Beobachter: Ab den fünfziger Jahren wurden Hunderttausende Saisonniers als billige Arbeitskräfte in die Schweiz geholt. Wie wurden Sie auf das Schicksal ihrer Kinder aufmerksam?
Bea Costa
Vor einem Jahr las ich im Beobachter davon Gastarbeiter-Kinder in der Schweiz Verboten, versteckt und abgeschoben . Ich war schockiert, wie wenig ich wusste. Dabei bin ich selber halbe Seconda, meine Familie stammt aus Sizilien.


Weshalb wurde das Thema kaum aufgearbeitet?
Scham- und Schuldgefühle spielen eine grosse Rolle. Gastarbeiter kamen freiwillig in die Schweiz, waren aber auf Geld angewiesen. Also entschieden sie sich gegen ein normales Familienleben. Kinder wurden versteckt, bei Verwandten oder in Kinderheimen zurückgelassen. Sich damit zu befassen, reisst alte Wunden auf. Die Schweiz schweigt, weil sie wirtschaftliche Interessen über die Rechte der Migranten setzte.


Was wollen Sie untersuchen?
Ich möchte wissen, welchen Einfluss das Verstecktsein über die gesamte Lebensspanne hinweg auf die psychische Gesundheit genommen hat. Dazu interviewe ich Betroffene. Die Studie soll einen Beitrag zur Aufarbeitung leisten und eine gesellschaftliche Diskussion anstossen.


Ähnliche Studien gibt es kaum.
Auch meine hatte es schwer. Die Uni Zürich zeigte Interesse, bedauerte jedoch, dass aktuell kein Geld vorhanden sei. Ich versuchte es ein zweites Mal und schlug vor, das Geld selber aufzutreiben. Das funktionierte: Seither werde ich vom Psychologischen Institut unterstützt und beraten.

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Woher kommt das Geld?
Von den meisten Gewerkschaften und Stiftungen erhielt ich Absagen. Also erstellte ich ein Crowdfunding auf Wemakeit.ch. Die Hälfte des Geldes kam schon zusammen, noch bis zum 19. Dezember wird gesammelt. Ich hoffe, dass es klappt. Die Studie mache ich aber so oder so – das Thema liegt mir am Herzen.

 

Zur Person

Bea Costa

Psychotherapeutin Bea Costa, 46, will wissen, wie es um die Psyche der damals versteckten Gastarbeiterkinder steht.

Quelle: private Aufnahme
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Jasmine Helbling, Redaktorin

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