Sekundenbussen waren für den Bund widerrechtlich – dann hat er resigniert
Vor drei Jahren kritisierte das Bundesamt für Verkehr die Praxis der Sekundenbussen scharf. Inzwischen stützt es sie – obwohl sich am Grundsatz nichts geändert hat. Ein Fall beleuchtet das Problem.

Veröffentlicht am 19. Oktober 2026 - 05:00 Uhr

Ärger und Busse wegen weniger Sekunden: Zu spät ist zu spät, sagt Alliance Swisspass.
Angelo Greco steigt mit Frau, Kleinkind und Baby in den Bus. Weil der Gang zum Automaten versperrt ist, weichen sie auf die Smartphone-App aus. Doch beim Lösen des Billetts fährt der Bus seit wenigen Sekunden – die Kontrolleurin brummt ihnen eine Busse von zweimal 90 Franken auf. Das Busunternehmen reduziert sie später auf 30 Franken. «Sie bleibt aber aus meiner Sicht unverständlich und unfair. Dem Unternehmen entstand kein Schaden, und wir hatten nie die Absicht, schwarzzufahren», sagt der Familienvater dem Beobachter.
Gemäss BAV widerrechtlich
Diese Sekundenbussen ärgern viele Bus- und Bahnkunden seit langem. Auf einen Aufruf im vergangenen Sommer hin hat der Beobachter zahlreiche Zuschriften erhalten. Bei der Ombudsstelle für Verkehr sind sie ein Dauerthema. «Es ist für mich als Ombudsmann nach wie vor schleierhaft, weshalb man, auch wenn klar ersichtlich ist, dass eine Kundin beziehungsweise ein Kunde sich der Billettpflicht nicht entziehen wollte, ein aufwendiges Verfahren einleitet, das in keinem Verhältnis zu den daraus entstehenden Kosten ist», heisst es im Jahresbericht 2025.