Geplant waren zehn sorglose ­Tage in Mexiko. Doch der ­Ferientraum endete für Chris­tyna Swoboda* in einer Glasbox am Flughafen von Cancún. Ein Einreisebeamter fragte die 42-jährige Tschechin: «Wer ist Belim Gül*?»

Um auf Nummer sicher zu gehen, hatten Swoboda und ihr Partner Balz Trösch* kurz vor dem Abflug am 30. Dezember 2016 über die offi­zielle Website eine Esta-Reisegenehmigung beantragt. Eine solche benötigen Touristen, die für maximal 90 Tage in die USA einreisen wollen. Es hätte ja sein können, dass der beim Reiseveranstalter Tui gebuchte Flug über die USA ­geführt würde. Trösch erhielt grünes Licht, Swobodas Antrag wurde jedoch abgelehnt.

Also verzichtete das St. Galler Paar auf die Absicherung und bestieg an Silvester die Air-Berlin-Maschine via Düsseldorf direkt nach Cancún. Als Swobodas Name kurz nach der Landung in Mexiko aus­gerufen wurde, dachte sie an einen schlechten Scherz. Die Reisebüro­angestellte musste das Flugzeug als Erste verlassen und wurde von drei uniformierten Beamten ins Büro der Einwanderungsbehörde geführt. Dort kam sofort der abgelehnte Esta-Antrag zur Sprache.

Umstrittenes Einreiseformular

Das elektronische Formular war im Dezember 2016 um einen Punkt ergänzt worden, der bei Datenschützern und Menschenrechtlern umstritten ist. Antragsteller können freiwillig ihre Aktivitäten auf Facebook, Twitter oder Instagram angeben. Das US-Heimatschutzministerium erhofft sich Informationen über schädliche Verbindungen und Aktivitäten.

Swoboda glaubt, dass ihr die Einreise nach Mexiko wegen des Facebook-Kontakts Belim Gül verwehrt wurde. Ihn hatte sie vor acht Jahren auf einer Geschäftsreise in der Türkei kennengelernt, Gül war damals Tourguide. Obwohl der Kontakt bald abbrach, blieb man auf Facebook befreundet. «Ich habe keine Ahnung, was Gül heute macht», so Swoboda.

Die Fragen der mexikanischen ­Beamten legen die Vermutung nahe, dass sie über das abgelehnte Esta-Gesuch Bescheid wussten. Doch die mexikanische Botschaft in Bern bestreitet, dass man Zugriff auf diese Daten habe. Es gebe zudem keine Abmachung, dass Personen, die nicht in die USA reisen dürfen, auch in Mexiko abgewiesen werden. Eine diesbezügliche Anfrage des Beobachters beim US-Heimatschutz blieb unbeantwortet.

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Geld verloren, Job gefährdet

Christyna Swoboda verbrachte zwei ­Tage in der Glasbox im Flughafen-Terminal, mit acht weiteren Gestrandeten. Sie durfte die Notfallnummer der tschechischen Botschaft anrufen, danach wurde ihr Handy konfisziert, und sie war bis am übernächsten Morgen nicht mehr erreichbar. Sie erhielt einen Liter Wasser und ein Sandwich pro Tag und musste auf einer verdreckten Matte übernachten. Ihr Freund Balz Trösch checkte mangels Alternativen in Airport-Nähe im bei Tui gebuchten Strandhotel ein.

Am 2. Januar flog das Paar zurück in die Schweiz. Ob die beiden die ­Reisekosten von rund 7000 Franken rückerstattet erhalten, ist noch offen. Der Reiseversicherer Allianz verweist auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen, wonach bei «behördlichen Anordnungen» kein Anspruch auf Leistungen bestehe.

Swoboda stellt sich auf einen langwierigen Prozess ein. Viel Hoffnung hat sie indes nicht. Mehr noch als der finanzielle Schaden beschäftigen sie die Folgen, die die Geschichte für ihr Berufs­leben haben könnte. «Reisen gehört zu meinem Job. Jetzt fühle ich mich in ­einer Sackgasse.»

Mit weniger Stress über die US-Grenze

Autor: Michael Krampf, Beobachter-Experte
 

Seit 1. Februar können Schweizer einfacher in die USA einreisen – dank dem Global-Entry-Programm der dortigen Zoll- und Grenzschutzbehörden. Wer teilnimmt, kann die Einreise selber an einem Automaten vornehmen und muss nicht mehr stundenlang für die Grenzkontrolle anstehen.

Dafür braucht es eine Sicherheitsüberprüfung, die das Bundesamt für Polizei (Fedpol) in der Schweiz für 100 Franken durchführt. Wer nicht in polizeilichen Fahndungssystemen verzeichnet ist oder keine Vorstrafen hat, erhält die Bestätigung «Low-Risk Traveler». Damit registriert man sich für das Global-Entry-Programm. Kosten: 100 Dollar.

Wer nun auch die Sicherheitsprüfung der US-Behörden besteht, muss sich bei der ersten Einreise in die USA noch fotografieren lassen und die Fingerabdrücke abgeben. Danach kann man während fünf Jahren vereinfacht in die USA einreisen – sofern Donald Trump nichts dagegen hat.

Mehr dazu unter: www.fedpol.admin.ch

* Name geändert