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DiabetesHaben Sie «den Zucker» im Griff?

Vorbeugen ist besser – denn heilen kann man die «Zuckerkrankheit» nicht.
Vorbeugen ist besser – denn heilen kann man die «Zuckerkrankheit» nicht. Bild: 123RF; ratmaner, Poland

Je früher man Probleme mit dem Zuckerstoffwechsel erkennt, umso kleiner ist das Risiko, später Diabetes zu bekommen.

von Andreas Groteaktualisiert am 2017 M10 16

Eigentlich eine gute Nachricht: Die gefürchteten Folgen von Diabetes wie Augenerkrankungen, Nieren- und Nervenschäden, Amputationen oder Herzinfarkte sind in den letzten 20 Jahren stark zurückgegangen. Das zeigen Untersuchungen aus Deutschland und den USA. Ermöglicht haben das moderne Therapien. Und dass immer früher damit begonnen wird, Entgleisungen im Zuckerstoffwechsel zu behandeln und zu überwachen.

Die weniger gute Nachricht: Die Zahl der Typ 2 Diabetiker in der Schweiz hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Bereits jeder Zwanzigste hat einen Diabetes, fast jeder Zehnte leidet an einer Vorform, ­einem sogenannten Prä-Diabetes.

Dramatisch dabei: Die Hälfte der Erkrankten weiss nichts davon, weil sie nicht zum Arzt geht. Häufig wird der Diabetes Typ 2 erst erkannt, wenn Patienten mit Herzinfarkt oder Nierenversagen als Folgeerkrankung ins Spital kommen.

Die Betroffenen merken selbst häufig gar nichts, denn Diabetes macht lange Zeit keine Probleme. Im Schnitt dauert es sieben Jahre, bis er entdeckt wird. Der erhöhte Zuckerspiegel im Blut greift aber die Adern und Nerven an – zwar nur langsam, dafür aber irreparabel.

«Typ 2 Diabetes liesse sich meist vorbeugen»

Ursache für die Zuckererkrankung ist in den allermeisten Fällen der Lebensstil: Über­gewicht und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko einer Erkrankung. Mit neuen Therapien lassen sich zwar Folgeerkrankungen hinauszögern oder gar verhindern. Heilen können sie den Diabetes jedoch nicht. Spritzen und Tabletten belasten die Patienten, haben teils gefährliche Nebenwirkungen und sind nicht ganz günstig. Der Vorsorge kommt daher eine riesige Bedeutung zu. Präventivmediziner sind sich sicher: Den meisten Typ 2 Diabetesfällen liesse sich vorbeugen.

Diabetes Typ 2: Das sind die Risikofaktoren

  • Übergewicht
    85 Prozent aller Diabetiker sind übergewichtig. Ihre Körperzellen reagieren mit der Zeit immer weniger gut auf das körpereigene Insulin. Die Folge: Der Blutzuckerspiegel ist ständig erhöht.
  • Alter
    Der Stoffwechsel arbeitet mit dem Älterwerden immer weniger gut. Schon ab 45 Jahren steigt daher auch das Risiko für Diabetes.
  • Diabetes in der Familie
    Wenn Vater, Mutter, Geschwister oder das eigene Kind Diabetes hat, ist das Risiko, selber Diabetes zu bekommen oder zu haben, erhöht.
  • Raucher
    Rauchen reduziert die Wirkung des Insulins. Dadurch bleibt zu viel Zucker im Blut. Wer täglich zwei Päckchen Zigaretten raucht, verdoppelt schon nach nur zwei Jahren sein persönliches Risiko für einen Prä-Diabetes.
  • Hoher Blutdruck und Cholesterin
    Häufig sind sie Folgeerscheinungen von Über­gewicht und zu wenig Bewegung und dadurch ein Warnsignal für drohenden Diabetes.
  • Schwangerschaftsdiabetes
    Wer Schwangerschaftsdiabetes hatte oder wessen Kind bei der Geburt mehr als 4000 Gramm wog, hat ein erhöhtes Risiko, Diabetes zu entwickeln.
  • Partner mit Diabetes
    Viele Paare gleichen ihre Gewohnheiten an. Wenn der eine Diabetes hat, weil er ungesund isst, sich zu wenig bewegt, raucht und trinkt, lebt oft auch der andere ungesund und hat ein höheres Risiko für Diabetes.
  • Wenn ein oder mehrere Risikofaktoren auf Sie zutreffen...
    ... sollten Sie beim Hausarzt Ihren Zuckerstatus überprüfen lassen. Zeit ist ein wichtiger Faktor: Je früher eine Zuckerstoffwechsel-Störung erkannt wird, umso einfacher ist sie zu therapieren und umso besser sind die Aussichten.

Diabetes Typ 2: So senken Sie Ihr Risiko

  • Wer ein erhöhtes Diabetesrisiko oder einen Prä-Diabetes hat, sollte den Alltag umstellen: Mehr Bewegung, gesündere Ernährung und gesünderer Lebensstil reduzieren das Risiko um fast 80 Prozent. Studien zeigen, dass damit jeder zweite Prä-Diabetiker wieder einen normalen Zuckerstoffwechsel erlangt. Nicht oder nur ungenügend behandelt, führt er bei jedem zweiten nach drei Jahren zu Diabetes.
    Das Wichtigste ist viel Bewegung. Minimum ist 30 Minuten zügiges Gehen am Tag oder fünf Minuten Bewegung, durch die man ins Schwitzen kommt. Motivierend: Aktivitätssensoren, die die Bewegung messen.
  • Essen Sie ausgewogen und abwechslungsreich, mehrheitlich pflanzlich und auf Basis wenig verarbeiteter Lebensmittel. Ideal ist die Mittelmeerdiät: nicht täglich rotes Fleisch, dafür Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte, Olivenöl als Hauptfettquelle, ab und zu Fisch und Geflügel. Alkohol nur moderat.
  • Essen Sie mehr Ballaststoffe (Vollkorn­produkte); diese erhöhen den Zuckerspiegel im Blut nur langsam.
  • Rauchen Sie nicht.
  • Verzichten Sie auf gezuckerte Softdrinks. Schon ein bis zwei davon pro Tag erhöhen das Diabetesrisiko beträchtlich.
  • Rutschen Sie nicht ins Übergewicht – oder versuchen Sie, dieses zu reduzieren. Jedes Kilo weniger wirkt sich positiv auf die Blutwerte aus.
  • Nach einer Schwangerschaftsdiabetes: Lassen Sie Ihren Zuckerstatus regelmässig beim Arzt messen. Und stillen Sie wenn möglich. Das halbiert das Diabetesrisiko.
  • Ab 45 sollten Sie regelmässig (je nach Risikofaktoren alle ein bis drei Jahre) den Blutzucker kontrollieren lassen.
  • Verzichten Sie auf Supplemente, die Diabetes vorbeugen oder bessern sollen. Ihr Nutzen tendiert «gegen null», hohe Dosen sind gar riskant, hat die Technische Universität München nachgewiesen.
  • Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung allein hinbekommen, nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch.

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Weitere Informationen

Schweizerische Diabetesgesellschaft Schweiz: www.diabetesschweiz.ch

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