Leute zur Ärztin, ins Spital oder zur Therapie bringen – das tun freiwillige Fahrerinnen und Fahrer des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK).

Eine gute Sache, unbestritten. Die Fahrgäste müssen dafür je nach Kanton unterschiedlich hohe Kilometerpreise zahlen. Der Grund: Das SRK ist streng föderalistisch aufgebaut. So kostet der Kilometer in Basel-Stadt, Glarus und Uri 70 Rappen, Luzern verlangt 85 Rappen, St. Gallen gar 1 Franken. Das SRK Aargau hat den Tarif Mitte Jahr von 75 Rappen (vor Corona waren es noch 70 Rappen) auf 90 Rappen angehoben – um 20 Prozent.

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Der Fricktaler Daniel Gerber arbeitet seit der Pensionierung vor gut sieben Jahren als freiwilliger Fahrer. Über die Preiserhöhung regt er sich auf. Er stört sich daran, dass das Aargauer SRK von den Kunden nun 90 Rappen verlangt, aber die freiwilligen Fahrerinnen und Fahrer mit ihren privaten Autos weiterhin bloss 70 Rappen bekommen. «Das Rote Kreuz versucht, auf dem Buckel der Freiwilligen seine Bilanz aufzumotzen.»

650 Freiwillige sind es im Aargau. Gerber ist im Schnitt dreimal pro Woche im Einsatz, jeweils zwei bis drei Stunden. Er schätze den Austausch mit den Gästen und helfe gern. Es gehe ihm nicht um die 20 Rappen Differenz. Er könne einfach nicht verstehen, weshalb das Rote Kreuz die Preise erhöht. Die Kundinnen und Kunden hätten oft wenig Geld. Es sei schliesslich eine karitative Organisation, die sich das Thema Gleichheit auf die Fahne geschrieben habe.

So reagiert das Aargauer SRK auf die Vorwürfe

Sonja Geissmann, Sprecherin des Aargauer SRK, findet es schön, dass sich Gerber so für seine Klientel einsetzt. Sie verweist aber darauf, dass es Sozialrabatte für Bedürftige gibt, die sich die 90 Rappen pro Kilometer nicht leisten können. Die Preise seien auch gut 20 Jahre lang nicht angepasst worden.

Der Fahrdienst sei aber in den letzten Jahren stark gewachsen, man führe jährlich 3700 Fahrten mehr durch. Entsprechend seien immer mehr Spendengelder hineingeflossen, im Jahr 2020 ein Drittel aller Spenden. «Das SRK Aargau möchte vermehrt auch andere Angebote ausbauen wie zum Beispiel die Unterstützung von pflegenden Angehörigen.» Die Spenden müssten gerecht verteilt werden.

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Birthe Homann, Redaktorin
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