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KrebsvorsorgeWenn Liebe gefährlich wird

Das Humane Papillomavirus kann Gebärmutterhalskrebs verursachen. Gegen die sexuell übertragbare Viruserkrankung lassen sich immer mehr junge Frauen impfen.

Frühe Vorsorge: Das Bundesamt für Gesundheit und die Eidgenössische Kommission für Impffragen empfehlen eine generelle Impfung für alle Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren.
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Humanes Papillomavirus? Noch nie gehört. So geht es vielen. Das Virus ist kaum bekannt, obschon sehr verbreitet – und gefährlich. Infektionen mit dem HP-Virus, die zu den sexuell übertragbaren Viruserkrankungen gehören, können Gebärmutterhalskrebs auslösen. In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 250 Frauen an dieser Krebsart. Etwa 90 sterben daran.

Nicht alle diese Viren, die meist durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, sind gleich gefährlich. Je nach Virenart lösen HP-Viren unterschiedliche Erkrankungen aus. Die meisten Infektionen lösen keine Beschwerden aus und werden deshalb auch nicht erkannt.

Durch einige Niedrigrisiko-Virentypen entstehen Warzen (Feigwarzen oder Kondylome) im Genitalbereich. Genitalwarzen sind Geschwülste, die an den äusseren Geschlechtsorganen (Vulva, Penis), im oder um den Scheiden- oder Aftereingang, in der Harnröhre, am Gebärmutterhals oder an den Oberschenkeln erscheinen. Sie können gewölbt oder flach, klein oder gross sein, und sie können einzeln oder zu mehreren auftreten. Feigwarzen heilen in vielen Fällen ohne Behandlung ab. Weil sie sich schnell ausbreiten, ist es aber wichtig, diese regelmässig kontrollieren zu lassen. Wichtig ist es auch, dass sich alle Sexualpartner behandeln lassen.

Weniger harmlos sind die HP-Viren der «Hochrisikogruppe»: Diese stehen im Verdacht, an der Entstehung von bösartigen Erkrankungen beteiligt zu sein. Bewiesen ist der Zusammenhang einer Infektion mit bestimmten HP-Viren und Gebärmutterhalskrebs. Wie es zu einer bösartigen Entartung infolge einer HPV-Infektion kommt, ist allerdings nicht vollständig geklärt. Bei den meisten Betroffenen bleibt die Infektion vorerst unbemerkt, verschwindet wieder oder bleibt im Körper, jedoch ohne grossen Schaden anzurichten.

Bei jeder fünften Frau hingegen, die mit einem Hochrisikotyp des Virus infiziert ist, entwickelt sich eine Krebsvorstufe oder Krebs. In der Schweiz werden jährlich 5000 Krebsvorstufen diagnostiziert. Bei Frauen unter 50 ist Gebärmutterhalskrebs nach Brust-, Darm- und Gebärmutterkrebs die vierthäufigste Krebsart.

Eine Infektion mit dem Virus wird meist anhand von Hautveränderungen festgestellt. Manchmal sind diese nur sehr geringfügig und mit blossem Auge nicht wahrnehmbar. Doch mit Hilfe eines Essigsäuretests lassen sich auch unauffällige Hauterscheinungen sichtbar machen. Um bösartige Veränderungen auszuschliessen, wird zusätzlich eine Gewebeprobe entnommen. Später lassen sich die Viren nur mehr bedingt nachweisen: Ein bis zwei Jahre nach der Infektion sind die Viren bei der Mehrheit der infizierten Frauen nicht mehr belegbar. Studien zeigen, dass 64 bis 70 Prozent der männlichen Beziehungspartner von Frauen mit einer HPV-Erkrankung ihrerseits von denselben Viren verursachte kleinste Verletzungen am Penis aufweisen. Verletzungen, die oftmals nicht erkannt werden. Bei Männern verursacht HPV jedoch selten ernsthafte Gesundheitsprobleme, insbesondere bei jenen, die über ein gesundes Immunsystem verfügen.

Impfempfehlung

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfiehlt die Impfung Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren als Basisimpfung, jungen Frauen bis 19 Jahre als Nachholimpfung. Frauen zwischen 20 und 26 Jahren können, je nach individueller Beurteilung des Arztes, sich ebenfalls impfen lassen. Deshalb wird sie für diese Altersgruppe als ergänzende Impfung empfohlen.

Jungen und jungen Männer von 11 bis 26 Jahren empfiehlt das BAG die Impfung als ergänzende Impfung - idealerweise vor dem 15. Geburtstag.

Am sinnvollsten ist die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Bei Mädchen übernehmen die Krankenkassen die Kosten, wenn die Impfung im Rahmen eines kantonalen Programms stattfindet. Ab 1. Juli 2016 gilt dies auch für Jungen.
Für junge Frauen zwischen 15 und 26 Jahren gilt dies bis Ende 2017 und wird danach neu beurteilt. Die Impfung kann auch ausserhalb eines Impfprogramms erfolgen, jedoch ohne Kostenerstattung.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit

Schutz durch Impfung

Die effektivste Massnahme, um sich vor einer HPV-Infektion zu schützen, wäre Enthaltsamkeit. Denn «Safer Sex» und Kondome reichen bei HP-Viren nicht immer aus. Der Erreger ist hochansteckend und sehr verbreitet. Daher ist es kaum möglich, sich beim Geschlechtsverkehr hundertprozentig vor einer Infektion zu schützen. Das Virus kann mehrere Jahre lang «still» sein, bevor es durch einen Test entdeckt wird. Eine Möglichkeit, sicher festzustellen, wann und von wem man angesteckt worden ist, gibt es nicht.

Behandelt werden kann eine HPV-Infektion auf verschiedene Arten. Der Erfolg hängt vom Schweregrad und vom Stadium der Krankheit ab. In leichten Fällen helfen beispielsweise Salben, das Wachstum der Viren zu hemmen. Die Patientin kann diese Salben selber auftragen. Beim Arzt wird die Erkrankung unter anderem mit hochkonzentrierter Trichloressigsäure oder Lasertherapie behandelt. In schweren Fällen müssen Hautveränderungen operativ entfernt werden. Da es zu einem weiteren Auftreten der HPV-Infektion kommen kann, sind Nachkontrollen nötig.

Die prophylaktische HPV-Impfung mit den Stoffen Gardasil und Cervarix ist seit 2006 beziehungsweise 2010 zugelassen.

Die Impfstoffe wirken vorbeugend. Eine bereits bestehende HPV-Infektion kann demzufolge weder behandelt noch beseitigt werden. Ebenso wenig können die bereits existierenden Folgen einer solchen Infektion, wie etwa Gebärmutterhalskrebs oder dessen Vorstufen, mittels einer Impfung behandelt werden. Unbekannt ist auch, ob später im Leben Auffrischimpfungen nötig sind, um den Fortbestand des Impfschutzes zu gewährleisten. Bisher zeigen Studien, dass der Impfstoff mindestens acht Jahre anhält. Obwohl sich mittlerweile in rund 80 Ländern Millionen von jungen Frauen gegen das Virus haben impfen lassen, ist die Impfung noch nicht ganz etabliert. Umstritten ist sie vor allem, weil noch keine Langzeitdaten bezüglich ihrer Wirksamkeit gegen Krebs vorliegen und die Nebenwirkungen nicht restlos erforscht sind.

Weitere Infos

Bundesamt für Gesundheit: Richtlinien, Empfehlungen, Factsheets; Infos zur Kostenübernahme durch die obligatorische Krankenversicherung: www.bag.admin.ch

Impf-Infoline: Telefon 0844 448 448 (Beratung gratis, Telefongebühren Fernbereich Schweiz)

Veröffentlicht am 22. Oktober 2009