«Ich habe Angst vor einem Bedeutungsverlust»
Ob Corona-Sorgen, der Stadt-Land-Graben oder Männer, die immer rechter werden – Michael Hermann hat für alles eine Erklärung. Was macht ihn so erfolgreich, und warum googeln viele «Zahnspange» und seinen Namen?

Veröffentlicht am 28. Juli 2026 - 05:00 Uhr

«Ich merkte früh, wie vergänglich das Leben ist», sagt Michael Hermann.
Michael Hermann ist schnell gelangweilt. Auch an diesem Donnerstagabend Ende April. Es entstehen kaum Kontroversen im Saal des Naturama in Aarau, das Publikum nickt meist zustimmend. Der «flotte Denker», wie die NZZ einmal titelte, wacht nur kurz auf, als er in der ersten Reihe Marianne Binder erkennt, die Aargauer Ständerätin. Verschwörerisch zwinkert Hermann ihr zu: «Hoi Marianne.» Selbstverständlich ist er mit ihr per Du.
Hermann hat auf Einladung der Caritas gerade erklärt, wie sich die Schweizer Migrationsdebatte in den letzten 60 Jahren erstaunlich wenig verändert hat – von der Schwarzenbach- bis zur 10-Millionen-Schweiz-Initiative. Bei der anschliessenden Podiumsdiskussion – neben einer Professorin, die mit Fachbegriffen langweilt, und einem Regierungsrat, der nur Floskeln von sich gibt – wirkt der Politgeograf fast wie ein Popstar.