Schnarchen ist ein Volksleiden: Jeder zweite Mann und jede vierte Frau über 40 tut es. Auch Alex Suarez aus Zürich schnarchte, dass die Wände wackel­ten. Wie schätzungsweise 150'000 andere in der Schweiz litt er zudem an Atemaussetzern, dem Schlafapnoe-Syndrom (siehe nachfolgende Info «Wann Schnarcher zum Arzt sollten»). Das war ihm allerdings nicht bewusst. Bis seine Frau ihn eines Nachts plötzlich nicht mehr atmen hörte. Sie geriet in Panik, schüttelte ihn kräftig – glücklicherweise setzte die Atmung wieder ein. Aber der Schock sass tief, bei beiden.

Suarez liess sich im Schlaflabor untersuchen. Mit bis zu 17 Atemaussetzern pro Stunde galt seine Schlafapnoe als leicht bis mittelschwer; sie musste behandelt werden. Doch die Beatmungsmaske, die er tragen sollte, hasste er vom ersten Augenblick an. Er bekam Ausschläge, riss sie sich im Schlaf vom Gesicht. Zudem malte er sich aus, was für ein schrecklicher Anblick er sein musste für seine Frau: ein Ausser­irdischer mit Rüssel, angeschlossen an ­eine Maschine, die geräuschvoll Luft in ihn hineinblies. «Diese Maske den Rest meines Lebens tragen zu müssen, damit wollte ich mich nicht abfinden», sagt der 43-Jährige.

Er suchte nach Alternativen. Als Lehrer für Entspannungstechniken hatte Suarez immer wieder mit Didgeridoo-Spielern zu tun. Dabei fiel ihm auf, dass sich die Halsregion der Musiker stark bewegt beim Blasen des traditionellen australischen Instruments. Suarez hatte einen Geistesblitz: Kann man beim Spielen Muskeln und Bindegewebe in Hals und Rachen trainieren? Denn schliesslich ist eine schlaffe Rachenmuskulatur eine der Hauptursachen des Schnarchens und der Schlafapnoe.

Der erste Selbstversuch war ernüchternd – mit einem herkömmlichen Didgeridoo funktionierte es nicht. Doch Suarez gab nicht auf, versuchte es mit einem leichter zu beherrschenden Instrument aus Plexiglas und einer verbesserten Spieltechnik. Er übte konsequent jeden Tag. «Nach ungefähr einem Monat fühlte ich mich frischer und leistungsfähiger», sagt er. Drei Monate später liess er sich erneut im Schlaf­labor untersuchen: Er schlief tief, hatte keine Atemaussetzer – und galt als geheilt.

Das klingt ein wenig nach Hokuspokus. Aber dass die Therapie hilft, hat auch eine erste kleine Studie der Universität Zürich nachgewiesen: Die oberen Atemwege bleiben mit diesem Training tatsächlich besser offen. Und dass Patienten dies mit einem Instrument erreichen können, sei eine attraktive Option, heisst es in der Erhebung weiter. Die Therapie sei zudem leicht anzuwenden und werde als entspannend empfunden. Ganz im Gegensatz zur Maskenmethode, die oft belastend sei und von vielen nicht akzeptiert werde.

Ob Suarez’ Therapie in Frage kommt, hängt davon ab, wie heftig das Schlaf­apnoe-Syndrom ist. Am besten profitieren Patienten mit leichtem bis mittelschwerem Leiden – das sind 15 bis 30 Atemaussetzer pro Stunde. Allerdings ist Disziplin gefragt: In den ersten zwei Monaten muss man fünf Tage pro Woche 20 bis 30 Minuten auf dem Instrument spielen. Sind Bindegewebe und Muskeln wieder in einem stabileren Zustand, reicht es, zwei- bis viermal im Monat zum Therapie-Instrument zu greifen.

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Auch Suarez spielt regelmässig, und das aus zwei weiteren Gründen. «Mir gefällt der typische Grundton, dieses sonore Brummen.» Es unterscheide sich nicht von jenem des Originalinstruments aus Holz und habe eine ungemein beruhigende Wirkung. Zudem möchte er für seine Frau auch schlafend ein adretter Anblick bleiben – ohne Rüsselmaske.

Welche Therapie sinnvoll ist, hängt davon ab, wo die Ursache des Schnarchens liegt – und wie ausgeprägt das Schlafapnoe-Syndrom (Atemaussetzer) ist.

Eine Überdruckbeatmung mit einer Nasen- oder Gesichtsmaske. Der Luftstrom hält den Atemweg offen, Schnarchen und Aussetzer verschwinden. Die Maske wird jedoch von bis zu 40 Prozent der Betroffe­nen nicht vertragen.

Quelle: Tanja Demarmels

Eine Alternative für schwere Schnarcher. Die Schienen schieben den Unterkiefer und die Zunge leicht nach vorn. Das verhindert einen Kollaps des Atemwegs durch die zurückfallende Zunge.

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Quelle: Tanja Demarmels

Bis zu 80 Prozent der Betroffenen schnarchen mit dem Weichgaumen. Ihnen kann eine Gaumenspange helfen. Sie sorgt dafür, dass der Luftkanal hinter dem Gaumensegel frei bleibt. Ob das «Velumount» auch ein wirksames Mittel gegen Schlafapnoe ist, darüber sind sich Fachleute aber uneins.

Quelle: Tanja Demarmels
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Eine einfache Methode. Im Rucksack befindet sich ein kleiner Ballon. Aufgeblasen verhindert er, dass man auf dem Rücken schläft – in jener Position also, in der viele Menschen schnarchen.

Quelle: Tanja Demarmels

Man kann beispielsweise auf verschiedenen Etagen des Nasen-Rachen-Raums Gewebe reduzieren oder versteifen. Spezialisten raten dazu aber nur, wenn alle anderen Therapien nichts gebracht haben.

Quelle: Tanja Demarmels
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Viele Schlafapnoe-Patienten sind übergewichtig. Abnehmen lindert die Symptome. Was auch hilft: mindestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol mehr trinken, denn der macht die Muskeln schlapp. Schlafmittel übrigens auch.

Quelle: Tanja Demarmels

Schnarchgeräusche entstehen, wenn Bindegewebe und Muskeln der oberen Atemwege – von der Nase bis zum Kehlkopf – im Schlaf in sich zusammenfallen. Das kann den Atemfluss behindern oder vorübergehend stoppen.

Setzt der Atem für mehr als zehn Sekunden aus, spricht man von einer Apnoe, Atem­stillstand. Dabei fällt der Sauerstoffgehalt im Blut ab. Das Gehirn registriert das und aktiviert einen Alarm. Man wird aus der Tiefschlafphase gerissen, der Atem setzt wieder ein. Deshalb kann man an einer Apnoe auch nicht ersticken. In extremen Fällen wiederholt sich dieser Alarm jedoch minütlich.

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«Dadurch wird die Schlafarchitektur gestört, man erholt sich nicht richtig», erklärt Kurt Tschopp, Chefarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Kantonsspitals Liestal BL. Die möglichen Folgen: Müdigkeit während des Tages – unter Umständen mit Sekundenschlaf, was im Strassenverkehr oder an ­Maschinen lebensgefährlich werden kann. Schlafapnoe erhöht zudem das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Hirnschlag.

Schnarchen ist nicht in jedem Fall krankhaft. Zum Hausarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Lungenfacharzt sollte man gehen, wenn man sich tagsüber ständig müde fühlt und nachts Atemaussetzer hat. Am besten fragt man seine Partnerin oder seinen Partner.

In den meisten Fällen stellen sie es fest, wenn der andere nicht mehr atmet – und mit einem Seufzer wieder Luft holt, wenn man ihn schubst oder schüttelt.

www.lung.ch: Lungenliga (mit Schlafapnoe-Risikotest)
www.asate.ch: medizinische Didgeridoo-Therapie
www.velumount.ch: Infos über die Gaumenspange
www.schlafapnoe-selbsthilfe.ch: Schlafapnoe-Selbsthilfegruppen Deutschschweiz
: Adressen von Schlafzentren