Der Fonds ist wie geschaffen für vorsichtige Raiffeisen-Kunden. 2013 werden die Anleger garantiert den höchsten Kurs ausbezahlt erhalten, den der Fonds in den ersten zwei Jahren erreichte. Und der lag beim vor drei Jahren lancierten «Capital Protection Maturity 2013»-Fonds bei Fr. 104.70. Inzwischen ist ein Fondsanteil noch 73 Franken wert, 27 Franken weniger als bei Ausgabe.

Was ist passiert? Der Fonds verfügt über eine spezielle Form des Kapitalschutzes. Anfänglich investierte er vorwiegend in Schweizer Aktien. Um Kursverluste zu limitieren, wurden die Aktien jeweils verkauft, sobald sie unter einen bestimmten Kurs fielen. Der Verkaufserlös wurde dann in Obligationen angelegt. Periodisch sollten wieder Aktien gekauft werden, erneut mit Verlustlimiten. Seit August 2008 enthält der Fonds nur noch Obligationen. Die aber haben nicht so viel an Wert verloren, dass sie für den Kursverlust verantwortlich sein können.

Die Ursache dafür liegt wohl im Kapitalschutz selbst, für den nicht Raiffeisen geradestehen muss, sondern der schlingernde US-Finanzkonzern AIG. Ein Risiko: Geht AIG pleite, ist auch der Schutz dahin. Immerhin würden die Anleger nicht alles verlieren. Weil Fonds als Sondervermögen taxiert werden, gelangen sie nicht in die Konkursmasse. Der aktuelle Kurs des Raiffeisen-Fonds ist aber ein Hinweis, dass die Anleger mit happigen Verlusten rechnen müssen.

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Anleger im Dunkeln gelassen

Raiffeisen weiss offiziell nicht, was den Kurszerfall ausgelöst hat. «Die Bewertung ist Gegenstand einer Prüfung durch die Revisionsstelle. Daher können wir dazu keine Aussagen machen», lässt Raiffeisen-Sprecher Franz Würth seit nun schon drei Wochen verlauten. «Wir sind nicht zuständig, weil der Fonds luxemburgischem Recht untersteht», heisst es bei der Finanzmarktaufsicht in Bern. Und die Luxemburger Aufsichtsbehörde CSSF? Die verfolgt «den hohen Kursverlust aufmerksam», liess sie den Beobachter wissen.

Die Anleger werden im Dunkeln gelassen und müssen selber entscheiden, was sie tun wollen. Raiffeisen macht unterdessen auf Optimismus. Man empfiehlt, jetzt nicht zu verkaufen, sondern die Anteile bis zur Rückzahlung zu behalten, damit die Garantie wirksam wird. «Wir gehen davon aus, dass AIG nicht vom Markt verschwindet», so Raiffeisen-Sprecher Würth. Mehr als eine Hoffnung ist das nicht. Ob AIG die Krise übersteht, ist ungewiss. Überlebt hat der ehemals weltgrösste Versicherungskonzern bisher nur dank US-Staatshilfe von 180 Milliarden Dollar.

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