Körperliche Berührungen sind seit Monaten tabu. Viele finden es zwar gar nicht so schlimm, wegen Corona weniger Hände schütteln und Küsschen verteilen zu müssen. Aber je länger die Krise andauert, desto grösser ist die Sehnsucht, zumindest die Liebsten endlich mal wieder risikofrei in den Arm nehmen zu können. So richtig herzhaft drücken. Besonders, wenn die vergangenen Monate belastend waren. 

Natürlich ist es nach wie vor das Sicherste, auf Abstand zu bleiben. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, die Gefahr bei Umarmungen zu reduzieren. In der «New York Times» erklärte Linsey Marr, eine Spezialistin für Aerosole an der Virginia Tech Universität, dass das Infektionsrisiko bei einer kurzen Umarmung überraschend klein sein kann. 

Dafür muss man aber einige Tipps beherzigen: 

  • Das Wichtigste ist: immer eine Maske tragen Schutz vor Coronavirus So verwenden Sie die Hygienemaske richtig .
  • Die Umarmung so kurz wie möglich halten. Je kürzer man sich umarmt, desto kleiner die Ansteckungsgefahr.
  • Draussen umarmen. Umarmungen im Freien sind risikoärmer als in Innenräumen.
  • Niemanden umarmen, der hustet oder andere Symptome aufweist.
  • Versuchen Sie, den Körper oder die Kleidung der anderen Person möglichst nicht mit Ihrem Gesicht oder Ihrer Maske zu berühren.
  • Einige Experten empfehlen, die Luft während der Umarmung anzuhalten. Andere halten das nicht für zwingend – es schade aber nicht, da eine Umarmung in der Regel nur wenige Sekunden dauert.
  • Während der Umarmung nicht sprechen und nicht weinen. Das reduziert die verbreitete Menge an Tröpfen, die das Virus beinhalten könnten.
  • Auch die Position der Köpfe ist wichtig: Beim Umarmen nicht in die gleiche, sondern die entgegengesetzte Richtung über die Schulter der anderen Person schauen. Das reduziert das Risiko, dass man die Tröpfchen einatmet, die durch die Maske entwischt sind.
  • Nach der Umarmung gleich wieder auf 1,5 Meter Abstand gehen und erst dann wieder miteinander reden. Damit senkt man das Risiko, dass man einander ins Gesicht atmet. 
  • Vor und nach der Umarmung die Hände gründlich waschen oder desinfizieren.
  • Kleinere Kinder können Erwachsene etwa bei den Knien oder Hüften umschlingen, während die Erwachsenen sie von oben halten. Auch hier gilt beim Umarmen: Maske tragen und besser nicht auf das Kind herunter, sondern in eine andere Richtung schauen. 
  • Kinder kann man auch von hinten an den Schultern fassen. Dann ist sogar ein Kuss auf den Hinterkopf möglich – aber immer mit Maske.
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Wie soll man umarmen in Zeiten von Corona?

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Gibts Möglichkeiten, sich zu umarmen und das Risiko einer Corona-Infektion trotzdem gering zu halten? Dr. med. Claudia Twerenbold gibt Auskunft.

Quelle: Beobachter Bewegtbild

Den Menschen Optionen geben

Das höre sich nach ziemlich viel Aufwand für eine simple Umarmung an, sagte Epidemiologin Julia Marcus von der Harvard Medical School der «New York Times». Aber da die Pandemie noch eine ganze Weile nicht ausgestanden sei, müsse man den Menschen Optionen geben. «Es ist eine echte Belastung für ältere Menschen, die sich sorgen, dass sie womöglich den Rest ihres Lebens ihre Familie nicht werden berühren können», so Marcus.

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Auch Schweizer Experten finden das sinnvoll: «Natürlich sollten wir uns nicht dauernd umarmen. Aber es gibt spezielle Situationen, in denen wir auf dieses elementare zwischenmenschliche Bedürfnis nicht verzichten sollten. ‹Safer Hugging› finde ich daher akzeptabel und sogar wichtig, denn wir müssen lernen mit dem Coronavirus für noch längere Zeit zu leben», sagt Jan Fehr, Professor am Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich. Da man dazu keine spezifischen Untersuchungen habe, sei es schwierig zu wissen, was genau das Gefährlichste an einer Umarmung ist.

Fehr sagt aber: «Risikoreich ist sicherlich jegliche Handlung, welche Tröpfchen und Aerosole von der einen Person direkt zur anderen bringen kann und zwar auf Schleimhäute oder in Schleimhautnähe des anderen (Mund, Nase, Auge...). Deshalb ist es wichtig das Gesicht abzuwenden, die Hände zu desinfizieren, eine Maske zu tragen, die Umarmung kurz zu halten und möglichst nicht zu sprechen.» 

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Auch für Katharina Summermatter vom Institut für Infektionskrankheiten der Universität Bern gilt: «Insbesondere sollte man darauf achten, dass man gesund ist und ausreichend Wert auf Handhygiene legt.» Sie betont ausserdem, dass man sich möglichst an der frischen Luft umarmen, nicht sprechen und die Zeit der Umarmung kurz halten sollte.

Einen perfekten Schutz bieten die Vorsichtsmassnahmen natürlich nicht. Jede und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Risiko man eingehen will. Und Umarmungen sparsam an diejenigen verteilen, die es wirklich wert sind.

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