Rund 80 bis 90 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Innenräumen. Dabei atmen wir täglich gegen 20'000 Liter Luft ein – eine ganze Menge, die leider oft mit Schadstoffen belastet ist. Meist handelt es sich um flüchtige organische Verbindungen (volatile organic compounds, kurz VOC) wie Formaldehyd, Benzol oder Trichloräthylen, die Möbel oder Wandanstriche ausdünsten. Formaldehyd kann die Augen- und Nasenschleimhäute reizen und zu Kopfschmerzen führen. Benzol ist krebserregend, und Trichloräthylen macht den Atemwegen zu schaffen. Kohlendioxid wiederum kann Kopfschmerzen auslösen.

Trockene Luft belastet Atemwege

Besonders problematisch ist das Raumklima im Winter. Die Luftfeuchtigkeit sinkt oft unter die von Gesundheitsexperten empfohlenen 40 bis 60 Prozent. Lüften löst das Problem allein nicht: Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. Gelangt die kalte Aussenluft in den Innenraum, wo sie erwärmt wird, entzieht sie dem Raum Feuchtigkeit – und die Luftfeuchtigkeit sinkt noch weiter. Zusätzlich fliegen in der trockenen Heizungsluft besonders viele mit Schadstoffen beladene Staubteilchen Allergien Wohnen kann Ihre Gesundheit gefährden herum, die eingeatmet werden und zu körperlichen Beschwerden führen können.

Auch wer in einem Büro mit Klimaanlage arbeitet, hat es oft mit einem ungesunden Raumklima zu tun. Zwar halten die Anlagen Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant. Werden sie aber schlecht gewartet, gelangen die zuvor gefilterten Schadstoffpartikel wieder in die Büroräume.

Wer das Raumklima verbessern will, braucht seine Innenräume nicht mit teurer Gebäudetechnik aufzurüsten. Zimmerpflanzen eignen sich perfekt als Luftbefeuchter: Sie binden über den Ladungsausgleich den mit Schadstoffen belasteten Staub und erhöhen die Luftfeuchtigkeit: Eine Pflanze gibt rund 97 Prozent des aufgenommenen Wassers durch Verdunstung wieder an die Umgebungsluft ab.

Balsam für die Seele

Zimmerpflanzen sind nicht nur natürliche Luftbefeuchter, sondern steigern auch das Wohlbefinden Zimmerpflanzen Blätter, die die Welt bedeuten und die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, wie eine Untersuchung der Landwirtschaftlichen Universität in Oslo belegt: Mitarbeiter in begrünten Büros klagten seltener über Kopfschmerzen, trockene oder gereizte Haut und Husten als Angestellte, die in Räumen ohne Pflanzen arbeiten. Zudem fühlten sich über 80 Prozent der Befragten in Büros mit Pflanzen deutlich weniger gestresst.

Obwohl Zimmerpflanzen von jeher aus ästhetischen Gründen gezüchtet werden, weiss man erst seit wenigen Jahren um ihre positive Wirkung aufs Raumklima. Eine Studie der Technologischen Universität Sydney zeigt, dass viele Pflanzen sogar die Raumluft von Schadstoffen reinigen können. In Experimenten konnte die Belastung ab einer VOC-Konzentration von 100 ppb (parts per billion, Teil einer Milliarde) um bis zu 70 Prozent verringert werden.

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Bei geringeren Belastungen fanden sich kaum Unterschiede zwischen Räumen mit und solchen ohne Pflanzen. Die Wissenschaftler schliessen daraus, dass die VOC-Belastung erst einen gewissen Grenzwert übersteigen muss, um die Pflanzen zum Schadstoffabbau anzuregen. Da der VOC-Wert in geschlossenen Räumen zwischen 200 und 400 ppb liegt, werden Pflanzen in fast allen Räumen aktiv. Die Schadstoffreinigung geschieht jedoch nicht nur über die Blätter, sondern vor allem über die Wurzeln und Mikroorganismen im Boden.

Eine Pflanze pro Mitarbeiter

Wie viele Pflanzen ein Mensch für sein Wohlbefinden benötigt, hat das niederländische Forschungsinstitut TNO untersucht. Die Empfehlung der Experten: mindestens eine mittelgrosse Pflanze pro Mitarbeiter beziehungsweise pro zwölf Quadratmeter.

Eine gute, platzsparende Lösung bietet ein neues Begrünungssystem mit dem Namen Verticalis, das an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelt wurde. Es arbeitet völlig ohne Strom und verfügt über einen integrierten Wasserspeicher, der von Hand aufgefüllt wird.

Neben den positiven Effekten können Pflanzen jedoch auch allergische Reaktionen auslösen. Häufige Probleme bereiten etwa Ficusarten wie die Birkenfeige (Ficus benjamini) und der Gummibaum (Ficus elastica): Sie können Hautreaktionen wie Nesselsucht, Schleimhautschwellungen, Bindehautentzündungen sowie Asthmaanfälle provozieren. Primeln, vor allem die Becherprimel (Primula obconica), sind oft Auslöser von Hautekzemen. Ebenfalls starke Allergene enthalten Tulpen, Inkalilien (Alstroemeria) und Chrysanthemen. Manchmal lauert die Gefahr auch im Blumentopf: Pflanzenerde kann Schimmel ansetzen und bei Allergikern Atembeschwerden auslösen. Empfindliche Personen sollten sich deshalb beraten lassen, bevor sie in Innenräumen ihren grünen Daumen wirken lassen.

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Wie lüfte ich im Sommer?

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Quelle: Beobachter Bewegtbild