Eigentlich war die ärztliche Diagnose klar: Susan Minder aus Rheinfelden AG brauchte ein neues Hüftgelenk. Der ­Operationstermin an der spezialisierten Merian-Iselin-Klinik in Basel wurde auf Frühjahr 2016 festgesetzt.

Zugleich wird Minder mitgeteilt, dass die jährlich neu ausgehandelten Zusatzverträge für halbprivat und privat Versicherte mit der Krankenkasse KPT noch nicht unterzeichnet seien. Minder, seit 43 Jahren halbprivat bei der KPT, geht von einer Formalität aus. Doch die KPT und die Klinik werden sich für 2016 nicht einig. Laut KPT, weil die Tarifforderungen der Klinik «massiv zu hoch» waren. Diese verneint; mit allen anderen Kassen habe man Verträge abgeschlossen. Die KPT ist bekannt dafür, die Prämien im Wettbewerb knapp zu kalkulieren. Sie verfügt über relativ wenig Reserven und tritt auf die Kostenbremse.

Für Minder beginnt ein belastender Hickhack mit der Krankenkasse: Sie solle sich doch an einem anderen Spital operieren lassen, einen anderen Chirurgen suchen oder die Abteilung «allgemein» wählen, wo ein Vertrag bestehe.

Der Ärger über die KTP bleibt

Die grösste Zumutung: Die KPT empfiehlt unter anderem ein Sterbehospiz als Alternative. Auf Nachfrage des Beobachters entschuldigt sich die KPT für diesen üblen Fauxpas. Minder direkt hat nichts ­dergleichen gehört.

Minder lässt sich wie geplant an der ­Merian-Iselin-Klinik operieren und zahlt rund 10000 Franken aus eigener Tasche. Der Eingriff verläuft gut, ihre Schmerzen ist sie los. Nicht aber den Ärger über die KPT: «Früher waren die Krankenkassen für uns Patienten da, heute sind wir nur noch als Prämienzahler gefragt», sagt Minder.

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Auf den 1. September hat die KPT mit der Merian-Iselin-Klinik einen neuen Tarif­vertrag abgeschlossen. Minder und den anderen KPT-Patienten aus der vertragslosen Zeit hilft das nichts; sie bleiben auf den Zusatzkosten sitzen.