Das Zürcher Inkassobüro Infoscore schickte Renato V.* aus dem Nichts eine Zahlungserinnerung von Fr. 344.65. Dabei ­stützte es sich auf einen 22 Jahre alten Verlustschein. Was Info­score nicht beachtet hat: Der Schein lautete gar nicht auf Renato V., sondern auf einen René gleichen Nachnamens. Auch Geburts­datum und Familien­verhältnisse ­stimmten nicht überein.

Hinzu kommt: Inzwischen gibt es nicht einmal mehr den Gläubiger, für den das Inkassobüro die Schuld eintreiben wollte. René V. wurde 1992 wegen ­einer unbezahlten Rechnung des Versandhauses Quelle gepfändet. Dieses wurde aber vor vier Jahren liquidiert.

Saftige Provisionen locken

Ob Renato V. ein Einzelfall ist, bleibt offen. Gut möglich, dass Inkassobüros bei Schuldnern mit unbekannten Adressen die Zahlungserinnerungen einfach auf gut Glück in Frage kommenden Personen zustellen. Gegenüber dem Beobachter will Infoscore den Fall nicht kommentieren.

Es ist kein Zufall, dass Infoscore jahrzehntealte Schulden einzutreiben ­versucht. Vor 1997 aus­gestellte Verlustscheine verjähren am 1. Januar 2017 (siehe Beobachter Nr. 8). Die ­Inkassobranche wittert ein gutes Geschäft. Sie übernimmt auf eigenes ­Risiko von Gläubigern alte Verlustscheine. Branchenkenner gehen davon aus, dass sie eine Erfolgsprovi­sion von 40 bis 50 Prozent der eingebrachten Schuld verdient.

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*Name der Redaktion bekannt