1. Home
  2. Konsum
  3. Reisen
  4. SBB-WC defekt: Zugfahrt endete beim Arzt

SBB-WC defektZugfahrt endete beim Arzt

Ein 66-Jähriger konnte im Zug nicht auf die Toilette und landete deshalb mit einem Harnverhalt beim Arzt. Die SBB will die Arztkosten nicht übernehmen.

Das einzige WC im Zug war defekt und abgeschlossen.
von
aktualisiert am 25. Oktober 2018

Um halb ein Uhr morgens eilt Kurt Huber* mit seiner Frau zum Regionalzug. Sie haben die Fêtes de Genève besucht und schaffen es wegen des grossen Gedränges nicht mehr aufs WC. Stehend im Zug überkommt Huber Harndrang, so stark wie noch nie. Doch Erleichterungsmöglichkeiten gibt es keine. Das einzige WC im total überfüllten Zug ist defekt und abgeschlossen SBB Die Not mit der Notdurft der Zugreisenden

Nach zwei Stunden grosser Qual kann der 66-Jährige um halb drei Uhr morgens in Freiburg endlich aussteigen. Er rennt zur Bahnhofstoilette, kann aber nicht urinieren – ein sogenannter Harnverhalt. «Das ist mir noch nie passiert», sagt Huber. Wenig später legt ihm ein Arzt einen Harnröhrenkatheter, um den Urin abzulassen. Kostenpunkt: 500 Franken. 

«Wer nach einem Volksfest Züge ohne Toiletten fahren lässt, handelt fahrlässig Kommentar «Für wie blöd halten uns die SBB?» », findet Huber. Deshalb stellte er den SBB seine Arztkosten in Rechnung. Doch die wollen nicht zahlen. Es bestehe keine Rechtspflicht, teilten sie mit. Aus Kulanz zahle man 100 Franken. Huber weiss noch nicht, ob er annehmen soll. Rechtlich kann er aber wenig ausrichten. Im Regionalverkehr gebe es keine Pflicht, Toiletten anzubieten, sagt das Bundesamt für Verkehr. Die SBB bezeichnen das verschlossene WC als «unglücklichen Umstand», den man bedaure. Man könne das aber nicht als Ursache der medizinischen Folgen anerkennen. 

 

*Name geändert

«Die besten Artikel – Woche für Woche»

Tina Berg, Online-Redaktorin

Die besten Artikel – Woche für Woche

Der Beobachter Newsletter

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

2 Kommentare

Sortieren nach:
jasmins
Leider ist dies nicht lediglich ein Problem älterer Menschen- auch Schwangere, Kinder und Behinderte sind auf Toiletten angewiesen! Mir ging es vor 2 Wochen so auf der S9. Ein Klo geschlossen, das andere verstopft. Ich leide an eiber Chronischen Darmerkrankung. Die SBB interssiert dies nicht. Zudem haben die meisten Bahnhöfe keine Klos mehr- auch kein Behindertenklo!!

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.

georg stamm
Solche Vorkommnisse sind haargenau der Grund, weshalb ich nicht mehr Zug fahre. Die SBB mögen mit ihrer Argumentation rein juristisch recht haben. Sie müssten allerdings berücksichtigen, dass ältere Leute häufiger auf die Toilette müssen als jüngere. Es ist schon ärgerlich, wenn zwar Toiletten vorhanden sind, die aber abgeschlossen sind wegen eines Defekts (möglicherweise seit Tagen) oder einfach weil man Kosten sparen will (Putzpersonal). Uebrigens: In Einkaufszentren, in denen man sich auch länger aufhält, hat es immer Toiletten. Vielleicht ist das sogar gesetzlich vorgeschrieben. Weshalb nicht bei den SBB ?

Bitte melden Sie sich an, um auf diesen Kommentar zu antworten.