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AmtsschimmelDrei Tropfen Hunde-Pipi zu viel

Eine Genferin wird mit 350 Franken gebüsst, weil ihr Hund aufs Trottoir uriniert hat. Die 72-Jährige weigert sich zu zahlen.

Im Kampf vereint: Agnès P. und Manuel Alonso Unica von der «Bewegung für die Verteidigung der Genfer Hundebesitzer»
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Agnès P.* ist immer noch ausser sich. «Ein so kleiner Hund! So klein! Verstehen Sie?», sagt die 72-jährige Genferin mit dem rauen slawischen Akzent. Sie sei aus dem Tram gestiegen, ihren Zwergpudel Michka in der Tasche. Das sei Vorschrift, sonst müsse man für den Hund ein Billett lösen. Ein paar Schritte von der Tramstation Cornavin am Genfer Bahnhof habe sie das Tier aufs Trottoir gesetzt – wo es umgehend das Bein lupfte. «Drei Tropfen! Nicht mehr! Das versichere ich Ihnen!», empört sich Agnès P. Plötzlich habe sie jemanden rufen gehört: «Madame! Madame!»

Es war ein Polizist. In barschem Ton habe er ihre Ausweispapiere verlangt. «Vor allen Leuten! Meine Hände zitterten! Ich schaffte es erst gar nicht, die Identitätskarte aus dem Etui zu klauben, wo ich sie immer aufbewahre.» Sie habe das Gesetz gebrochen, ihr Hund habe öffentlichen Grund verdreckt, belehrte sie der Polizist.

Drei Wochen später erhielt sie eine Abholungseinladung, Absender: die Gendarmerie. «In dieser Nacht konnte ich kaum schlafen», sagt Agnès P. Am Morgen ging sie zur Post und nahm ­eine Busse über 350 Franken in Empfang. «350 Franken für drei Tropfen ­Pipi! Können Sie sich das vorstellen?»

«Der Ort ist ohnehin eine Kloake»

Agnès P. beschliesst, sich zu wehren – und löst eine Welle der Solidarität aus. «Le Matin» berichtet über den Fall. «Diese Busse ist ungerechtfertigt und skandalös», ereifert sich der Anwalt von Agnès P. «Ich glaube kaum, dass drei Tropfen Hunde-Urin viel zur Verschmutzung der Passage beim Bahnhof beitragen. Der Ort ist ohnehin eine halbe Kloake.»

Den «Matin»-Bericht liest auch ­Manuel Alonso Unica. Er ist seit einem Jahr Hundebesitzer und wohnt im ­Paquis-Quartier. «In Genf müssen Hunde immer angeleint sein, ausser in den Hundeparks. Bloss: In unserem Quartier gibt es gar keinen richtigen Park. Wo also soll ich meinen Hund gesetzeskonform Gassi führen?»

Alonso arbeitet beim Bund als ­Spezialist für Wirtschaftskriminalität. «Ich bin ein kämpferischer Typ. Wenn ein Unrecht geschieht, greife ich ein.» Also gründet er die «Bewegung für die Verteidigung der Genfer Hunde­besitzer» und beginnt Unterschriften zu sammeln. Bei Erfolg wird sich das Genfer Parlament mit der Frage befassen müssen, ob Hunde-Urin eine Verschmutzung des öffentlichen Grundes im Sinne des Gesetzes darstellt. «Die Petition ist ein Hit. Wir haben in einem Monat 2000 Unterschriften gesammelt», freut sich Alonso.

«Wie sollen die das aufwischen?»

In anderen Städten herrschen andere Sitten. «Für so etwas büssen wir Hundehalter nicht», sagt Jean-Philippe Pittet von der Lausanner Polizei. «Es ist ja auch schwer vorstellbar, wie denn die Besitzer den Pipi aufwischen sollten.» Auch in Freiburg, Bern, Zürich, Chur und St. Gallen beweisen die Behörden mehr Augenmass als in Genf, wie Nachfragen ergeben.

Den Genfer Sicherheitschef Antonio Pizzoferrato ficht das nicht an. «Das Gesetz verlangt nun mal, dass Hunde öffentlichen Grund nicht verschmutzen», sagte er gegenüber «Le Matin». Hunde müssten sich in den dafür vorgesehenen Parks versäubern.

«Es ist eine Tragikomödie», sagt Agnès P. Sie traue sich mit Pudelchen Michka kaum noch nach draussen – aus Angst, dass es irgendwo hinmache. Die Busse will sie aber nicht bezahlen: «Wenn nötig, gehe ich bis vor Bundesgericht.»

* Name der Redaktion bekannt

Veröffentlicht am 28. Februar 2017

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4 Kommentare

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Karin
Für unsere Hunde hat es immer weniger Platz auf dieser Welt. Wir Menschen nehmen uns das Recht raus über alles zu bestimmen und zu entscheiden. Auch Hunde und dessen Halter haben Rechte, nicht nur Pflichten. Ein Hund ist ein Lebewesen mit Instinkten. Man kann einem Hund zwar sehr viel mit Erziehung beibringen, aber das er nicht darf wenn er mal muss, da hört es einfach auf. Immer mehr Vorschriften und Leinenpflicht, macht es uns Hundebesitzer schwer das Tierschutzgesetz einzuhalten. Hunde sind soziale Wesen welche mit anderen gleichgesinnten kommunizieren und spielen wollen. Wenn sie dies nicht mehr dürfen muss man sich nicht Wundern, dass es immer mehr verhaltensgestörte Hunde "auch Kampfhunde" genannt gibt. Wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen hat es auch Platz für alle Lebewesen.
Regina
In der ganzen Schweiz wird geschossen ,Leute angefallen ,Leute zusammengeschlagen ,Und die guten Schweizer burger Machen sich grosse Sorgen um das PIPI auf dem trotuar von einem kleinen Hundchen daswahrscheilich nicht Schwerer ist als ein grosser Gipfel
UncleThom
Tragisch das sich eine Stadt so sanieren will. Haben diese Polizisten und Gesetzgeber keine anderen Sorgen als das ein Hund, welcher seit jahrhunderten zu den besten Freunden des Menschen zählt, ein Pipi macht? Ist die Stadt denn schon so Sauber das kein Papierchen, Zigistummel oder Menschenkake/pipi irgenwo mehr rumliegt? Ach, letzteres sehe ich immer wieder da auch ich mit Hund unterwegs bin.
Mutaleno
Dazu kann ich auch etwas berichten. Letztes Jahr wohnten wir in Dietikon und mein Mann ging mit unserem Hund spazieren. Er kam beim Bahnhof vorbei. Gegenüber hat es viele Geschäfte, es ist eine Art Shoppingpassage, die Post ist auch dort. Dann hat er einen Mann getroffen, der ebenfalls einen kleinen Hund hatte (Malteser und unserer ist ein Yorkshire). Die beiden Hunde haben sich begrüsst und ja....sie durften von der Leine. Haben aber niemanden belästigt, darauf wurde geachtet. Die Polizei kam und verlangte von meinem Mann den Ausweis. Mein Mann (Afrikaner) fragte wieso. Darauf hin hat der Polizist seine Hand in die Taschen meines Mannes gesteckt und ihn so durchsucht. Ausserdem bekamen beide eine Busse von 60.--, weil die Hunde nicht angeleint war