Nur schon zum Zuschauen tat es weh. Als der Schweizer Nati-Goalie Yann Sommer Mitte Oktober bei einem Cupspiel nach einem abgefangenen Ball wieder auf dem Rasen landete, knickte sein linker Fuss im 90-Grad-Winkel um. Bald stand fest: Verletzung am Sprunggelenk. Und die Fussballnation bangte: Wird er bis zur WM wieder fit?

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Bei einigen Star-Kickern aus anderen Ländern stellt sich diese Frage schon länger nicht mehr – sie fallen verletzungsbedingt für das Turnier in Katar aus. Das Team der Versehrten gäbe bei intakter Gesundheit an der WM wohl keine schlechte Figur ab. Ihm gehört etwa Portugals Stürmer Diogo Jota an, der sich den Wadenmuskel gerissen hat. Dazu die französische Mittelfeldachse mit N’Golo Kanté (Oberschenkel), Paul Pogba (Meniskus) und Boubacar Kamara (Knie).

Am Knie zwickt es auch Reece James aus England, während seinen uruguayischen Verteidigerkollegen Ronald Araujo die Adduktoren plagen. Nicht mehr die Knochen für ihr Land hinhalten können zwei, weil sie sich selbst welche gebrochen haben: der Niederländer Georginio Wijnaldum (Schienbein) und der Mexikaner Jesus Corona (Wadenbein).

Diese Liste mit prominenten Ausfällen für die aktuelle Weltmeisterschaft ist bei weitem nicht vollständig. Und garantiert ist: Das Havarierten-Team ist das einzige, dessen Kader im Verlauf der Endrunde noch Zuwachs erhalten wird. Denn beim Tempo und bei der Dynamik des heutigen Spitzenfussballs sind Verletzungen an der Tagesordnung, gerade wenn die Spieler Extrembelastungen wie an einer WM ausgesetzt sind.

Am stärksten betroffen sind dabei naturgemäss die unteren Körperextremitäten: in erster Linie die Muskelpartien an den Beinen sowie die Bänder im Kniebereich.

Um sich auf dem grünen Rasen zu verletzen, braucht man jedoch kein Spitzenspieler zu sein – da genügt ein unglücklicher Auftritt an einem Grümpelturnier oder beim Freizeitkick mit Freunden. Das bestätigt die Unfallstatistik. Demnach verletzen sich jedes Jahr rund 45’000 Spielerinnen und Spieler auf Schweizer Fussballplätzen. Das tut nicht nur weh, sondern ist auch teuer.

Laut der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) haben Verletzungen beim Fussball pro Jahr 500’000 Ausfalltage und Kosten von rund 200 Millionen Franken zur Folge. Ärgerlich: Etwa ein Drittel davon wäre durch Fairplay vermeidbar, denn jeder dritte Unfall wird durch ein Foulspiel ausgelöst.

Suva 2019, UDM, Spezialstatistik UVG, Stichprobenergebnisse hochgerechnet, nur obligatorisch unfallversicherte Personen, ohne Kinder, Schüler, Studenten, nicht erwerbstätige Hausfrauen und -männer und Pensionierte

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Quelle: Beobachter
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