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Der reuige Räuber«Damals war ich ein Arschloch»

Als Jugendlicher hat ein heute 33-Jähriger bewaffnete Raubüberfälle verübt. Er brauchte sechs Jahre Gefängnis, um zu verstehen, was er getan hat.

Wie konnte es so weit kommen, dass Kevin Jeger* reihenweise Überfälle beging?
von aktualisiert am 04. Januar 2018

Zur Tarnung kauft Kevin Jeger* jeweils etwas ein. Eistee, Toastbrot, Hundefutter oder Teebeutel. Einmal sogar eine Rose. Er legt die Ware aufs Band, die Kassiererin lächelt, «Grüessech», sagt sie, zieht den Strichcode über den Scanner. Jeger reicht das Geld, sie öffnet die Kasse. In diesem Moment zückt er die Waffe.

«Ich will nur das Geld», sagt er. «Ihnen passiert nichts.» Mit der rechten Hand richtet er die Pistole auf die Kassiererin, mit der linken schnappt er sich die Banknoten. Sein Körper schüttet solche Mengen an Adrenalin aus, dass er links und rechts die Leute gar nicht wahrnimmt, die beim Einkaufen sind. Später wird er nicht mal mehr wissen, ob die Person hinter der Kasse ein Mann oder eine Frau war. Er sieht nur das Geld. Sobald er die paar hundert Franken hat, flieht er.

Wenn er in Sicherheit ist, ebbt das Adrenalin ab. Die zwei, drei Minuten im Laden sind ihm wie zehn Sekunden vorgekommen. Völlig surreal. Der erste Gedanke, der ihm nach einem Raub kommt, ist immer derselbe: «Was hast du getan?» Der zweite Gedanke folgt schnell. «Zum Glück hat es geklappt. Du hast das Geld.» Die Erleichterung ist wie eine warme Welle, die jegliches Unbehagen wegspült. Und ihm ermöglicht, bereits an das nächste Mal zu denken.

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«Es war ein langsamer Prozess, bis ich begriff, dass ich wirklich schlimme Sachen gemacht habe.»

 

Kevin Jeger*, Schreiner

Zwölf Jahre später sitzt Kevin Jeger in einer Bar in Winterthur, gut angezogen, glattrasiert, freundliches Lächeln, eher schmächtig. «Damals war ich ein Arschloch», sagt der 33-Jährige. Ursprünglich hatte er entschieden, Läden auszurauben, weil er niemandem schaden wollte. «Ich dachte, dass die ja eh Versicherungen haben, die ihnen das Geld wiedergeben. Ich wollte nie gewalttätig sein.»

Das Schwierigste der letzten Jahre war für ihn, zu realisieren, dass er sehr wohl Gewalt angewandt hat, auch wenn er niemanden körperlich verletzt hat. «Ich habe Menschen teilweise schwer geschädigt, die nichts dafürkonnten», sagt er. «Stinknormale Leute, die einfach arbeiten gegangen sind und den Schock fürs Leben hatten.»

Was er angerichtet hatte, verstand Jeger erst im Gefängnis. Die Jahre in Untersuchungshaft beschreibt er als «wahnsinnige Isolation»: 23 Stunden am Tag auf acht Quadratmetern, eine Stunde Spazieren im Betonhof. Immer wieder drehten sich seine Gedanken um die letzten Jahre, um den Abstieg in Drogen und Kriminalität. Er sah Reportagen im Fernsehen von Leuten, die überfallen worden waren. Hörte, wie sie die paar Sekunden, in denen ein Pistolenlauf auf sie gerichtet war, verstört und verändert hatten. «Es war ein langsamer Prozess, bis ich begriff, dass ich wirklich schlimme Sachen gemacht habe.»

Mit sieben Jahren ins Heim

Auf diese Erkenntnis folgte die kniffligste Frage von allen: Wie konnte es so weit kommen?

Kevin Jeger ist sieben, als er in ein Kinderheim kommt. In der Schule ist er gelangweilt und unkonzentriert. Jeder Vogel, der am Fenster vorbeiflattert, lenkt ihn ab. Er zappelt herum, foppt die Lehrer. Bisweilen wird er aggressiv. POS, psychoorganisches Syndrom, sagen die Behörden bei den Abklärungen; heute würde ADHS diagnostiziert, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Seine Mutter wehrt sich dagegen, dass ihr Kind in ein Heim kommt. Aber die Behörden sagen ihr, draussen sei Kevin nicht tragbar.

Sieben Jahre verbringt er dort, danach drei Jahre in einer Institution, wo er eine Anlehre als Koch abschliesst. Beide Orte sind eingezäunt, das Gelände darf er nur am Wochenende verlassen. Schule, Sport, Hobbys – alles intern. «Wir machten schon Ausflüge. Mal ins Kino. Nach Grindelwald in ein Skilager. Aber ich hatte keinen Bezug zur Realität. Keine Freunde, die nicht auch im Heim waren.»

Plötzlich diese Freiheit

Mit 19, die Anlehre hat er abgeschlossen, zieht er nach Winterthur. Zum ersten Mal seit über zehn Jahren kann er machen, was er will. Keine Zäune, keine Regeln, keine Heimleiter. Die grenzenlose Freiheit ist für ihn eine totale Überforderung: «Wenn sich ein Mensch so lange nie selbständig für etwas entscheiden konnte, kann man nicht von ihm erwarten, dass er plötzlich im normalen Leben klarkommt.»

Nach einigen gescheiterten Jobversuchen gibt Jeger die Stellensuche auf. Kümmert sich weder um Rechnungen noch um Miete. Stattdessen folgen alkoholgeschwängerte Nächte, Techno-Beats und dunkle Klubs, Ecstasy und Amphetamin. Der wilde Sog der Unabhängigkeit. Die Drogen wischen alle Schwierigkeiten beiseite. Nach einer lebensgefährlichen Überdosis liegt er drei Tage lang im Spital. Danach ist die Lust auf künstliche Glücksgefühle verflogen. Was bleibt, sind die Schulden.

Die aus seiner Sicht einfachste Lösung: der Schritt in die Kriminalität. «Statt zu kämpfen und mich anzustrengen, dachte ich, dass ich so ganz schnell die Geldsorgen wieder wegmachen könne.»

Das erste Mal

Den ersten Raubüberfall verübt er mit Freunden. Danach, als die drei atemlos und völlig ausser sich das erbeutete Geld zählen, begreift er: «Ich kann in zwei Minuten so viel Geld machen wie sonst in einem Monat.» Von da an ist es um ihn geschehen.

Der Strudel dreht sich immer schneller. Jeger lernt andere Kriminelle kennen. In der Gruppe wird er akzeptiert, die anderen schauen zu ihm auf. «Ich hatte das noch nie», sagt er. «Die haben alle gesagt, was für ein krasser Siech ich bin.» Das hilflose Heimkind scheint plötzlich weit, weit weg. Ab und zu kommt in ihm die Frage hoch, was er genau macht. Den Gedanken boxt er sofort weg.

«Plötzlich hatten Leute Angst vor mir. Ich konnte sie steuern, wie mit einer Fernbedienung.»

 

Kevin Jeger*, Schreiner

Nach einigen Monaten hat er ein Netz von elf Leuten aufgebaut, die für ihn arbeiten. Sie brechen ein, rauben und bringen ihm die Beute. Jeger entscheidet, wie viel sie kriegen. Der Rest gehört ihm. Das Gefühl, Macht über andere zu haben, ist verführerisch. «Plötzlich hatten Leute Angst vor mir. Ich konnte sie steuern, wie mit einer Fernbedienung. Auch wenn das die traurigste Anerkennung der Welt ist – es war mir im Moment egal.» Erst viel später realisiert er, mit welcher Gefühlskälte er damals vorging.

Über 50 Delikte verübt die Gruppe in zwei Jahren. Erbeutet eine hohe fünfstellige Summe. Jeger plant jetzt, Banken auszurauben, das ganz grosse Geld zu machen. Gegen aussen ist er wie immer: charmant. Nett. Hilfsbereit. Ein Mann, den eine Frau gut den Eltern vorstellen kann.

Eine Todesdrohung mit Folgen

Aber er entwickelt auch eine andere Seite, eine brutale. Nach einem Streit mit einem Kumpel, der ihm Diebesgut abliefert, rastet Jeger aus. «Ich habe ihm gesagt, wenn er irgendjemandem ein Wort sagt, dann bringe ich ihn um. Ich hätte es nie gemacht. Aber ich habe mich so verkauft, dass er mir geglaubt hat.» Der Kumpel will sich schützen und verpfeift ihn bei der Polizei. Schon seit Jahren sucht sie nach Jeger. Bei der Verhaftung wehrt er sich nicht.

Die Gefängniszeit löst viel in ihm aus. Nicht nur weil er zum ersten Mal wirklich damit konfrontiert wird, was er getan hat. Sondern auch weil er erneut hinter Zäunen ist. «Ich war so enttäuscht von mir selbst. So lange war ich im Kinderheim unfrei gewesen, und nun hatte ich mir genau das Gleiche wieder eingebrockt.» Langsam versteht er, warum er kriminell wurde. «Aber ich musste einsehen: Ich hätte mich auch anders entscheiden können. Es war nur meine Schuld.»

Hinter Gittern
Erst hinter Gittern realisierte Kevin Jeger*, was er angerichtet hatte.
Quelle: Andreas Gefe

Nach einem Jahr ist Kevin Jeger klar: Er muss sein Leben wieder in den Griff kriegen. Eine grosse Hilfe ist sein Sozialarbeiter. Er ist anders als die Sozialpädagogen und Psychiater, die er bisher kennengelernt hat. Keine übereinandergeschlagenen Beine, kein analytischer Blick, kein Schreibblock. «Er hat einfach normal mit mir gequatscht.»

Der Sozialarbeiter merkt, dass Jeger keinen Zugang zu seinen Gefühlen hat. Entweder ist er wütend oder glücklich, Schattierungen gibt es nicht, weder Enttäuschung noch Trauer, noch Verletztheit. Bei jedem Besuch in der U-Haft nervt der Sozialarbeiter Jeger von nun an. «Wie fühlst du dich?», fragt er. «Ich bin hässig.» – «Bist du traurig?», hakt er nach. «Enttäuscht? Wütend?»

Es dauert Monate, bis sich die Hartnäckigkeit lohnt. «In meinem Kopf hat sich allmählich eine Blockade gelöst», sagt Jeger. «Ich konnte zu einem Menschen gehen und ihm sagen, dass er mich enttäuscht hat. Statt zu sagen: ‹Du verdammtes Arschloch, ich mach dich fertig!›»

Die Beamten sind misstrauisch

Sein gutes Verhalten wird im Gefängnis registriert. Jeger hält sich an alle Regeln. Kommt nach jedem Ausgang wieder zurück. Strengt sich in seiner Schreinerlehre an. Aber die Beamten sind misstrauisch: «Sie wussten, dass ich genau verstand, was ich hätte vorspielen müssen», sagt er. «Darin hatte ich genug Übung.»

Die Vollzugsbehörden stehen unter grossem Druck: Sie wollen unbedingt vermeiden, dass er in Freiheit rückfällig wird. Sie geben ein neues Gutachten in Auftrag. Ohne mit ihm zu sprechen, diagnostiziert der Psychiater eine schwere psychische Störung und deutlichen Narzissmus. Er sei flucht- und gemeingefährlich. Damit wird die Staatsanwältin die sogenannte kleine Verwahrung nach Artikel 59 fordern.

Zum ersten Mal hat Jeger wirklich Angst. Er weiss: Wenn er verwahrt wird, könnte er über Jahrzehnte weggesperrt werden. «Ich habe kein Problem damit, für meine Taten bestraft zu werden. Aber eine Verwahrung wäre nicht fair gewesen.» Den Gerichtstermin, am 17. November 2008, bezeichnet er heute als grössten Glückstag seines Lebens. Der Richter ist ihm milde gesonnen. Sein Sozialarbeiter erklärt vor Gericht, warum das Gutachten übertrieben sei. Nach zwei Tagen Verhandlung wird verkündet: sechs Jahre Gefängnis, keine Verwahrung. Jahre später bedankt sich Jeger beim Richter für das Urteil. Dieser reagiert erstaunt: Es sei das erste Mal in seiner Karriere, dass sich jemand für eine Gefängnisstrafe bedankt.

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Vier Jahre ist Kevin Jeger zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung schon im Gefängnis. Noch zwei Jahre muss er im «Thorberg» sitzen, bis er in die Freiheit entlassen wird. In dieser Zeit verpasst er viel. Die Hochzeit seiner geliebten Schwester. Die Beerdigung seines Grossvaters. Die Geburt seines Neffen. Da das Spital nah am Gefängnis ist, kann sein Schwager ihm durch das Fenster zurufen, dass das Kind gesund ist. Smartphones kommen auf, Facebook, Twitter. Soziale Medien kennt Jeger nur aus dem Fernsehen.

Im Gefängnis trifft er viele andere Männer aus seinem ehemaligen Kinderheim an. Ihnen ist der Schritt in die Unabhängigkeit ebenfalls zum Verhängnis geworden. Langsam gärt in ihm eine Idee: Wenn er wieder draussen ist, will er andere in dieser Lage ansprechen. Er glaubt, mit seiner Geschichte auf einer anderen Ebene mit Jugendlichen reden zu können als die Sozialpädagogen in einem Heim.

«Ich würde sagen: Passt auf, wenn eure Kollegen euch nur cool finden, wenn ihr kifft oder ein Töffli klaut.» Jeger weiss, dass Kriminalität faszinierend sein kann. Immer wieder reagieren manche mit Anerkennung, wenn sie seine Geschichte hören. «Die haben aber keine Ahnung, was es wirklich bedeutet, die Freiheit zu verlieren und zu realisieren, was man alles kaputtgemacht hat.»

Manchmal spürt er das Kribbeln noch

Als Jeger im März 2010 mit seinen Habseligkeiten aus dem «Thorberg» tritt, passiert dasselbe wie damals, als er aus dem Heim entlassen wurde. Er ist überfordert. Doch diesmal reagiert er anders. Er sucht einen Job. Findet nach etlichen Versuchen – und einem kreativ formulierten Lebenslauf – Arbeit in einer Schreinerei.

Der Chef weiss nichts von der Gefängniszeit. Erst als Jeger ihn zu sich nach Hause zum Abendessen einlädt, plappert seine angesäuselte Mutter das Geheimnis aus. Zu seiner grossen Erleichterung zuckt der Chef nur mit den Schultern. «Er hat gesagt, ich arbeite gut und wir hätten ein tolles Arbeitsklima. Jeder habe eine zweite Chance verdient.» Sechseinhalb Jahre ist Jeger nun schon dort angestellt.

Seine Schulden aus der Gefängniszeit konnte er bis heute nicht ganz abzahlen, sein Lohn wird gepfändet. Manchmal, wenn er einen Geldtransporter vorbeifahren sieht, spürt er wieder ein Kribbeln: «Nur zwei Minuten», denkt er dann. «Ein letzter Überfall. Und ich hätte alle Schulden abbezahlt.» Aber gleichzeitig weiss er, dass er das nie machen würde. Zu viel hat er in sein Leben investiert.

Sobald die Schulden getilgt sind, sagt Jeger, könne er endlich in die Zukunft schauen. Selbständig werden. Vielleicht eine Familie gründen.

Und sein Projekt starten. Er hat mit Filmemachern gesprochen, um einen Präventionsfilm zu drehen. Für die Besuche in Kinderheimen will er mit einem Hilfswerk zusammenspannen. «Ich weiss nicht, ob so was bei mir damals gewirkt hätte», sagt er selbstkritisch. «Ich war in einem ganz komischen Film. Aber wenn ich nur einen von zehn zum Nachdenken darüber bringe, was Kriminalität wirklich bedeutet, dann ist das schon was.»

* Name geändert

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2 Kommentare

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rotezora
p.s. Dieser Kommentar liest sich ja wirklich, als würde da eine Mutter, in endlosen Monologen, der Kesb und gleich auch noch dem Lehrer, erklären wollen, was ADHS ist. Die Wahrheit ist: Die Lehrperson (im heutigen Fall, in der Kesb-Ära) hatte mit der Mutter nie Probleme. Die Mutter respektierte den Stil des Lehrers ohne wenn und aber, und signalisierte stets, dass Sanktionen völlig in Ordnung seien, wenn ihr Sohn gegen Regeln verstösst. Dass die Kesb da eine Heimplatzierung verfügte, klingt in der Tat wenig glaubwürdig. Nicht der Lehrer, nicht der Vater, nicht der Bub selber....... Wer dann? Wer sonst kann wollen, dass die Kesb einen Fall eröffnet? Erraten: Man merkte, als es schon zu spät war, dass man an eine schlechte Sozialarbeiterin geraten war. Die sich ihrer Macht nicht bewusst war. So, wie es der Psychiater im obenstehenden Artikel getan hatte, (fatale Diagnose stellen, ohne mit dem Betroffenen je gesprochen zu haben), schickte sie der Kesb sozusagen ihre eigene Diagnose der Familie. Welche sie nie kennen gelernt hatte. Vielleicht wird man so, wenn einem das Fachmannsein/ Fachfrausein in den Kopf steigt.
rotezora
ADHS ist eine Veranlagung. Das hat nichts mit Versagen der Mutter zu tun. Schlimm, dass Kevin J. die Zeit von 7-jährig bis 19-jährig so isoliert von der Aussenwelt (und ohne das freie Entscheiden üben zu können) leben musste. Auch wenn die Sozialpädagogen im Heim es sicher gut meinten. Und erstaunlich, dass man sich heute traut, einen lebhaften Jungen, ähnlich einem Kevin J., per Zwangsmassnahme seiner Mutter wegzunehmen. Weil er angeblich ein zu isoliertes Leben habe bei der Mutter. Ausgerechnet bei einer Mutter, die ihm in Schule und Bekanntenkreis Freundschaften mit Gleichaltrigen von Herzen gönnt und aktiv ermöglicht. Es mag psychotische Mütter geben, es mag vereinzelt auch Mütter geben, die ihr Hirn einer Sekte abgegeben haben. Aber ich staune, dass heute die Kesb einer Mutter mit intaktem Umfeld den Pfui-Stempel aufdrücken kann. Weil irgendjemand von der Kesb vermutet, dass sie eine zu enge Bindung zum Kind pflege und das ADHS-typische Verhalten des Sohns in der Schule natürlich Folge der müttelichen Unzulänglichkeit sei. Auch wenn alle aus dem Umfeld, inklusive Kindsvater, der These von der zu starken Bindung widersprechen. Und der Arzt gar nichts sagen darf, da man entweder derart auf die mutmassliche Schuld der Mutter fixiert ist, dass ADHS schlicht nicht vorkommt in den "Akten", oder man es trotz Instistieren von ärztlicher Seite bei der Kesb angeblich einfach besser weiss. Ich möchte Kevin J. beglückwünschen zu seiner heutigen Einstellung. Dass er trotz allem, und trotz den damals langjährigen und wirklich happigen Heimaufenthalten, nach vorne schaut, rechne ich Kevin J. hoch an!