Sterne gibt es nicht zu knapp: Astro­nomen schätzen ihre Zahl auf 10 bis 20 Trilliarden. Das sind 10 000 000 000 000 000 000 000. Mit dem besten Teleskop sieht man einige Millionen, mit blossem Auge etwa 6000. Sich einen Überblick zu verschaffen ist nicht einfach. «Da lässt sich ein Geschäft machen», müssen sich fin­dige Unternehmer gesagt haben.

Etwa die Betreiber der Website Sternkaufen.ch. Ihr Angebot: «Einen Stern kaufen und nach einem besonderen Menschen in Ihrem Leben ­benennen.» Fünf Pakete stehen zur Auswahl, von Starlet (75 Franken) bis Supernova (249 Franken). Wer das Starlet-Angebot wählt, bekommt ein Zertifikat, eine Sternkarte und eine «Dokumentation», verpackt in einer «Geschenkmappe».

Das Angebot Supernova ist luxuriöser. Hier gibts die Urkunde – warum auch immer – gleich doppelt und in ­einem «robusten, silber-polierten DIN-A4-Aluminiumrahmen». Sehr schön! Hinzu kommt die «drehbare» Sternkarte, die dem frischgebackenen Besitzer zweifellos zahlreiche Stun­den Drehvergnügen bescheren dürfte.

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So nah und doch so fern, der Stern

Doch die Sache hat einen Haken: ­Sterne kann man weder kaufen noch taufen. Für die Namensgebung ist ­aus­schlies­slich die Internationale ­Astronomische Union zuständig. Ein paar helle Sterne tragen arabische ­Namen, die anderen nur Registra­tions­num­mern und Positionsbezeichnungen.

Die Betreiber von Sternkaufen.ch umschiffen dieses Geschäftshindernis elegant. Sie geben gleich selber zu, dass sie eigentlich heisse Luft anbieten. «Mag ja sein, dass Sie gern ‹Skandale› aufdecken», sagt Michael Ringlein von Sternkaufen zum Beobachter. «In diesem Fall müssen wir Sie aber enttäuschen. Wir geben selber offen an, dass die Sterntaufe nur symbolisch ist.» Wettbewerber, die das Gegenteil behaupteten, seien «unseriös».

Ein handelsüblicher Stern, wie er im Starlet-Angebot enthalten ist, überdauert locker ein paar Milliarden ­Jahre. Anders sieht es bei der Super­nova aus. Die leuchtet so hell, weil es sich um einen explodierenden Riesenstern handelt. Das kommt am sichtbaren Firmament nur alle paar Monate mal vor. Und was wir dann ­sehen, sind die vom sterbenden Stern ausgesendeten Lichtstrahlen, die uns nach der Reise erreichen, die eine ­halbe Ewigkeit gedauert hat.

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Die Supernova ist damit also schon längst Vergangenheit, übrig bleibt nur ein Nebel. Und die Urkunde im ­robusten, silber-polierten DIN-A4-Aluminiumrahmen zu Hause auf dem Sideboard des Sterntäufers, die an ihre Existenz erinnert. Alles nur symbolisch – aber topseriös.