Manfred Seiler* war erst wenige Tage tot, da erhielt seine Partnerin Sandra Kunz* bereits Post vom Steueramt Wetzikon ZH. Dicke Post. Sie sollte einen Inventarfragebogen und eine Steuererklärung für den Verstorbenen ausfüllen, vom Anfang des Steuerjahres bis zum Todestag. «Manfred hinterliess zwei erwachsene Töchter», erzählt sie. «Zu ihnen hatte er seit seiner Scheidung keinen Kontakt mehr. Da wollte ich nichts falsch machen.»

Manfred Seiler hatte Sandra Kunz im Testament Testament Letzte Fehler vermeiden mit einem Viertel seines Nachlasses bedacht. Sie fragte sich, ob sie nun die Formulare des Steueramts im Alleingang ausfüllen dürfe – oder solle oder sogar müsse.

Sie darf. Wenn jemand im Kanton Zürich stirbt, wird bei der Meldung des Todesfalls auf dem Zivilstandsamt auch eine Kontaktperson angegeben. Das Amt lässt dieser ein Merkblatt zukommen – zum sogenannten Inventarisationsverfahren zuhanden der Erben. Meist sind die Kontaktpersonen der Ehegatte, die Partnerin oder ein Kind des oder der Verstorbenen. In Frage kommt etwa auch eine Treuhänderin, die in den vergangenen Jahren die Steuererklärung ausgefüllt hat.

Frist von zwei Monaten für das Ausfüllen

Das Gemeindesteueramt schickt der Kontaktperson in der Regel innert 14 Tagen einen Inventarfragebogen und die Steuererklärung. Für das Ausfüllen bleiben 60 Tage. Wenn das nicht reicht, muss man vor Ablauf der Frist eine Erstreckung beantragen. Auch wer das Erbe ausschlagen will, darf die Steuererklärung ausfüllen. Dadurch wird man nicht automatisch zum Erben.

Das Steueramt geht davon aus, dass die Kontaktperson im Einvernehmen mit den übrigen Erben handelt. Es informiert daher andere Erbberechtigte nicht automatisch über den Inhalt der Unterlagen.

Falls Sandra Kunz die Töchter ihres verstorbenen Partners beim Ausfüllen der Unterlagen nicht einbezieht, können diese beim Steueramt Einsicht verlangen. «Falls sie mit dem Aufgeführten nicht einverstanden sind, können sie das schriftlich dem Steueramt melden», sagt Roger Keller vom Steueramt des Kantons Zürich.

Das Steuerinventar dient der Ermittlung der Erbschaftssteuer und als Kontrolle, ob der Verstorbene alles korrekt versteuert hatte. Es ist nicht verbindlich für die spätere Erbteilung, dient aber oft als Grundlage dafür. Ob, durch wen und wie das Steuerinventar erstellt wird, ist kantonal unterschiedlich geregelt.

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Im Kanton Bern etwa erstellen ausschliesslich Notare das Steuerinventar, im Kanton Luzern ist die Teilungsbehörde zuständig, im Kanton Basel das Erbschaftsamt. Je nach Verwandtschaftsgrad der Erben und Höhe des Vermögens verzichten die meisten Kantone darauf, ein Inventar zu erstellen – oder es erfolgt mündlich, auf dem Steueramt oder in der Wohnung des Verstorbenen.

Merkblätter «Erbschaftssteuer in den Kantonen» bei Guider

Die Kantone können selber festlegen, ob der überlebende Ehegatte, Nachkommen, Eltern oder Konkubinatspartner Erbschaftssteuern zahlen müssen. Beobachter-Abonnenten erfahren im Merkblatt «Erbschaftssteuer in den Kantonen», was für sie gilt. Wie hoch der Steuerbetrag konkret in den Kantonen ist, zeigt überdies das Berechnungsbeispiel des Merkblatts «Erbschaftssteuer für ein Erbe von 500'000 Franken».

Wenn unversteuertes Vermögen zum Vorschein kommt

Sandra Kunz hat beim Durchsehen der Ordner ihres Partners entdeckt, dass er nicht alles Vermögen versteuert hat. Das ist Steuerhinterziehung und sollte schriftlich beim Steueramt angezeigt werden. Dann erhebt es nur für die drei Jahre vor dem Todesjahr eine Nachsteuer samt Verzugszins. Voraussetzung ist, dass die Erben mithelfen, ein vollständiges und genaues Nachlassinventar zu errichten. Falls das Steueramt allerdings schon vom hinterzogenen Vermögen weiss, besteuert es dieses bis auf zehn Jahre zurück. Sandra Kunz kann die Anzeige machen, ohne die Töchter zu informieren.

Wenn man Angst vor Schulden hat

Die Töchter von Manfred Seiler kennen die finanzielle Situation ihres Vaters nicht. Sie können nicht ausschliessen, dass er überschuldet war. Sie sollten sich deshalb ans Steueramt seines Wohnsitzes wenden und Einsicht in die letzten Steuererklärungen verlangen.

Das Amt ist jedoch erst bereit, Einblick zu gewähren, wenn die Inventarisierung abgeschlossen ist. Denn erst dann ist klar, ob der Erblasser Steuern hinterzogen hat. Das Bundesgericht hält es für gerechtfertigt, dass das Akteneinsichtsrecht nach dem Tod zwei Wochen lang eingeschränkt wird.

Die Inventarisierung kann aber länger als zwei Wochen dauern. Doch dann könnte es knapp werden, falls die Töchter das Erbe ausschlagen wollen – das können sie nur bis drei Monate nach Kenntnis des Todesfalls. Sie können aber beantragen, dass die Frist verlängert wird.

Die Töchter haben noch eine andere Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen. Sie können innert Monatsfrist ein öffentliches Inventar verlangen. Dann erstellt die Behörde eine Übersicht über Aktiven und Passiven. Wer eine Erbschaft unter öffentlichem Inventar annimmt, haftet nur für die aufgeführten Schulden – mit wenigen Ausnahmen. Im Kanton Basel-Stadt etwa sind allfällige Steuerschulden nicht ersichtlich.

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Erbschaftssteuer und letzte Steuerveranlagung

Sobald Sandra Kunz den Inventarfragebogen und die Steuererklärung an die Gemeinde zurückgesandt hat, leitet diese die Unterlagen ans kantonale Steueramt weiter. Es berechnet gemäss gesetzlicher Erbfolge die Erbschaftssteuern – unter Berücksichtigung eines allfälligen Testaments oder Erbvertrags.

Die Höhe der Erbschaftssteuer hängt vom Verwandtschaftsgrad und vom Steuerfreibetrag ab. Im Kanton Zürich gilt für eine Lebenspartnerin, die mit dem Erblasser mindestens fünf Jahre zusammengelebt hat, ein Steuerfreibetrag von 50'000 Franken. Nur für den Betrag darüber muss sie Erbschaftssteuer zahlen.

Falls Sandra Kunz 100'000 Franken erbt, müsste sie gemäss kantonalem Online-Steuerrechner 7200 Franken zahlen. Die Kinder des Erblassers zahlen in den meisten Kantonen keine Erbschaftssteuer.

Manfred Seiler hat in seinem Testament sein Patenkind mit 20'000 Franken bedacht. Es muss im Kanton Zürich 600 Franken Erbschaftssteuer zahlen. Wo das Patenkind lebt, spielt keine Rolle: Es gilt immer das Steuergesetz des Kantons, in dem der Erblasser zuletzt gewohnt hat – ausser bei Liegenschaften.

Normalerweise fordert das Steueramt die gesamte Erbschaftssteuer vom Erbenvertreter oder vom Willensvollstrecker Testament Damit der letzte Wille geschehe . «Auf Anfrage hin stellt das kantonale Steueramt aber auch Einzelrechnungen aus», sagt Roger Keller vom Zürcher Steueramt.

Was geschieht, wenn ein Erbe seine Steuer nicht bezahlt Nachlass Beim Erben lernt man die Leute kennen ? Jeder Erbe haftet solidarisch für die Erbschaftssteuer der anderen – maximal bis zum Betrag, den er selber erben würde. Das heisst: Im schlimmsten Fall geht man leer aus, wenn ein Miterbe seine Steuer nicht bezahlt.

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Die Rechnung über die letzte Steuer von Manfred Seiler schickt das Amt ebenfalls an Sandra Kunz. Es sind Erbgangsschulden, das heisst, sie werden aus dem Nachlass bezahlt; was übrig bleibt, wird an die Erben verteilt.

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Deklaration des Erbes in der eigenen Steuererklärung

Kunz und die beiden Töchter müssen ihren Erbanteil in der Steuererklärung nach dem Todesjahr ihres Vaters deklarieren. Das Vermögen geht technisch am Todestag auf die Erben über. Es spielt keine Rolle, wenn die Erben den Nachlass unter sich noch nicht aufgeteilt haben oder keinen Zugriff auf die Vermögenswerte haben.

Falls unklar ist, wer was erhält, kann die Steuerbehörde die Erbberechtigung provisorisch beurteilen. Gestützt darauf, werden die Erben dann für die Erbschaftssteuer veranlagt. Wenn das tatsächliche Erbe von der provisorischen Beurteilung abweicht, können die Erben eine Revision beantragen.

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*Name geändert

Fragen und Antworten zur Steuererklärung für einen Toten

Steuererklärungen im Todesjahr

  • Meine Frau ist im Februar gestorben. Was heisst das für die Steuererklärung?
    Als überlebender Gatte haben Sie eine sogenannte unterjährige Steuerpflicht. Das heisst, Sie füllen bis zum Todestag eine gemeinsame und für den Rest des Jahres eine eigene Steuererklärung aus. Für beide Perioden zahlen Sie anteilmässig Steuern.

Todesfallkosten

  • Kann ich die Kosten für Todesanzeige, Grabschmuck und so weiter in der Steuererklärung meines verstorbenen Vaters abziehen?
    Nein. Sie können in seiner Steuererklärung nur die am Todestag noch offenen Rechnungen als Schulden aufführen. Die Todesfallkosten können Sie aber aus dem unverteilten Erbe bezahlen und im Steuerinventar auflisten. Die Kosten müssen im direkten Zusammenhang mit dem Todesfall Letzte Dinge Was nach einem Todesfall getan werden muss stehen. Dazu zählen Ausgaben für Todesanzeige, Danksagung, Bestattungsfirma, Bescheinigungen, Grabstein.
  • Und wenn die Kosten zum Teil noch gar nicht bekannt sind?
    Dann kann man zum Beispiel im Kanton Bern eine Reserve bis maximal 5000 Franken angeben, ebenso viel für den Grabunterhalt. Im Kanton Zürich kann man für Todesanzeigen, Beerdigung, Grabstein und Grabunterhalt pauschal höchstens 12'000 Franken einsetzen. Höhere Kosten müssen die Erben nachweisen. Wenn Sie das im Steuerinventar verpasst haben, können Sie noch nicht bezahlte Todesfallkosten in der Steuererklärung des Folgejahres als Schulden geltend machen.

Vorauszahlung ans Altersheim

  • Ich bin Erbe und muss die letzte Steuererklärung meiner Mutter ausfüllen. Wie muss ich die Vorauszahlung ans Altersheim deklarieren, die ich nach ihrem Tod zurückerhalten habe?
    Führen Sie diese Zahlung im Wertschriftenverzeichnis beim Vermögen per Todestag auf – unter «übrige Vermögenswerte». Es handelt sich um ein Guthaben, das Sie nach dem Tod zurückerhalten. Bei den Pflegekosten können Sie nur die effektiv bezahlten Kosten bis zum Todestag abziehen.

Bargeldspenden

  • Wir haben nach dem Tod unseres Onkels viele Bargeldspenden erhalten, rund 7000 Franken. Wie deklarieren wir die?
    Das sind Schenkungen von Drittpersonen. Die einzelnen Beträge sind bezüglich einer Schenkungssteuer nicht relevant. In vielen Kantonen sind Gelegenheitsgeschenke bis 5000 Franken von einer Steuer befreit.

Steuerhinterziehung des Erblassers

Sparkonto-Zins

  • Ich muss die Steuererklärung meines verstorbenen Bruders ausfüllen. Wie muss ich den Zins seines Sparkontos berechnen und deklarieren?
    Verlangen Sie von allen Vermögenswerten und auch von allfälligen Krediten einen Auszug per Todestag mit Marchzinsberechnung. Die Marchzinsen müssen die Erben deklarieren. Beim Verstorbenen muss man lediglich die bereits effektiv vor dem Todestag geflossenen Zinsen erwähnen.

Darlehensgeber stirbt

  • Mein verstorbener Onkel hat einem Freund ein grösseres Darlehen gegeben. Müssen wir dieses als Erben nicht mehr deklarieren?
    Beim Tod gehen alle Rechte und Pflichten aus einem Darlehensvertrag auf die Erben über. Sie sind die neuen Gläubiger. Falls Sie das Darlehen nicht kündigen und das Geld zurückverlangen, deklarieren Sie es anteilmässig per Ende des Jahres als Vermögen, die Zinsen als Ertrag.

Konkubinatspartner erhält PK-Kapital

Entgelt für Willensvollstreckung

  • Ich habe für meinen Onkel die Willensvollstreckung gemacht und dafür ein Entgelt aufgeschrieben. Muss ich es versteuern?
    Ja, es handelt sich um Einkommen. Sie können jedoch Ihre Auslagen in diesem Zusammenhang abziehen.

Ausschlagung

  • Das Steueramt verlangt, dass ich die Steuererklärung meiner verstorbenen Mutter ausfülle, obwohl ich die Erbschaft ausgeschlagen habe. Ist das korrekt?
    Nein. Bei einer Ausschlagung sind Sie von dieser Pflicht befreit.
  • Muss ich als Witwe die Steuerschulden meines verstorbenen Mannes bezahlen, auch wenn ich die Erbschaft ausschlage?
    Wenn es sich um gemeinsame Eheschulden handelt, waren Sie zwar auch Schuldnerin. Sie können aber jetzt die Aufteilung verlangen und haften dann nur noch für den Anteil, der auf Ihr Einkommen und Ihr Vermögen entfällt.
  • Hafte ich als einzige Erbin meines Vaters für seine Steuerschulden?
    Nur bis zur Höhe der Erbschaft. Wenn Sie die Erbschaft ausschlagen, haften Sie gar nicht.

Schulden erben? – Nein, Danke!

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Wer erbt, haftet auch für die Schulden des Erblassers. 3 Tipps, wie Sie sich absichern können.

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Tina Berg, Redaktorin

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