Selbsteinschätzung: «Angaben zu Adresse, Geburtstag, Hobbys, Beruflichem und zu Reisen findet man über mich. Was in der Familie geschieht, ist jedoch Privatsache.»

Die Konsumdaten: Philipp Würmli, der gläserne Konsument: Ob er eine Anschaffung plant, ein Produkt empfehlen will oder sich über eine Firma ärgert – Philipp Würmli teilt alles mit.

Als Quellen dienten dabei die Einträge auf der eigenen Website von Philipp Würmli, Twitter, Facebook und mx3.ch

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.
Anzeige

Alle Twitter-Meldungen von Philipp Würmli von Juli 2008 bis 9. September 2011

Philipp Würmli zwitschert. Durchschnittlich viermal täglich schreibt der 39-Jährige unter dem Nicknamen «pippolino» Meldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter (Gezwitscher). «Ich habe nichts zu verbergen», sagt er. «Je mehr ich ­selber von mir preisgebe, desto mehr Informationen, die über mich im Netz kursieren, habe ich unter Kontrolle. Meine privaten Daten habe ich im Griff. Über mich erfährt man im Netz nicht sehr viel Persönliches.»

Tatsächlich halten sich die Infor­mationen über Privates trotz einem ­Lebenslauf auf der eigenen Website in Grenzen: in Italien aufgewachsen, ­verheiratet mit Anita Bättig, Absolvent der HWV St. Gallen, angestellt an der ZHAW Winterthur, mehrsprachig, verschiedene Reisen auf andere Konti­nente – viel mehr ist über den Privatmann Philipp Würmli im Netz nicht zu finden. Fotos? Ausser ein paar wenig aussagekräftigen Bildern Fehlanzeige: «Private Fotos sind mir zu persönlich, um sie ins Netz zu stellen. Höchstens Landschaftsfotos oder belanglose Bilder sind zu finden.»

Anzeige

Umso mehr erfährt man über den Konsumenten Würmli. Ob er «auf der Suche nach einem kleinen Wellness­hotel in einem Winterwander­gebiet» ist oder ein neues Mountainbike braucht, spielt dabei keine Rolle: Der Projektleiter teilt seine Gedanken und Bedürfnisse mit jedem, der es wissen will. Er tut dies ganz bewusst öffentlich: «Mich interessiert einfach, welche ­Firma am besten auf meine Fragen ­reagiert», erklärt er.

Was andere vermeiden – dass ­Firmen über ihre Bedürfnisse im Bild sind –, sucht «pippolino» geradezu: «Im Athleticum MTB-Schuh gesucht und fündig geworden. Leider nicht in der richtigen Grösse», schrieb er vor ein paar Monaten, als er einen ­neuen Veloschuh brauchte. Die angespro­chene Firma reagierte prompt: «Im Online-Shop findest du den gesuchten Schuh. Falls die Grösse ebenfalls fehlt, bitte melden.» Auch einen Helm fand er auf diese Art: «Ich kaufte ihn bei der Firma, die am schnellsten reagierte.»

Anzeige

Philipp Würmli, der gläserne Musterkonsument? «Ich bin mir schon bewusst, dass über uns Internetnutzer immer mehr Daten gesammelt werden», sagt er. «Aber Google zeigt mir Angebote an, die gemäss den über mich vorhandenen Informationen für mich interessant sind. Tatsache ist aber, dass ich immer noch selber entscheiden kann, ob ich etwas kaufen will oder nicht.»