​Die Zinssätze auf regulären Sparkonten bewegen sich irgendwo zwischen irrelevant und inexistent – sie liegen bei 0.05, 0.01, 0.0 Prozent. Schlimmer noch: Je nach Bank und Höhe des Vermögens werden sogar Negativzinsen fällig. Erfreulicher sind da Meldungen wie etwa jene des Schotten Matthew Robson, der seit seiner Geburt jedes Jahr eine Flasche Whisky der Edelbrennerei Macallan zum Geburtstag geschenkt bekam. Vor wenigen Wochen verkaufte er die Kollektion, für die sein Vater über die Jahre knapp 6000 Franken bezahlt hatte, für rund 48'000 Franken und leistete mit dem Geld eine Anzahlung an sein Eigenheim.

Noch spektakulärer war der Fall einer Französin. Die ältere Dame wollte ein kleines Christus-Bild loswerden, das bis anhin in ihrer Küche hing. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei nicht um einen Staubfänger, sondern um ein berühmtes Kunstwerk des italienischen Vorrenaissance-Malers Cimabue handelte. Das Gemälde wurde für rund 26 Millionen Franken versteigert.

Lagern und versichern

​Geschichten wie diese verleiten immer mehr Menschen dazu, zumindest einen Teil ihrer Ersparnisse in Wein, Uhren, Edelmetalle oder andere Sachanlagen zu investieren. Tatsächlich können exotische Anlagen langfristig hohe Renditen erzielen. Damit die Sammlerleidenschaft aber wirklich Gewinn abwirft, braucht es nicht nur sehr gute Marktkenntnisse. Sondern vor allem auch Geduld, sagt Karl Flubacher, Geschäftsleiter Region Nordwest- und Westschweiz beim VZ Vermögenszentrum: «Egal, ob es um Wein, Uhren oder Aktien geht – das Prinzip ist immer dasselbe: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Den jeweiligen Markt zu überschauen und Prognosen anzustellen, verlangt sehr viel Wissen und Zeit.»

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Doch selbst wenn man bereit ist, sich in ein Thema zu vertiefen, sind Sachanlagen keineswegs ein Renditegarant. Denn nicht jede gute Flasche Wein oder jede luxuriöse Uhr steigt im Preis oder wird gar zum gesuchten Liebhaberobjekt. «Und selbst wenn, muss man zuerst einen Käufer finden, der bereit ist, den entsprechenden Preis zu bezahlen», so Flubacher. Hinzu kommt, dass Sachanlagen fachgerechte Lagerung, ausreichend Platz sowie adäquaten Versicherungsschutz Wertsachenversicherung Wertvolles richtig versichern erfordern. Schliesslich braucht es auch entsprechende Plattformen, um die Anlagen wieder zu verkaufen.

Für diejenigen, die sich überdurchschnittlich für ein Thema interessieren und sich ohnehin regelmässig mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen, können Sachanlagen eine interessante Investitionsmöglichkeit darstellen, ist Experte Flubacher überzeugt. «Wer überschaubares Vorwissen besitzt und primär ein Renditeziel verfolgt, dem rate ich stattdessen zu klassischen Anlagefonds.»

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Am Ball bleiben

​Mit dieser Einschätzung befindet er sich in guter Gesellschaft. Schon der 1999 verstorbene Börsen- und Finanzexperte André Kostolany warnte in seinem Buch «Die Kunst, über Geld nachzudenken», dass nur, wer sich genau auskennt und sehr viel Erfahrung hat, theoretisch Geld mit Sachwerten machen kann. Der Börsenaltmeister war sich jedoch sicher, dass Sammler nicht von Wertzuwächsen profitieren, weil sie sich schlicht nicht von ihren Stücken trennen können. Der Spekulant hingegen, «der billig zu kaufen und teuer wiederzuverkaufen versucht», werde die Materie nie gut genug verstehen, um langfristig Erfolg zu haben.

Generell gilt: Geld anzulegen, ist nicht nur etwas für Reiche. Im Gegenteil. Es lohnt sich, früh damit zu beginnen und langfristig am Ball zu bleiben. Bevor man allerdings mit Aktien, Fonds, schönen Uhren oder edlen Tropfen hantiert, rät VZ-Geschäftsführer Flubacher, simple Instrumente zu nutzen. «Zuerst gilt es, ein Liquiditätspolster von einigen Monatssalären aufzubauen. In einem zweiten Schritt sollten die Steuerersparnisse durch Einzahlung in die dritte Säule vollumfänglich ausgeschöpft werden. Das, was übrig bleibt, kann in eine Anlage investiert werden.»

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Welche Sammlung passt?

Karl Flubacher, Geschäftsleiter beim VZ Vermögenszentrum, weiss, was Kleininvestoren bei Sachanlagen berücksichtigen müssen.

Wein

Wein gilt als langfristige Anlage, die hohe Renditen erzielen kann. Es braucht nicht viel Geld, um mit dem Sammeln zu beginnen, und es gibt zahlreiche Auktionsplattformen, auf denen Privatpersonen ihre Sammlerstücke gegen eine Gebühr verkaufen können. Die Herausforderung: Die Lagerung und Pflege der Flaschen verlangt nicht nur Fachwissen, sondern kostet auch Platz und Geld. Denn wenn der Kork porös wird, ist auch der Vermögenswert zerstört.

Experte Flubacher meint: «In der Tendenz überschätzen Weinliebhaber den Wert ihrer Sammlung. Selbst wenn ein gesuchter Tropfen darunter ist, besitzen Privatpersonen meist nur wenige Einheiten davon. So kann die Rendite prozentual zwar sehr hoch sein, unterm Strich bleibt dann aber eben doch nur ein überschaubarer Gewinn.»
 

Kunst

Der Kunstmarkt ist höchst spekulativ und intransparent. Werke von Newcomern sind zwar günstig. Das Risiko, dass sie in der Versenkung verschwinden und das Kunstwerk komplett wertlos wird, ist aber gross. Wer auf Werke eines namhaften Künstlers setzt, hat höhere Investitionskosten und keine Sicherheit, ob die Werke auch in Zukunft gefragt sind, vielleicht sogar eine Wertsteigerung erfahren. Kunstwerke benötigen zudem Platz, müssen adäquat gelagert und allenfalls versichert werden.

Experte Flubacher meint: «Um mit Kunst hohe Renditen zu erzielen, braucht es sehr viel Fachwissen und Glück. Hinzu kommt das hohe Klumpenrisiko und die erschwerte Handelbarkeit, verbunden mit hohen Kommissionen. Ich rate Laien von Kunstanlagen ab.»
 

Gold

Gold ist in den vergangenen Jahren erheblich im Wert gestiegen und hat in der Corona-Krise einen neuen Rekordstand erreicht . Neben dem physischen Besitz, etwa in Form von Goldmünzen, können sich Anleger unter anderem auch für börsengehandelte Goldfonds – sogenannte ETF – entscheiden. Der Vorteil dieser Variante: Die Kosten für Lagerung und Sicherheit werden so minimiert.

Experte Flubacher meint: «Langfristig gelten Edelmetalle als Inflationsschutz und sind deshalb durchaus eine sinnvolle Investition. Es ist fraglich, ob der physische Besitz von Gold sinnvoll ist. Stattdessen rate ich dazu, Goldfonds zur Diversifikation im Rahmen eines Portfolios einzusetzen.»
 

Uhren

Zwar muss es nicht zwingend Rolex, Patek Philippe, Omega, Cartier, Breitling, IWC oder Jaeger-LeCoultre sein. Wer aber schon beim Kauf einer Uhr auf eine Wertsteigerung spekuliert, ist gut beraten, sich an die Luxus-Manufakturen zu halten – und entsprechend viel Geld auszugeben. Die Lagerung und Pflege der kostbaren Stücke ist hingegen finanziell vergleichsweise überschaubar.

Experte Flubacher meint: «Eine teure Uhr wird ihren Sachwert kaum je komplett verlieren. Wer auf die gängigen Luxusmarken setzt, liegt damit nicht falsch. Doch auch bei Uhren spielt der Markt. Modelle, die heute gefragt sind, sind nicht zwangsläufig künftige Liebhaberstücke. Doch darauf kommt es an, will man grosse Renditen erzielen.»

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