Ein Stau im Karpaltunnel ist häufig. Der Durchgang im Handgelenk macht rund einer halben Million Personen in der Schweiz zuweilen Beschwerden – überwiegend Frauen. Denn in diesem Engpass verlaufen Sehnen und der Mittelhandnerv stramm zwischen den Mittelhandknochen und dem steifen Karpalband (siehe Grafik weiter unten).

Bei Betroffenen wird der Nerv gequetscht, die Finger fangen an zu kribbeln. Ohne Therapie nimmt der Nerv immer mehr Schaden, und die Finger werden allmählich gefühlloser und steifer. Im Extremfall hilft nur die Operation, bei der das Karpalband durchtrennt und dem Nerv wieder Raum verschafft wird.

«Letztlich schützt diese Engstelle den Körper vor Überlastung», sagt die Ergotherapeutin Monika Conus von der Praxengemeinschaft Wirbelteam in Solothurn. Der Körper produziere aus Selbstschutz Schmerzen, damit der Mensch sich schone.

Wo es in der Hand kribbelt

Karpaltunnelsyndrom: Kribbeln in der Hand
Quelle: Alexandra Del Prete
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Die Verengung des Karpaltunnels kann viele Ursachen haben. «Oft ist es eine ungewohnte und zu intensiv durchgeführte Tätigkeit, etwa Heckenschneiden, Holzhacken oder eine lange Velotour», sagt Conus. Die ganze Hand wird dabei zu stark und zu lange gefordert. Das kann die Sehnenscheiden reizen und anschwellen lassen, so dass es im Tunnel immer enger wird.

«Aber auch jahrelange Arbeit mit den Händen kann ein Auslöser sein – oder eine Vorbelastung durch einen Sturz auf Schulter, Ellbogen oder Hände», sagt Monika Conus. Bei einem Bruch des Handgelenks, bei Rheuma oder Arthrose können sich die Handwurzelknochen verändern und erhöhen dann den Druck auf den Kanal. Aber auch verspannte Muskeln, nicht richtig ausgerichtete Ellbogen- und Handgelenke oder etwas verdrehte Rücken- oder Halswirbel können die Ursache sein.

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Schienen und Spritzen

Gegen das lästige Kribbeln bekommt man dann meist eine Manschette für das Handgelenk verschrieben. Sie soll vor allem nachts das unkontrollierbare Abknicken der Hand verhindern. Bei stärkeren Beschwerden kann zusätzlich Kortison in den Karpaltunnel gespritzt werden, es wirkt abschwellend.

«Diese Massnahmen helfen zwar, aber die Ursache ist dadurch nicht behoben», sagt Monika Conus. Wichtig sei, dass sich Fachleute den gesamten Menschen anschauen, um zu entscheiden, welche therapeutischen Techniken und Dehnübungen helfen und mit welchen Übungen er zu Hause selbst mithelfen kann. Auf ärztliche Verordnung bezahlt die Grundversicherung die Therapie bei Ergo- und Physiotherapeuten.

Wichtig sei aber, Betroffene zum Nachdenken darüber zu bringen, was sie im Alltag anders machen können, um den Nerv nicht zu reizen: Pausen, eine andere Technik, die Hand wechseln, ein anderes Gerät verwenden oder zwischendurch Entlastungsübungen.

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Karpaltunnelsyndrom vorbeugen: So schonen Sie den Mittelhandnerv

  • Setzen Sie sich nicht unter Druck, überlasten Sie den Körper nicht.
     
  • Längere monotone Tätigkeiten wie Gemüseschneiden, Stricken, Holzhacken, Rechen im Garten, Heckenschneiden oder Videospiele nach spätestens 30 Minuten unterbrechen und Pause machen, die Hand dehnen und schütteln.
     
  • Schwere Sachen nicht mit nur einer Hand heben.
     
  • Bei belastenden Arbeiten und eventuell nachts Handgelenkschoner tragen – für eine neutrale Position des Gelenks.
     
  • Stuhl und Tisch richtig einstellen, damit die Unterarme ganz auf der Tischplatte und die Handballen entspannt aufliegen.
     
  • Am Velo die Höhe des Sattels und des Lenkers so einstellen, dass man etwas gerader sitzt und nicht das gesamte Gewicht auf den Handgelenken lastet; ergonomische Lenkergriffe mit grosser Ballenauflage montieren.
     
  • Handy nicht ständig einhändig mit dem Daumen bedienen.
     
  • Medikamente darauf prüfen, ob sie zu Wassereinlagerungen führen oder Nerven reizen.
     
  • Sportarten wie Tennis, Golf, Rudern, Boxen, Krafttraining oder exzessives Velofahren belasten das Handgelenk.
     
  • Bei Schwangerschaft abklären lassen, ob entwässernde Tabletten helfen.
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Übung gegen das Karpaltunnelsyndrom: So dehnen Sie das Handgelenk

Die Nerven für die Hände laufen auf der Innenseite des Arms. Daher soll diese Innenseite gedehnt werden.

Dehnübung gegen das Karpaltunnelsyndrom: Ellbogen durchstrecken

Handflächen auf den Tisch legen, Fingerspitzen gegen den Körper gerichtet. Finger möglichst weit gespreizt, Ellbogen ganz durchstrecken.

Quelle: Alexandra Del Prete
Dehnübung gegen das Karpaltunnelsyndrom: Hand auf Tisch drücken

Konstanter Druck, 20 bis 30 Sekunden so bleiben, auch wenn es kribbelt in den Fingern.

Quelle: Alexandra Del Prete
Dehnübung gegen das Karpaltunnelsyndrom: Oberkörper zurücklehnen

Zur Verstärkung jetzt noch den Oberkörper etwas zurücklehnen. 10 Sekunden so bleiben.

Quelle: Alexandra Del Prete
Dehnübung gegen das Karpaltunnelsyndrom: Arme ausschütteln

Alles lösen, Arme ausschütteln.

Quelle: Alexandra Del Prete
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