Ab dem 30. Juni wird in der Schweiz ein neuer Einzahlungsschein eingeführt. Ein weiterer Schritt zur Digitalisierung des Schweizer Zahlungsverkehrs. Der neue Einzahlungsschein ist mit einem QR-Code versehen und soll den Zahlungsverkehr vereinfachen. Dem ging ein jahrelanger Prozess voraus, eigentlich hätte der neue Einzahlungsschein nämlich schon früher eingeführt werden sollen. Wegen technischen Problemen und Verspätungen bei der Umstellung der Infrastruktur bei Firmen und Finanzinstituten kommt er erst jetzt. Auch Sicherheitsbedenken sorgten in der Vergangenheit für Schlagzeilen ( mehr dazu Probleme mit QR-Code Ein neuer Einzahlungsschein mit Tücken ). 

Wir beantworten die wichtigsten Fragen:

Was ist ein QR-Code und was ist am Einzahlungsschein neu?

Ein QR-Code (englisch «Quick Response») ist eine Art Strichcode, wie er etwa auf Tickets bereits vielerorts eingesetzt wird. Dieser enthält alle Zahlungsinformationen und kann von jedem Smartphone gelesen werden, man scannt den Code einfach mit der Kamera. Der Code ist das Herzstück des neuen Einzahlungsscheins. Über eine E-Banking-App oder über das E-Banking am Computer kann dann eine Rechnung per Knopfdruck bezahlt werden, das Abtippen der Referenznummer entfällt und es gibt dadurch weniger Fehler. Weiterhin sind aber alle Rechnungsinformationen wie IBAN, Referenznummer und Rechnungsadresse in normaler Schrift auf der Rechnung vorhanden und eine manuelle Erfassung möglich. 

Ausserdem können Rechnungssteller den neuen Einzahlungsschein einfach auf weisses Papier drucken, statt auf farbiges Spezialpapier. Der Einzahlungsschein hat aber weiterhin eine Perforation, damit man ihn abreissen kann. Auch enthält er weiterhin einen Zahlteil und einen Empfangsschein. Einzahlungen können nach wie vor am Postschalter oder als Zahlungsauftrag für die Bank gemacht werden, dafür hat sich auch die Stiftung für Konsumentenschutz SKS stark gemacht, wie SRF berichtet. Denn letztes Jahr wurden immerhin noch 125 Millionen Einzahlungen am Postschalter getätigt, das sind 11,8 Prozent aller Zahlungen.

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«Niemand muss seine Zahlungsgewohnheiten ändern, da die bisherigen Zahlkanäle bei Post und Banken wie bisher bestehen bleiben», schreibt die Finanzdienstleisterin Six, die mit der Projektleitung des neuen Einzahlungsscheins beauftragt ist. «Wir nehmen den Konsumenten nichts weg, sondern stellen ihnen die QR-Rechnung als zusätzliche Zahlungsmöglichkeit zur Verfügung. Sie haben ab 30. Juni 2020 die Chance, digital zu bezahlen, wenn sie dies möchten.»
 

Was passiert mit den bisherigen Einzahlungsscheinen?

Heute gibt es verschiedene Formen von Einzahlungsscheinen, die bekanntesten sind die orangen (mit vorgedruckter Referenznummer) und roten (mit Mitteilungsfeld). Mit der Einführung des neuen Einzahlungsscheins werden diese beiden abgelöst, aber nicht sofort. «Nach einer parallelen Betriebsphase, die möglichst kurz gehalten werden soll, werden die heutigen orangen und roten Einzahlungsscheine nicht mehr verarbeitet», heisst es bei Six. Wie lange diese Übergangsphase dauern soll, in der alte und neue Einzahlungsscheine parallel gültig sind, ist aber nicht bekannt.

Auch die neutralen Einzahlungsscheine werden abgelöst, aber Vereine oder Spendenorganisationen können weiterhin Wurfsendungen oder Einzahlungsscheine verschicken, wo der zu zahlende Betrag und die Adresse selber ergänzt werden können. 
 

Was bedeutet das für mich als Kundin?

Es ändert sich grundsätzlich nicht viel für Rechnungsempfänger. Alle bisherigen Möglichkeiten zur Zahlungsabwicklung bleiben bestehen und es gibt auch keine zusätzlichen Kosten. Weil das Verfahren der Zahlungserfassung mit dem Scannen des Codes vereinfacht wird, spart man Zeit und Fehlerquellen werden minimiert. 

Man muss als Kundin oder Kunde nichts unternehmen, um sich darauf vorzubereiten. Ab dem 30. Juni könnten die ersten neuen QR-Rechnungen im Briefkasten liegen.
 

Was bedeutet das für mich als Rechnungsstellerin?

Der manuelle Aufwand verringert sich und nun ist der Druck von Rechnungen auf weisses Papier möglich. Die Zahlungsabwicklung und der Abgleich der Daten wird effizienter. Rechnungssteller müssen unter Umständen ihre Software aktualisieren, damit das Einlesen der neuen Rechnungen funktioniert, und entsprechende Lesegeräte für die neuen QR-Codes haben. Am besten kontaktieren sie ihre Bank und Softwarepartner um sicherzustellen, dass alles reibungslos abläuft. 
 

Ist das neue System sicher?

In der Vergangenheit wurde kritisiert Probleme mit QR-Code Ein neuer Einzahlungsschein mit Tücken , dass QR-Rechnungen ein einfaches Einfallstor für Betrüger sein könnten. Diese könnten solche Rechnungen mit falschen Angaben im QR-Code erstellen und massenhaft per Mail versenden. Zum Beispiel mit einem Code, der eine andere Kontonummer enthält als der für jede Person lesbare Klartext, der daneben steht.

Six sagt zwar, der neue Einzahlungsschein sei genauso sicher Hackerangriffe Wie sicher ist E-Banking? wie der alte. Zudem seien Gutschriften mit der QR-Rechnung nur auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein möglich. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall, alle Zahlungen vor der Freigabe mit den Informationen im Klartext genau abzugleichen. Denn die Fehlerquelle beim Erfassen der Rechnungsdaten ist zwar mit dem neuen System kleiner, aber dafür kann das erhöhte Tempo bei der Zahlung dazu führen, dass man die Rechnungsinformationen nicht sorgfältig genug prüft.
 

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Tina Berg, Redaktorin

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