Da reist man beschwingt von der Stadt der Liebe nach Hause. Plötzlich juckt es. Ein nur zu wahrscheinliches Szenario: Bettwanzen. Laut «20 Minuten» treiben die Schädlinge derzeit in Pariser Flughäfen ihr Unwesen. Sie wurden angeblich sogar auf Sitzen von TGV-Zügen gesichtet.

Auch Grossbritannien soll betroffen sein. Reisende berichten von mehreren Tausend Franken, die sie für die Reinigung ihrer Wohnung ausgeben mussten. Da stellen sich nebst ungeziefertechnischen auch juristische Fragen. 

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Wie erkenne ich Bettwanzen?

Rotbraun, flach und vier bis neun Millimeter lang sind die Plagegeister. Sie hausen gern in Betten oder auf Möbeln und reisen dann zum Beispiel via Gepäck an neue Orte. Sie beissen Menschen und Haustiere und saugen dann Blut – am liebsten nachts. Meistens bemerkt man als Erstes einen roten, juckenden Ausschlag auf der Haut. Kleine Blutflecken auf der Bettwäsche oder schwarze Kotpunkte sprechen für einen Befall mit Bettwanzen.

Falls man in einem Hotelzimmer oder Transportmittel solche Spuren sieht, sollte man sofort die Flucht ergreifen. Mit mangelnder Hygiene haben Bettwanzen übrigens nichts zu tun. Auch Krankheiten übertragen sie nicht.

Wie versperre ich den Weg in meine Wohnung?

Wer befürchtet, Bettwanzen dabeizuhaben, darf das Reisegepäck auf keinen Fall in die Wohnung nehmen. Packen Sie es im Freien aus – auf dem Balkon oder im Garten. Zudem muss man sämtliche Wäsche bei 60 Grad waschen, auch unbenutzte. Auch hilft es, sie über mehrere Tage bei minus 18 Grad tiefzukühlen. Zuletzt das leere Gepäckstück gut ausschütteln, mit einem Insektizidspray besprühen und auslüften lassen. 

Was, wenn meine Mietwohnung befallen ist?

Der Befall durch Bettwanzen ist ein Mangel an der Mietsache, den die Mieterschaft nicht selbst beheben kann. Darum sind die Vermieter dazu verpflichtet, Abhilfe zu schaffen. Mieter müssen der Verwaltung sofort Bescheid geben, damit sie eine Fachfirma beauftragen kann. Das ist das beste Vorgehen: So ist die Vermieterin die Auftraggeberin und muss die Rechnung bezahlen, die gut und gern über 1000 Franken betragen kann. Die Mieter müssen die Kosten am Schluss nur in seltenen Fällen übernehmen – siehe weiter unten.

Was, wenn der Vermieter nichts macht?

Dann können Mieterinnen drohen, den Mietzins amtlich zu hinterlegen – ihn also nicht mehr dem Vermieter zu bezahlen, sondern der Schlichtungsbehörde für Mietsachen. Mit dem Beobachter-Musterbrief setzt man eine Frist. Wenn diese ungenutzt abläuft, müssen sich die Mieterinnen an die Schlichtungsbehörde wenden. Diese gibt dann das Konto für die Hinterlegung des Mietzinses bekannt.

Die Mieterinnen müssen den Vermieter darüber informieren. Innert 30 Tagen und nachdem sie den ersten Mietzins hinterlegt haben, müssen sie eine Klage bei der Mietschlichtungsbehörde einreichen. Vorsicht: Mieter müssen sich genau an das Vorgehen halten.

Zudem können die Mieter verlangen, dass der Mietzins herabgesetzt wird – bis die Bettwanzen weg sind. Wie viel weniger geschuldet ist, hängt von den Umständen ab. Das kann man bei der Schlichtungsbehörde besprechen. Generell gilt: Alle Ansprüche der Mieterinnen setzen voraus, dass der Vermieter überhaupt von dem Problem weiss – deshalb reklamiert man am besten per eingeschriebenen Brief. 

Was, wenn ich schon selbst den Kammerjäger gerufen habe?

Das war keine gute Idee. Trotzdem lohnt es sich, sofort der Verwaltung Bescheid zu geben – und von ihr zu verlangen, dass sie die Kosten übernimmt. Wenn der Vermieter sich weigert, bleibt aber nichts anderes übrig, als die Fachfirma vorerst selbst zu bezahlen. Und das Geld von der Vermieterschaft zurückzufordern – notfalls über die Schlichtungsbehörde für Mietsachen.

Wann müssen die Mieter bezahlen?

Nur wenn sie schuld sind an der Misere. Das heisst: die Bettwanzen vorsätzlich oder mindestens fahrlässig eingeschleppt haben. Fahrlässig handelt, wer sich anders verhält als ein durchschnittlich sorgfältiger Mensch, der genau in der gleichen Situation steckt. Doch was heisst das genau in Bezug auf Bettwanzen?

Das hängt von den Umständen ab und müsste im Streitfall von einer Richterin entschieden werden. Wenn zum Beispiel jemand auf der Heimreise aus Amerika einen Stich entdeckt, sich nichts dabei denkt und keine Vorsichtsmassnahmen ergreift, kann man ihm kaum ein Verschulden nachweisen. Aber was, wenn die Person in Paris war, in der Zeitung über die Bettwanzen gelesen hat und doch in aller Ruhe ihr Gepäck im Schlafzimmer auspackt? Da ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass dies als fahrlässig gilt. Auch die viel gereiste Geschäftsfrau, die schon einmal Probleme mit Bettwanzen hatte, kann sich weniger leicht herausreden.

So oder so: Die Vermieterin muss beweisen können, dass der Mieter ein Verschulden hat. Dabei ist die Hürde hoch. In Deutschland etwa hat ein Gericht entschieden, dass ein Mieter nicht fahrlässig gehandelt hat, der unbewusst Bettwanzen nach einer Reise eingeschleppt hat.

Darum sollten sich Mieter grundsätzlich dagegen wehren, Kosten zu übernehmen und den Vermieter vor Gericht ziehen lassen, wenn er will. Denn für die Mietenden steht viel auf dem Spiel: Falls sie eine Schuld anerkennen, müssen sie alles selbst zahlen – die Haftpflichtversicherung springt nicht ein (siehe unten).

Zahlt meine Haftpflichtversicherung?

Die Versicherung muss grundsätzlich nur zahlen, wenn der Versicherte tatsächlich haftet – wie ihr Name schon sagt. Doch selbst wenn ein Gericht feststellt, dass die Mieter tatsächlich haften, muss die Versicherung nichts bezahlen. Denn grundsätzlich übernehmen Haftpflichtversicherungen nur Sachschäden. Aber Bettwanzen beschädigen in der Regel keine Sachen. Dann gelten die Kosten der Kammerjägerin als reiner Vermögensschaden. Und ein solcher ist gemäss den meisten allgemeinen Versicherungsbedingungen nicht gedeckt.