon per Funk miteinander. Die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt aus wenigen Zentimetern Entfernung. Der Kunde gibt die Karte nicht aus der Hand, sondern hält sie in die Nähe des Zahlgeräts. Erst bei Beträgen ab 40 Franken muss zusätzlich der PIN-Code eingegeben werden. Mehrfachbelastungen sollen bei einem Zahlungsvorgang nicht möglich sein, versichern die Betreiber. Geht die Karte verloren, sollte sie so schnell wie möglich gesperrt werden, um Missbrauch zu vermeiden.

Veröffentlicht am 30. September 2014