Rudolf Blatter lebt in einem hübschen Gefängnis. In einem Quartier mit getrimmten Gärten und Häusern, die einander wie Zwillinge gleichen. Bei klarem Wetter sieht er die Bergspitzen, die er früher erklomm. Dann lässt er den Blick über die Gipfel wandern, weil sein Körper das nicht mehr kann. Meist liegt er drinnen und sehnt sich nach draussen. Zurück in den Klettergurt, auf den Velosattel, in die Laufschuhe. Zu all den Hobbys, die seine Krankheit verjagt hat. Aus seinem Leben, so klein, dass es nun in vier Wände passt.

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Der 53-jährige Berner ist hundemüde. Selbst morgens, wenn er die Augen aufschlägt. Seine Müdigkeit ist nicht mit der von Gesunden vergleichbar. Sie lähmt den Körper, betäubt den Kopf und schwächt die Muskeln. Oft fröstelt Blatter, fühlt sich benommen, krank. Am schlimmsten ist sein Hals. «Früher war ich zuverlässig und organisiert. Heute gehe ich irgendwohin und weiss plötzlich nicht mehr, was ich da wollte», flüstert er mit belegter Stimme. Sie will nicht passen, zum Mann mit den breiten Schultern. Seit fast zehn Jahren leidet Rudolf Blatter am Chronic Fatigue Syndrome (CFS).