In der US-Fernsehserie «CSI: Vegas» sieht Spurensicherung ganz einfach aus: Zack, ein Knochen eingescannt, zack, eine Faser dem passenden Kleidungsstück zugeordnet – und schon ist der Täter dank Hightech-Einsatz überführt. In der realen Welt läuft die Spurensicherung allerdings ganz anders ab.

«All diese Computerprogramme für das CSI-Team sind Bildschirmanimationen, nur fürs Fernsehen gemacht. In Wirklichkeit gibt es so etwas gar nicht – leider», sagt Expolizist Thomas Stadelmann. Der studierte Forensiker, 37, arbeitete vier Jahre im kriminaltechnischen Dienst der Kantonspolizei Schwyz. Er hat die oft mühsame und langwierige Arbeit der Spuren­sicherung von der Pike auf gelernt.

Die Täter denken bloss an ihre Finger

Die häufigsten Spuren an einem Tatort sind Schuhabdrücke. Viele Täter tragen Handschuhe oder wischen Türklinken und andere Berührungsstellen ab, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen. Die Schuhe vergessen sie meist.

Stadelmann musste als Spuren­sicherer dicke Ordner wälzen und Hunderte von Seiten durchblättern, um eine frisch gesicherte Spur einem Schuhmodell zuordnen und mit Aufnahmen anderer Tatorte abgleichen zu können. «Mühsame Routinearbeit, aber wichtig, um Täter zu überführen», sagt er. Der Austausch mit anderen Polizeikorps erfolgte oft telefonisch, Täter bleiben schliesslich nicht nur in einem Kanton. Eine schweizweite Datenbank von Schuhabdrücken gibt es bis heute nicht.

«In TV-Krimis sieht man stets Programme für die Spurensicherung – die gibt es aber leider nicht.»

Thomas Stadelmann, Forensiker

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Damals, vor sechs Jahren, kam Stadelmann die Idee, diese ganze Routinearbeit zu professionalisieren. Er versuchte, mehrere kantonale Polizeistellen zu vernetzen, um einen effizienten Bildabgleich möglich zu machen. Das Echo war so positiv, dass er seine eigene Firma gründete. Zusammen mit der Uni Basel und der Hochschule Luzern entwickelte er eine intelligente Software namens Fast (Find and Share Tracks), die Schuhspurenbilder automatisiert einem Schuhmodell zuordnen kann. Diese «CSI-App» ermöglicht auch den unkomplizierten kantonsübergreifenden Austausch.

Eine Weiterentwicklung der Software setzt nun auch auf den Dialog zwischen Nutzer und Computer: Ein Mensch kann, anders als ein Rechner, auch eine verunreinigte Spur oder Fragmente eines Profils erkennen. Die Ermittler müssen Merkmale wie Zickzacklinien oder ­abgetragenes Schuhwerk separat eingeben, und das System findet mit diesen zusätzlichen Informationen das gesuchte Profil.

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«Unser System hat viele Vorteile: Es spart Geld und Zeit, erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Polizeistellen und bietet eine zentrale Referenzdatenbank mit mehreren tausend Schuhmodellen», sagt Stadelmann.

Eine schrittweise Einführung bei den Kantonspolizeien sei ab Anfang 2017 geplant: «Wir arbeiten noch an Details, etwa an der sicheren Vernetzung. Aber das ist alles lösbar.»

«Ein automatischer Abgleich der Schuhspuren würde uns die Arbeit sehr erleichtern.»

Gian Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen

«Das würde es uns sehr erleichtern»

Das Kompetenzzentrum Kriminaltechnik der Kantonspolizei St. Gallen ist ein gewichtiger Interessent: «Ein automatischer Abgleich der Tatortschuhspuren, auch über die Kantonsgrenze hinaus, würde unsere Arbeit sehr erleichtern», sagt Sprecher Gian Rezzoli. St. Gallen ist mit seinen forensischen Dienstleistungen führender Anbieter in der Schweiz – man nennt sich auf der Homepage denn auch «‹CSI› von St. Gallen».

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Mit seiner Erfindung schliesst Thomas Stadelmann eine Lücke. Seine App bringt vielleicht zukünftig schnellere Fahndungserfolge – zack, zack, fast wie in Las Vegas.