Die chinesische Schutzmaske HG von Galaxus hat im Beobachter-Test ungenügend abgeschnitten. Gegen kleine Tröpfchen schützt sie genügend, nicht aber gegen die noch kleineren Aerosole. Der chinesische Hersteller behauptet, die Maske erfülle die chinesische Prüfnorm KN95, was eine Filterwirkung von 95 Prozent bedeuten würde.

Der Zulieferer von Galaxus erhielt für die HG-Masken in einem deutschen Labor eine Konformitätserklärung nach Light-Prüfnorm. Darauf haben die Schweizer Behörden Galaxus den Verkauf erlaubt. In Deutschland wäre das verboten. Denn der chinesische Hersteller hat auf Verpackung und Masken die Qualitätsauszeichnungen «FFP2», «CE» sowie «EN 149» aufgedruckt, obwohl er dafür keine Bestätigung hat. Das gilt in Deutschland als Irreführung.

«Plausibilitätsprüfung» statt Test

Die Migros-Tochter Galaxus legte nach Redaktionsschluss der letzten Beobachter-Ausgabe ein neues «Testergebnis» vor und wollte das Testurteil «ungenügend» entkräften. Das Migros-Labor SQTS hat die HG-Atemschutzmaske aber nur nach den Richtlinien für Stoffmasken geprüft, für die leichtere Prüfkriterien gelten. Danach liegt die Filterwirkung bei über 95 Prozent bei Partikeln in der Grösse von einem Mikrometer.

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Die Fachhochschule kommt hingegen bei 0,3 Mikrometer grossen Partikeln lediglich auf eine Filterwirkung von 44 Prozent. Das Migros-Labor bestätigt schriftlich, dass es keinen Test gemacht habe, sondern bloss eine «Plausibilitätsprüfung».

Galaxus stellte dennoch den gesamten Test des Beobachters in Frage. Die FHNW habe die Masken mit einem neu entwickelten Verfahren und nicht nach Originalnorm getestet. Gemäss den Kriterien der Lauterkeitskommission sind Medien bei Produkttests frei, ihre Prüfkriterien unabhängig von den Normen festzulegen. Ein möglichst realitätsnaher Test erschien auch daher sinnvoller als ein genormtes Testverfahren, das für die Corona-Pandemie nur beschränkte Bedeutung hat.

Die Aussage, Galaxus habe womöglich Ramschmasken im Angebot, sei falsch, schreibt der Onlinehändler. «Unser Schweizer Lieferant hat uns eine direkte Verbindung zum Hersteller in China offengelegt und uns bestätigt, dass wir Originalmasken und eben keine Plagiate gekauft haben.» Zudem stimmten Herstelldatum, Ablaufdatum sowie andere Kennzeichen mit den Originalprodukten überein.

«Wir können mit gutem Gewissen sagen, dass wir keine Masken mit unzureichender Schutzwirkung verkauft haben.» Den Vorwurf, der Beobachter habe Fake News verbreitet, nahm Galaxus zurück und entschuldigte sich.

Andere FFP2-Maske bestand Beobachter-Test

Im Beobachter stand auch, die Aufsichtsbehörden der USA und von Kanada hätten die Zulassung der HG-Masken wegen eines ungenügenden Testergebnisses entzogen. Die kanadische Behörde schreibt: «Nicht alle Schutzmasken erfüllen die erforderliche Mindestfiltrationsrate von 95 Prozent.» Die Warnung erfolgte, weil viele gefälschte HG-Masken im Umlauf waren.

Die FHNW betont die Zuverlässigkeit des Testverfahrens, das es ermögliche, die Filtereffizienz nur für die feinen Aerosole zu messen, ohne die grösseren Teilchen mitzuzählen, wie dies bei der Norm vorgesehen ist. Der Test der Fachhochschule ermögliche daher eine bessere Beurteilung für die relevanten Kleinstpartikel, sagt Professor Ernest Weingartner.

Eine gute Maske besteht den FHNW-Test problemlos. Die andere FFP2-Maske im Beobachter-Test hat zu 100 Prozent bestanden, ebenso die zu Vergleichszwecken getestete FFP3-Asbestmaske Lux (bei Obi gekauft).

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Andres Büchi, Chefredaktor

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