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KrankenkasseDoppelt versichert – 48'000 Franken Schulden

Ein Mann fängt sich bei der Krankenkasse fast 50'000 Franken Schulden ein. Bild: Martin Rütschi/Keystone

Laut Gesetz kann niemand zwei Grundversicherungen bei der Krankenkasse haben. Es kommt trotzdem vor. Betroffene sitzen in der Kostenfalle.

von Corinne Strebel

Markus Huber* ist gesundheitlich stark angeschlagen. Die Krankenakte des 54-jährigen Aargauers füllt ganze Ordner. Hinzu kommen Schulden, allein bei der Krankenkasse Helsana 48'000 Franken. Der Grund: Ab Januar 2008 erhielt Huber von zwei Krankenkassen Rechnungen. Neben der Helsana ging auch die Concordia davon aus, dass er bei ihr grundversichert ist. Huber bezahlte jeweils nur die Prämien der Concordia. Die Helsana betrieb ihn.

Mehr Fälle von doppelt Versicherten

Dabei schliesst das Krankenversiche­rungs­­gesetz eine Doppelversicherung aus. Es hält genau fest, wie ein Kassenwechsel abzulaufen hat: «Das Versicherungsverhältnis endet beim bisherigen Versicherer erst, wenn ihm der neue Versicherer mitgeteilt hat, dass die betreffende Person bei ihm ohne Unterbrechung des Versicherungsschutzes versichert ist.»

Weshalb das bei Huber nicht funktioniert hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Auch in anderen Fällen greift das Gesetz offenbar ins Leere. So sagt Manuel Gehri, Betreibungsbeamter in Buchs AG, er habe vermehrt mit Fällen von doppelt Versicherten zu tun.

Wenn jemand seine Krankheitskosten nicht trägt, muss ihn die Krankenkasse erst mahnen, dann betreiben. Falls das nichts bringt, übernimmt anschlies­send der Kanton 85 Prozent der fraglichen Summe. Bezahlt der Versicherte später doch noch, muss die Kasse lediglich 50 Prozent der Summe an den Kanton rückerstatten. Das finanzielle Risiko der Krankenkassen bewegt sich also in einem engen Rahmen – entsprechend gering ist das Interesse, doppelt Versicherte aus ihrer Falle zu befreien.

Vertrag aufgelöst, Geld zurück

Markus Huber hat diverse Male versucht, eine der Versicherungen zu kündigen – erfolglos. Stets wiesen Helsana wie Concordia die Schuld ihm selber zu. Oder dann spielten immer andere Sachbearbeiter Schwarzer Peter: Die jeweils andere Kasse habe damals unsauber gearbeitet und stehe in der Verantwortung.

Erst nach Jahren traute sich der völlig überforderte Huber im Februar, seine Schwester einzuschalten. Sie verlangte von den Kassen sämtliche Unterlagen. Die Concordia lieferte die zentralen ­Unterlagen, die Helsana lediglich eine Police für das Jahr 2017. Genervt wandte sich die Schwester an den Beobachter. Und siehe da: Nach neun Jahren Abwimmeln ging es plötzlich ganz schnell – ein ­Anruf, und die kompletten Unterlagen waren vorhanden.

Den Knoten gelöst hat schliesslich die ­Concordia. Sie sicherte zu, den Vertrag mit Markus Huber rückwirkend auf den 1. Januar 2008 aufzulösen. Mit den rückerstatteten Prämien kann er nun seine Schulden bei der Helsana tilgen. 

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Veröffentlicht am 2017 M04 25