Die Häuser sind bunt, die Luft ist warm, es riecht nach frischer Minze und Rum. Eine junge Frau stimmt ein altes Lied von Celia Cruz an. ­Adrian Vonwiller hört zu, nippt an seinem Mojito und geniesst.

Seit August 2010 ist er mit seiner Freundin Ligia Gomes-Fonseca auf Weltreise. Von West nach Ost, in die Südsee und schliesslich nach Brasilien sollte es gehen. Das war der Plan. Irgendwann im Laufe der letzten Monate hat der 56-Jährige aufgehört, Tourist zu sein. Dazu gehört auch, dass er nicht täglich mit seiner Fotokamera herumrennt und Souvenirs kauft.

Nur bei Musik-CDs macht er eine Ausnahme. Und CDs gibt es in Kuba wie Sand am Meer. Es wird Zeit für Vonwiller, wieder einmal ein Päckchen nach Hause zu schicken. Denn der grösste Feind jedes Rucksacktouristen ist unnötiger Ballast.

In Trinidad, einem kleinen Städtchen im Süden Kubas, läuft alles etwas gemächlicher. Autos sind in den engen Gassen der Altstadt verboten. Fernseher, wenn es welche gibt, zeigen einige wenige lokale Sender. Internet? Gibt es. Theoretisch. Praktisch ist es so langsam, dass es an einem guten Tag schnell genug ist, um innerhalb einer Stunde eine E-Mail zu versenden. ­Facebook? Chancenlos. Bücher, Magazine, Zeitungen? Fehlanzeige.

Scheinbar abgeschieden von der Welt, bleibt Vonwiller nur eines: die Musik. Nicht irgendwelche Musik, sondern die beste Musik der Welt, wie er findet – der Kom­ponist und Musikproduzent muss es wissen. Während die Touristen, die Trinidad in Scharen besuchen, kaum genug Bilder schiessen können, sitzt Vonwiller einfach nur da, geniesst seinen Drink und trommelt mit der linken Hand leise im Takt der Musik.

38 Länder in zwei Jahren

38 Länder haben der Wahl-Wiener, der im Zürcher Oberland aufgewachsen ist, und seine Freundin in den vergangenen zwei Jahren bereist, haben den Wüstensand unter ihren Füssen gespürt, sind durch dichte Dschungel gewandert, durch hügelige Landschaften gefahren und haben in den schönsten Meeren dieser Erde gebadet. Dabei hat Vonwiller festgestellt: «Die Welt ist in weiten Teilen ein Müllhaufen – man riecht öfter Kloaken als Blumen, verbringt deutlich mehr Zeit an überfüllten Busbahnhöfen als in der Natur.»

Und trotzdem kann Adrian Vonwiller nicht aufhören zu reisen, bekommt nicht genug vom Unbekannten. Ein Jahr sollte seine Weltreise dauern. Mittlerweile sind daraus zwei geworden. Denn trotz miefigen Grossstädten und beschwerlichen Reisen bleibt bei ihm nach all dieser Zeit in der Ferne vor allem eine Erkenntnis: «Die Welt ist schön.»

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So planen Sie Ihre Reise

Vorbereitung
Eine Weltreise planen braucht Zeit. Soll die Reise länger als drei Monate dauern, ist es sinnvoll, ein halbes Jahr vorher mit der Planung zu beginnen. Legen Sie eine Checkliste an, um an all die Kleinigkeiten zu denken, die Sie vor Ihrem grossen Abenteuer ­erledigen müssen. Versehen Sie die einzelnen Punkte mit Deadlines, so dass Sie es nicht verpassen, wichtige Fristen wie Visa­anträge, Impfungen oder die Wohnungskündigung einzuhalten.

Reisepartner
Allein, mit einem Freund oder dem Partner? Die Wahl des Reisebegleiters ist essentiell. Wer allein reist, ist auf Kontakte angewiesen und wird zahlreiche Bekanntschaften knüpfen. Immer wieder neue Menschen kennenzulernen kann aber auch anstrengend sein. Wer nicht allein unterwegs sein möchte, aber keine Reisewilligen im Freundeskreis findet, kann sich über Foren wie Joinmytrip.de oder Globetrotter.ch Begleitung suchen. Vor Ort kann man über Wayn.com oder Travellersconnected.com problemlos Einheimische und andere Rei­sende kennenlernen.

Route
Weniger ist mehr – dieser Grundsatz gilt während einer Weltreise nicht nur für das Gepäck. Gönnen Sie sich immer wieder Ruhetage, anstatt sich einen mehrmonatigen Marathon aufzuhalsen. Am einfachsten ist es, sich zu Beginn der Planung einige Wunschdestinationen zu notieren und zu entscheiden, wie lange die Reise dauern soll. Besonders wichtig ist beim Routing der Blick in die Klimatabelle, um extreme Hitze oder Regenzeiten meiden zu können. Bedenken Sie bei der Verbindung Ihrer Ziele auch den Transport. Südamerika und Afrika lassen sich nur schwer miteinander verbinden. Auch zwischen Süd- und Zentralamerika ­sowie zwischen Afrika und Australien ist das Flugangebot eher dürftig und vor allem teuer. Klären Sie bei der Reise über den Landweg zudem passierbare Grenzen ab. Wer seine Weltreise von Ost nach West plant, bekommt dank Zeitverschiebung ein paar Stunden geschenkt und reduziert dadurch den Jetlag.

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GepäckAcht Kilo. Die müssen reichen. Versuchen Sie, sich beim Gepäck aufs Minimum zu ­beschränken. Sie werden es sich selbst danken, wenn Sie bei 40 Grad auf der Suche nach einem Hostel nicht mehr als nötig mitschleppen müssen. Acht Kilo sind sehr wenig, umso überlegter muss die Auswahl der Stücke sein, die Sie mitnehmen. Seidenschlafsack, Moskitonetz, Handtücher, Stirn-und Taschenlampe, Taschenmesser und Adapter sollten auf keiner Weltreise fehlen. Achten Sie auf funktionale, dem jeweiligen Klima angepasste Kleidung. Überlegen Sie sich zudem, welche technischen Geräte Sie wirklich brauchen.

Papiere
Der Reisepass muss nach der geplanten Rückkehr noch sechs Monate gültig sein. ­Einen neuen Pass und alle Informationen dazu finden sie unter www.schweizerpass.ch. Die Lieferfrist für einen «Pass 10» beträgt nach dem Erfassen der biometrischen Daten bis zu zehn Arbeitstage. Kostenpunkt: 140 Franken. Auf der Internetsite des Eidgenössischen ­Departements für auswärtige Angelegen­heiten (www.eda.admin.ch) finden sich sämtliche Informationen zu Einreisebestimmungen für Schweizer Bürger sowie Adressen der zuständigen Botschaftsvertretungen in der Schweiz. Für einen Visumantrag braucht es in der Regel zwei Passfotos und in manchen Fällen auch Weiterflugtickets, Unterkunftsnachweise und einen Impfpass. Die Kosten für ein Visum bewegen sich im Normalfall zwischen 30 und 100 Franken. In manchen Fällen wird das Visum bei der Einreise ausgestellt.

Mehr zu Reiseversicherungen bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer einen längeren Auslandaufenthalt plant oder öfters im Jahr verreist, wird sich unweigerlich mit der Frage beschäftigen, welche Reiseversicherungen er braucht. Guider informiert seine Mitglieder unter anderem darüber, ob sich eine Annullierungskostenversicherung lohnt und was durch den ETI-Schutzbrief gedeckt ist.

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Flüge und Kosten

Round-the-World-Ticket
Das Prinzip Round-the-World-Ticket (RTW) ist simpel: Für einen Pauschalpreis lässt sich während eines Jahres das Angebot einer Airline-Allianz nutzen. Es gibt dabei zwei Systeme: eines, das auf Meilen, eines, das auf der Anzahl Kontinente basiert. Nehmen Sie sich genug Zeit, die Programme zu studieren und sämtliche Gebühren für Umbuchungen und Verschiebungen zu vergleichen. Denken Sie daran, dass das billigste Ticket nicht immer die sinnvollste Option ist, weil Sie sich dadurch bei der Wahl der Flugroute einschränken müssen.

Allianzen
Abhängig von den Wunschdestinationen und der Flexibilität bei Umbuchungen und Flugverschiebungen, kann man sich zwischen den verschiedenen Programmen der Flug­allianzen entscheiden. Die Star Alliance, zu der auch die Swiss gehört, ist die grösste Flugallianz der Welt. Ihr Netz ist in Europa, Afrika, Amerika und Asien sehr dicht. Das System der One World, zu der die American Airlines zählt, basiert auf Stopps und Zonen. Backtracking – das Vor- und Zurückreisen – ist mit diesem RTW-Ticket zulässig, was es äusserst flexibel macht. Das Skyteam verfügt über ein gutes Netz in Nordamerika, ­Europa und Afrika. Ansonsten bietet es jedoch keine signifikanten Vorteile gegenüber den anderen Allianzen.

Flüge einzeln buchen
Wer sich nicht an Allianzen, Zonen und ­Meilen halten möchte, ist mit Einzelflügen besser bedient. Wer clever bucht und etwas flexibel ist, kann dadurch viel Geld sparen. Suchmaschinen wie etwa Kayak.de und ­Orbitz.com bieten eine riesige Übersicht an Flugangeboten. Bevor Sie ein Angebot buchen, sollten Sie den Preis mit jenem auf der Website der entsprechenden Airline vergleichen. Inlandflüge sind mit lokalen Fluggesellschaften häufig am billigsten. Da diese nicht immer von den Metasuchmaschinen berücksichtigt werden, sollten Sie die Verbindung direkt über die Seite der entsprechenden Airline überprüfen. Die besten Tage, um Flüge zu buchen, sind Dienstag bis Donnerstag; die besten, um zu fliegen, Dienstag und Mittwoch, weil dies die unbeliebtesten Reisetage sind. Aufgepasst vor Feiertagen: Dort schnellen die Flugtarife in die Höhe. Abonnieren Sie die Newsletter der wichtigsten Airlines und verfolgen Sie Posts und Tweets in den sozialen Netzwerken. Sonderaktionen und Rabattcoupons bewerben die Airlines häufig frühzeitig oder sogar ausschliesslich über diese Kanäle.

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Budget
Eine einjährige Weltreise ist schon ab ­einem Budget von 15'000 Franken möglich, hängt jedoch selbstverständlich stark von der Route und vom Reisestil ab. Die Flugtickets, Visa und Impfungen machen rund einen Viertel der Kosten aus. Die grösste finanzielle Belastung verursachen die täglichen Ausgaben, die zu je einem Viertel in Unterkunft, Essen und Trinken, Transport und Sightseeing fliessen.

Gesundheit

Impfungen
Impfungen gegen Hepatitis A und Hepatitis B sowie Typhus werden für zahlreiche Ferndestinationen empfohlen. Manche Länder setzen für die Einreise eine Gelbfieberimpfung voraus. In diesem Fall ist der Eintrag im internationalen Impfpass, den die World Health Organization (WHO) ausstellt, Pflicht. Eine gute Übersicht bietet www.safetravel.ch. Zwischen den einzelnen Impfungen müssen manchmal mehrere Wochen liegen. Stellen Sie deshalb frühzeitig mit Ihrem Hausarzt einen Impfplan zusammen.

Versicherung
Die Grundversicherung ist für eine Reise innerhalb von EU- und EFTA-Staaten prinzipiell ausreichend. Wer nach Übersee reist, sollte mit seiner Kranken- und Unfallversicherung unbedingt den Versicherungsschutz prüfen. Denn die Grundversicherung kommt im Ausland nur für notfallmässige Behandlungen auf. Sie deckt zudem maximal das Doppelte dessen, was eine Behandlung beim Arzt oder in einer allgemeinen Abteilung des Spitals im Wohnkanton gekostet hätte. In den USA, Japan oder Australien kann dies sehr schnell sehr teuer werden. Für eine Weltreise braucht es deshalb praktischerweise eine weltweite Ferien- und Langzeitreiseversicherung.

Reise-Checkliste

6 Monate vor Abreise

  • Finanzierung regeln

  • Route planen
  • Visa- und Einreisebestimmungen klären
  • Pass kontrollieren und eventuell erneuern


4 Monate vor Abreise

  • Route bestimmen
  • Flug buchen
  • Visa beantragen
  • Kündigungsfristen prüfen (Wohnung, Job, Abos)
  • Impfplan erstellen, medizinische Untersuchungen und Zahnarztkontrolle


3 Monate vor Abreise

  • Versicherungen abschliessen
  • Ausrüstung besorgen
  • Reiseapotheke inklusive Rezepte zusammenstellen


2 Monate vor Abreise

  • Vollmachten ausstellen
  • Kredit- und EC-Karten sowie E-Banking prüfen und die nötigen Passwörter ­vorbereiten
  • Kommunikationsmittel wie E-Mail-­Account oder Reise-Blog einrichten
  • Umzug/Auszug organisieren


1 Monat vor Abreise

  • Letzte Impfungen
  • Reisedokumente scannen und in ­E-Mail-Account sichern
  • Abschiedsfeier organisieren
  • Erste Unterkunft buchen
  • Probepacken


1 Woche vor Abreise

  • Wichtige Papiere bei Kontaktperson ­hinterlegen
  • Packen
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