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Haus vererbenWie wird ein Erbvorbezug gerecht vollzogen?

Wenn Eltern ihre Liegenschaft zu Lebzeiten an eines der Kinder abtreten, kann dies zu Ungerechtigkeiten führen. Was vereinbart werden kann, zeigt dieses Beispiel.

Erbvorbezug ausgleichen oder nicht? Diese Frage lässt sich ganz einfach schriftlich festhalten.
von aktualisiert am 30. August 2018

Die Eltern Egon und Verena Egg wollen ihrem Sohn Tim ihre schuldenfreie Liegenschaft als Erbvorbezug abtreten Eigenheim Wie verschenkt man ein Haus? , die einen Verkehrswert von 400'000 Franken hat. Tims Schwester Tanja soll die gleiche Summe ausbezahlt erhalten. Schliesslich muss man die Kinder ja gleich behandeln, sagen sich die Eltern. Ist das richtig?

Kein Recht auf Erbvorbezug

Grundsätzlich sind die Eltern nicht verpflichtet, einem ihrer Kinder einen Erbvorbezug Erbvorbezug Was gilt? zu gewähren. Und wenn ein Kind etwas erhält, haben seine Geschwister keinen Anspruch auf Gleichbehandlung zu Lebzeiten der Eltern; erst nach deren Tod ist eine sogenannte Ausgleichung ein Thema.

Das gilt auch dann, wenn nicht ausdrücklich von Erbvorbezug oder Vorempfang gesprochen wurde, sondern etwa von Schenkung Erbvorbezug Schenken ja – aber richtig oder Abtretung. Die Eltern können zwar bestimmen, dass Bezüge zu Lebzeiten im Todesfall nicht auszugleichen sind (siehe Mustervorlage «Befreiung von der Ausgleichungspflicht», exklusiv für Guider-Mitglieder). Diese Bevorzugung müssen Geschwister aber nur beschränkt akzeptieren – das Gesetz garantiert ihnen den Pflichtteil (siehe Grafik unten «Grenze des Pflichtteils prüfen»).

Wichtig: In jedem Fall sollten Eltern alles schriftlich festhalten.

Erbvorbezug ausgleichen

Erbvorbezug ausgleichen
Beim Tod der Eltern ist die Liegenschaft nach Abzug allfälliger Investitionen 200'000 Franken mehr wert. Die Hälfte dieses Mehrwerts, also 100'000 Franken, könnte Tanja einfordern.
Quelle: Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Ohne Ausgleichen

Erbvorbezug ohne Ausgleich
Die Eltern haben Tim schriftlich von der Ausgleichung des Mehrwerts entbunden. Das Gesetz erlaubt eine Ungleichbehandlung der Kinder allerdings nur bis zum Pflichtteil.
Quelle: Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

Wertsteigerung des Eigenheims ausgleichen?

Stolperfallen lauern vor allem, wenn die Eltern eine Liegenschaft an ein Kind abtreten. Oft erhält es das Eigenheim zum Wert, der für die Steuern gilt. Dieser kann allerdings erheblich unter dem effektiven Verkehrswert liegen.

Diese Differenz ist im Todesfall unter den Geschwistern auszugleichen. Das gilt auch für eine allfällige Wertsteigerung der Liegenschaft, zu der es zwischen Abtretung und dem Todesfall kommt. Bei Geldgeschenken – etwa an Weihnachten oder zum Geburtstag – gibt es dagegen keine solche Pflicht zum Ausgleich.

Falls Egon und Verena Egg nichts anderes angeordnet haben, muss Tanja sich nur den ursprünglichen Schenkungsbetrag anrechnen lassen. Diese juristische Ungleichbehandlung kann zu unerwarteten Nachzahlungen für Tim führen.

Wenn sich Eltern und alle Kinder einig sind, können sie in einem Erbvertrag beim Notar Urkunden Müssen wir damit zum Notar? verbindlich auf Nachzahlungen verzichten. Sie können zum Beispiel vereinbaren, dass ein allfälliger Mehrwert nur teilweise oder gar nicht auszugleichen ist. Oder sie einigen sich darauf, dass der tiefere amtliche Wert von allen akzeptiert ist.

Grenze des Pflichtteils prüfen

Pflichtteil beim Erben
Wenn die Eltern diese Grenze missachten, kann Tanja von Tim eine entsprechende Abfindung fordern. Diese Herabsetzungsklage ist ab Todestag während eines Jahres möglich. Tanja hat einen Pflichtteilsanspruch von 375'000 Franken. Da sie bereits 400'000 Franken erhalten hat, ist ihr Pflichtteil nicht verletzt. Tim muss ihr somit nichts mehr auszahlen.
Quelle: Infografik: Andrea Klaiber und Anne Seeger

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