Sonntag, 2. Oktober 2011. Beim Zürcher Fussballderby im Letzigrund ist die ­Stimmung aufgeladen: GC-Fans provozieren – und in der FCZ-Südkurve verlieren einige prompt die Kontrolle. Gewaltbereite Ultras stürmen durch die Sitzreihen hinüber zum Block der gegne­ri­schen Anhänger. Einer wirft eine glühend heisse Hand­fackel in die vollbesetzte Kurve der Hoppers-Fans. Das Spiel wird abge­brochen und heizt als «Schande von Zürich» die Debatte um Gewalt in den ­Stadien zusätzlich an.

Vielleicht wäre es nicht zur Eskalation gekommen, wenn mehr Zuschauer ­gehandelt hätten wie drei Brüder aus dem Zürcher Unterland: Danny, 28, Marc, 24, und Joey Meier, 26 (von links). Selber Anhänger des FCZ, stellen sie sich den vermummten Chaoten aus den eigenen Reihen in den Weg, wollen sie handfest davon abhalten, die GC-Kurve anzu­greifen. Allerdings: Das Trio hat es mit mindestens 30 Leuten zu tun – es setzt Prügel für die Meiers. «Vielleicht waren wir naiv», sagt Joey, «aber wir wollten uns das Spiel nicht kaputtmachen lassen.» Für Danny war der Auslöser ein weinendes, völlig verängstigtes Mädchen ein paar Reihen neben ihm. «So etwas muss man einem kleinen Kind nicht zumuten, wenn es Fussball schauen will.»

Dass die übrigen Matchbesucher sie nicht unterstützten, hat die Brüder enttäuscht. Doch sie hoffen auf die Signalwirkung ihrer Ak­tion. Es sei ja nur eine Minderheit, von der das Gewaltproblem rund um den Fussball aus­gehe, sagt Marc ­Meier. «Aber dann müsste die Mehrheit endlich mal etwas ­dagegen tun.»

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