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Planet 105Jugendsender wirbt für Brustvergrösserungen

Roger Schawinskis Jugendradio Planet 105 strahlt Werbung für Brustvergrösserungen aus. Die Sendungen kommen als redaktionelle Beiträge daher.

Vermeintliche Reportage: Planet 105 begleitete eine 23-Jährige bei ihrer Brustvergrösserung.
von aktualisiert am 27. September 2018

Planet 105 wendet sich an junge Zuhörer in der Deutschschweiz. Einer der Hörer ist der 20-jährige Lino Münger. «Ich höre Planet 105, aber jetzt werde ich mir wohl einen anderen Sender suchen.»

Der Grund: «Kürzlich bekam ich morgens beim Duschen etwas zu hören, was ich kaum glauben konnte: Eine als Reportage getarnte Werbung für Brustvergrösserungen Schönheits-OP Schöner dank Skalpell? in einem Jugendsender! Ich finde das absolut verantwortungslos und respektlos den Mädchen und jungen Frauen gegenüber.»

Tatsächlich sendete die Station, die Radiolegende Roger Schawinski gehört und rund 83'000 Zuhörer erreicht, Anfang September täglich ein Format namens «Beauty – die Schönheitsdoku». Darin begleitet die Moderatorin die 23-jährige Jennifer bei einer Brustvergrösserung. Nach der Operation sagt Jennifer: «Ich habe schon als Teenager von einer Brustoperation geträumt. Jetzt könnte ich nicht glücklicher sein.» 

Die Klinik heisst Breast Atelier und zielt auf junge, wenig solvente Frauen. Die Tochter der Privatklinik Pyramide verkauft Brust-OPs 45 Prozent billiger als das Mutterhaus. Begleitet wurde und wird die Werbesendung von einem Onlineauftritt und einem Aktionsangebot: Statt 8900 kostet eine Operation Schönheit «Meine Nase ist zu gross» nur 7900 Franken.

Der Ombudsmann untersucht

Die Lauterkeitskommission äussert sich wie folgt: «Die Frage ist berechtigt, ob diese Werbung nicht das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verletzt. Es verlangt die eindeutige Trennung von Werbung und redaktionellem Teil», sagt Kommissionssprecher Thomas Meier. «Zudem kennt der Kodex der Internationalen Handelskammer spezielle Richtlinien für Werbung, die sich an Kinder Games Für Kinderaugen nicht geeignet und Jugendliche Online-Shopping Zalando ruiniert Jugendliche richtet; diese könnten ebenfalls verletzt sein.»

Das Bundesamt für Kommunikation und der Ombudsmann für Radio und TV, Oliver Sidler, untersuchen jetzt die Angelegenheit.

Und was sagt der Sender? «Es handelt sich um eine vom Breast Atelier bezahlte Kampagne. Das kommt unserer Meinung nach im einleitenden Text mehrmals klar rüber», sagt Geschäftsleitungsmitglied Marc Jäggi. Tatsächlich steht da nur: «Zusammen mit den Experten des Breast Ateliers Zürich gibt es […] spannende Informationen sowie einen detaillierten Einblick in die Planung und den Ablauf einer solchen Operation [...]. Wir dokumentieren vom Erstgespräch über die Vorbereitungen zur Operation bis hin zur Schlussbesprechung alle wichtigen Fakten.» Erst zuunterst auf der Website steht: «Präsentiert von ...».

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Tina Berg, Online-Redaktorin

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1 Kommentar

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sacha_meier
Brustvergrösserungen aus ästhetischen Gründen sollten in der Öffentlichkeit viel stärker verurteilt werden. Wenn eine Frau Probleme mit ihrem kleinen Busen hat, sollte sie mental an dem Problem arbeiten, sich zu akzeptieren. Vielen Männern gefallen kleine Busen sogar besser.

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