Mitte März strandete ein Buckelwal im seichten Gewässer an der deutschen Ostseeküste. Innerhalb weniger Tage entwickelte sich um «Timmy», wie der Wal genannt wurde, ein mittelgrosses mediales Drama mit globaler Reichweite. Ich habe den Fall mit meinen Töchtern in den Kindernachrichten im Fernsehen verfolgt. Wir haben fast jeden Tag über Timmy geredet. Dabei musste ich immer wieder die Perspektive meiner Kinder mit meiner eigenen Perspektive als Moralphilosoph abgleichen. Keine leichte Aufgabe.

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Philosophisch betrachtet ist an dem Fall auf den ersten Blick nichts besonders problematisch. Die klassischen Ansätze der Tierethik gehen davon aus, dass Tiere leiden können, und sie fordern, dass wir Tierleid verringern sollen. Bedeutet das aber, dass wir eine moralische Pflicht haben, allen Tieren zu helfen, die sich in Not befinden?