«Sir, ich möchte mich vorstellen. Ich bin Colonel Adua Mustafah, mein älterer Bruder war früher Chef des Sicherheitsdienstes des nigerianischen Diktators, General Sani Abacha.» So oder ähnlich beginnen jeweils die ersten Anbiederungsversuche per E-Mail.

Es folgt eine ausführliche Beschreibung, wie böse Diktatoren verschiedene Familienmitglieder um 200 Millionen Dollar betrogen hätten. Ein Teil des Geldes sei leider blockiert und könne dank gütiger Mithilfe eines Schweizers ausser Landes gebracht werden. Für diesen kleinen Gefallen wird eine grosse Entschädigung in Aussicht gestellt: rund sechs Millionen Dollar.

Um in Kontakt zu treten, braucht Colonel Mustafah in Nigeria nur Name, Adresse, Privattelefon- und Faxnummer sowie ein paar Bogen persönliches Geschäftspapier. Später benötigt Mustafah dann noch Konto- und Kreditkartennummer. Ausserdem lässt er wissen, dass sich eine sofortige Reise in die nigerianische Hauptstadt Lagos auf alle Fälle lohne: Gegen eine Zahlung von 30'000 Dollar werde die blockierte Summe sofort freigegeben. Mit anderen Worten: In wenigen Tagen schon könne der glückliche Schweizer im Besitz von einigen Millionen Dollar sein.

Doch Vorsicht: Bereits die Bekanntgabe der Kontonummer einer Bankverbindung kann finanziell böse Folgen haben. Gefahr droht nicht nur von der Nigeria-Connection, denn inzwischen sind weitere Betrüger auf den Zug aufgesprungen. An forderster Front dabei ist etwa Al Mahmood Khalil, angeblich «Director Ministerey of petroleum resources» in Saudi-Arabien. Oder Marie Laurent Desiree Kabila aus dem Kongo, die Hunderte von Schweizern mit handgeschriebenen Briefen beglückt.

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Die Bank handelt arglos
Der Schweizer Paul Haenni arbeitet seit 18 Jahren in Lagos und kennt die Betrügereien und Gefahren bestens. Darum sandte er seine Zahlungsaufträge an die UBS in Zürich immer via Panalpina-Kurier. Meist ging es um Vergütungen von einigen tausend Franken zulasten seines Sparkontos.

Eines Tages erhielt Paul Haenni eine Belastungsanzeige über 72'500 Franken; angeblich handelte es sich um eine Vergütung an die Bankers Trust in New York zugunsten einer Global Investment Bank mit einem Begünstigten namens Springforte. Nur: Der Zahlungsauftrag war gefälscht, die Unterschrift gut nachgemacht.

Unbekannten Tätern in Nigeria war es gelungen, an Haennis Kontodaten zu gelangen und eine Überweisung zu veranlassen. Die UBS in Zürich gab das Geld frei, obwohl für Beträge über 50'000 Franken eine Kündigungsfrist besteht. Die Verantwortlichen unterliessen es auch, Haenni zu kontaktieren, obwohl ihnen seine Telefonnummer aus früheren Vergütungsaufträgen bekannt war.

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Der Kunde zahlt die Zeche
Kaum war das Geld nach New York geflossen, wurde das dortige Konto aufgehoben und der Betrag nach Nigeria transferiert. So blieb keine Chance, die Hintermänner des betrügerischen Deals aufzuspüren. Und weil das nigerianische Rechtssystem mehr schlecht als recht funktioniert, blieb auch eine Klage ohne Chance.

Nachdem sich der Beobachter für Paul Haenni eingesetzt hatte, lenkte die UBS ein: Haenni erhält nun 51'000 Franken zurück. Gut 20'000 Franken muss er sich aber ans Bein streichen; die Banker wissen nur zu gut, dass sich für Haenni ein Prozess nicht lohnt.

Lohnen tut sich indes grösste Vorsicht bei E-Mails oder Briefpost aus Nigeria. Der Bund sah sich sogar veranlasst, im Internet eine Warnung zu publizieren und eine Anlaufstelle für geschädigte Opfer ins Leben zu rufen.

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