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PsychologieSo reagieren Thomas Bucheli & Co. auf Fehler

Vom Meteorologen über den Schiedsrichter bis zum Beichtvater: Elf Personen erzählen, wie sie sich mit Fehlern auseinandersetzen.

Thomas Bucheli, Meteorologe

«Meteorologische Computermodelle liefern uns Informationen, aus denen wir mit unserem Fachwissen Detailprognosen ableiten. Sind die Modelle fehlerhaft, sind auch die Vorhersagen falsch, selbst wenn der Meteorologe alles richtig gemacht hat. Geschieht das an einem gewöhnlichen Donnerstag, ist es meist nicht weiter schlimm – am Pfingstwochenende aber schon.»

(Photo: Gaetan Bally/Keystone)

Deborah Marchetti, Geigerin

«Ich habe vor jedem Konzert eine klare Vision der Musik, die ich spielen werde – doch kleine Abweichungen, etwa bei der Tonerzeugung, dienen mir als Inspiration: Einmal rutschte mir beim Spielen der Bogen näher an den Steg, wodurch die Passage gläserner und kühler klang. Das passte wunderbar in die Stimmung des Stücks, deshalb habe ich das bei den folgenden Auftritten bewusst eingebaut.»

(Photo: privat)

Urs Meier, ehemaliger Schiedsrichter

«Als Schiedsrichter ist es wichtig, sich einzugestehen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Nur dann kann man frei und ohne Ballast weitermachen. Wenn man hingegen versucht, die Sache wieder hinzubiegen, verliert man Glaubwürdigkeit und Respekt. Die Spieler akzeptieren Fehler, solange man ehrlich ist – Kompensationsentscheide hingegen nicht.»

(Photo: Valeriano Di Demonico/EQ Images)

Freddy Nock, Artist

«Ich mache keine gravierenden Fehler auf dem Seil. Ich weiss, dass ich es kann, dafür trainiere ich. Aber ich habe auch schon Aktionen abgebrochen, wenn es zu gefährlich wurde. Manchmal passiert Unvorhergesehenes. Einmal trug ich am Rücken ein Feuerwerk, das mir schwere Verbrennungen zufügte. Löschen konnte ich nicht. Mir war klar: Ich darf die Stange nicht fallen lassen.»

(Photo: Arno Balzarini/Keystone)

Beatrice Tschanz, Kommunikationsberaterin

«Ein wirklicher Fehler kommt sowieso ans Licht. Deshalb sollten Firmen ihre Fehler offen eingestehen, und zwar mit der notwendigen Deutlichkeit. Einen gerade eingeräumten Fehler aus Angst vor Schadenersatzforderungen gleich wieder zu relativieren ist dumm. Denn einen beschädigten Ruf wieder aufzubauen kostet auch viel Geld.»

(Photo: Steffen Schmidt/Keystone)

Charles Cornu, Oberstufenlehrer

«30 Jahre als Oberstufenlehrer haben mich gelassener werden lassen; auch wenn Jugendliche Seich machen. Man begegnet immer wieder mal ehemaligen Schülern, die nun erwachsen sind, und merkt, wie gut die herausgekommen sind – trotz, aber auch wegen Fehlern, die sie gemacht haben. Das Wort Fehler besteht ja aus den gleichen Buchstaben wie ‹Helfer›.»

(Photo: privat)

Pater Alois, Beichtvater

«Sich selbst Fehler einzugestehen ist unangenehm, denn das ist immer mit Scham verbunden. Schwierig ist auch, dass man sich nicht selbst entschuldigen kann – das kann nur der andere, an dem man schuldig geworden ist. Wo dies nicht möglich ist, bietet die Beichte einen Ausweg. Denn Gott kann alles vergeben. Er sanktioniert Fehler nicht.»

(Photo: Doris Fanconi/Tages Anzeiger)

János Buchwardt, Souffleur

«Ich verstehe es als sportive Leistung, den Agierenden ein Stück voraus zu sein, den entsprechenden Halbsatz bereits auf der Zunge zu führen. Mit unmerklichem Wink zeigen Schauspieler mir an, wann ich eingreifen soll. Gelingt die Interaktion, zeugt es von virtuosem Ensemblespiel. Solche Momente wirken sich oft positiv auf den Spannungsbogen einer Inszenierung aus.»

(Photo: Gaetan Bally/Keystone)

Lauro, Schüler

«Einer meiner grösseren Fehler war, dass ich letztes Jahr zu wenig gelernt habe und deswegen von der Schule geflogen bin. Das Gute daran: Jetzt gebe ich mir mehr Mühe, dadurch sind meine Noten nun deutlich besser, als wenn ich die Schule gleich im ersten Anlauf geschafft hätte.»

(Photo: privat)

Rolf Prévôt, Lektor Beobachter

 «Bei unserer Arbeit geht es nicht bloss darum, Rechtschreibfehler aufzuspüren. Wir korrigieren auch stilistische und inhaltliche Unstimmigkeiten und überprüfen die Fakten. Sprache, Form, Inhalt: Alles muss stimmen. Denn Glaubwürdigkeit ist im Journalismus das höchste Gut – und auch das oberste Gebot.»

(Photo: privat)

Thierry Carrel, Herzchirurg

«Wenn bei einer Operation etwas schiefgeht, lautet die erste Frage oft: ‹Wer ist schuld?› Und nicht: ‹Was ist passiert?› Kein Arzt behauptet, unfehlbar zu sein, aber es gilt, zwischen Fehler und Komplikationen zu unterscheiden: Letztere sind manchmal unvermeidbar, Erstere nicht. Umso wichtiger ist es, begangene Fehler transparent zu machen und sie zu verarbeiten. Nur so ist zu verhindern, dass man sie wiederholt – was ja sehr peinlich wäre.»

(Photo: Monika Flueckiger/Keystone)

15 Erfindungen, die nur dank Fehlern gemacht wurden

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Veröffentlicht am 29. April 2015