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SchlafapnoeGefährliche Aussetzer in der Nacht

Während des Schlafs regelmässig und entspannt zu atmen ist für drei Prozent der Schweizer Bevölkerung unmöglich: Schlafapnoe raubt ihnen den Atem.

Haben während des Schlafs mehr als 30 Atemaussetzer pro Stunde: Menschen mit schwerer Schlafapnoe.
von aktualisiert am 03. Oktober 2018

Der 57-jährige Patient, nennen wir ihn Armin Schweri, hatte schon immer einen unruhigen Schlaf. Er schnarchte, wälzte sich im Bett, schlug unkontrolliert mit Armen und Beinen um sich, rang nach Luft. Mit den Jahren wurde es schlimmer. Seine Frau lag ebenfalls häufig wach und bekam mit, wie der Atem ihres Mannes jede zweite Minute aussetzte. Zehn Sekunden, 20, manchmal sogar 30 Sekunden dauerten die Pausen. Brustkorb und Bauchdecke hoben sich in wilder Anstrengung, Luft in die Lungen zu pumpen, derweil die oberen Atemwege fest verschlossen blieben. Bis sie sich, unter dem enormen Bedürfnis des Körpers nach Sauerstoff, explosionsartig öffneten.

Am Morgen fühlte sich der Mann jeweils wie gerädert und war den ganzen Tag über müde Chronische Müdigkeit Schlaf bringt keine Ruhe . Nachdem er beim Autofahren einmal eingenickt war und dabei beinahe einen Unfall gebaut hatte, suchte er endlich seinen Hausarzt auf. Dieser schickte den Patienten zur Abklärung in die Universitäts­klinik, und dort bekam Schweri nach ­einer klinischen Untersuchung und einer Nacht, die er im Schlaflabor verbracht hatte, die Diagnose: obstruktive Schlaf­apnoe.

Hauptursache ist Übergewicht

Der Begriff Apnoe stammt aus dem Griechischen und bedeutet Atemstillstand. «Die Ursache der Aussetzer liegt im Rachen, der im Schlaf so eng wird, dass die Luft nicht mehr fliessen kann», erklärt Werner Strobel, Pneumologe, Apnoe-Spezialist und Leiter des Schlaflabors am Universitätsspital Basel. In der Schweiz sind laut Lungenliga Schweiz schätzungsweise drei Prozent der erwachsenen Bevölkerung – doppelt so viele Männer wie Frauen – von Schlafapnoe betroffen, also rund 150'000 Personen, doch von diesen ist nur ein Drittel ­diagnostiziert.

Werner Strobel hält die Zahlen insgesamt für zu tief, er rechnet eher mit fünf Prozent Betroffenen. Der Grund: Die Daten, die der Hochrechnung zugrunde liegen, wurden vor über 20 Jahren erhoben, und seither hat Übergewicht in der Bevölkerung zugenommen. Es ist die Hauptursache für obstruktive Schlafapnoe – das Körperfett lagert sich auch im ­Rachen ab. Wie bei Armin Schweri, der bei 180 Zentimetern Körperlänge 110 Kilo auf die Waage bringt.

Auch Junge sind betroffen

Von den 300 Patienten jährlich, denen Werner Strobel in seiner Sprechstunde eine Schlafapnoe attestiert, entspricht eine grosse Gruppe diesem «Risikoprofil»: männlich, im mittleren Alter und übergewichtig Test Habe ich eine Essstörung? . Manche zusätzlich mit einem Alkoholproblem. Daneben kann Schlafapnoe aber auch andere Gründe haben.

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Krankheit oft Folge grosser Mandeln, die während der Nacht die Atemwege blockieren. Bei anderen Patienten werden die Atempausen durch eine Kieferfehlstellung verursacht. Oft ist Schlafapnoe auch die Folge eines Schlaganfalls – oder umgekehrt. In einigen Fällen liegen die Gründe im Dunkeln. «Es gibt ­Patienten, die in kein Schema passen», sagt Werner Strobel.

Bis zu fünf Atemaussetzer pro Stunde sind normal

Klarheit bringt neben der klinischen Untersuchung erst die Abklärung im Schlaflabor, wo die Atem­pausen nebst anderen Parametern ­sekundengenau aufgezeichnet werden (siehe Grafik unten). Vereinzelte Atempausen – bis zu fünf pro Stunde – sind ­normal und haben keine krankhafte Bedeutung. Was darüberliegt, gilt als leichte (fünf bis 15 Atempausen), ­mittlere (15 bis 30 Atempausen) oder schwere (30 und mehr Atempausen) Schlafapnoe.

Insbesondere bei der letzten Gruppe führt die Krankheit meist zu chronischer Schläfrigkeit Chronisches Erschöpfungssyndrom «Ich habe mir gewünscht, dass ich sterben kann» . Es gibt aber auch Patienten mit eigentlich nur leichter Apnoe, die oft müde sind. Der erhol­same Schlaf, normalerweise aus den etwa eineinhalbstündigen Phasen Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf Wissen 10 Fragen zum Schlaf zusammengesetzt, wird in Hunderte von kleinen Episoden zerstückelt. Die Tiefschlafphasen sind stark verkürzt oder fallen ganz weg.

Sekundenschlaf am Steuer

Bei leichter Apnoe kann es ausreichen, ein paar Kilo abzuspecken Abnehmen Wie man wirklich Gewicht verliert , damit sich die nächtliche Atmung normalisiert. Doch das fällt den meisten schwer. Werner Strobel empfiehlt 75 Prozent seiner Patienten eine andere Therapie. Unbehandelt, fördert die Krankheit kardiovaskuläre Risiken wie Blut­hochdruck und Herzinfarkt, zudem: «Schlafapnoe erhöht das Unfallrisiko um das Drei- bis Vierfache, sie ist sehr häufig die Ursache von Sekundenschlaf am Steuer», sagt Strobel.

Autofahren ist indes ein heikles Thema, trotz den Kampagnen, wie sie etwa die Beratungsstelle für Unfall­verhütung vor ein paar Jahren grossflächig durchgeführt hat: Er erlebe es höchst selten, dass ein Patient zugebe, am Steuer eingenickt zu sein, so Strobel. Insbesondere Berufschauffeure hätten gros­se Hemmungen, sich einzugestehen, dass ihre Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein könnte. «Sie haben Angst um ihren Job und fürchten, dass man sie zur Behandlung zwingt. Diese Vorstellung schwebt über manchen wie ein Damoklesschwert.»

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Atemmasken und Operationen

Die effektivste Therapie bei Schlaf­apnoe heisst CPAP (Continuous Positive Airway Pressure): Der Patient trägt nachts eine Nasenmaske, über die ihm von einem kleinen Gerät Überdruckluft in den Rachen geblasen wird. Studien zur Wirkung von CPAP-Geräten auf das Unfallrisiko am Steuer kommen zum Schluss: Mit einer CPAP-Therapie passieren bei Apnoikern 80 Prozent weniger Unfälle.

Etwa ein Viertel der Patienten kann mit dem Gerät jedoch nicht leben – aus psychologischen Gründen oder wegen störender Nebenwirkungen wie Druckstellen oder ständigem Schnupfen. Für sie haben die Spezialisten ­andere, wenn auch weniger wirksame Optionen in petto, etwa die Operation des Halszäpfchens und des Gaumenbogens oder Zahnspangen, die den Unterkiefer nach vorn drücken und so die Atemwege offen halten.

Methode «Zungenschrittmacher»

Die modernste Methode ist der «Zungenschrittmacher»: Unterhalb des Schlüsselbeins wird ein daumengrosses Gerät eingebaut, das nachts die Zunge elektrisch stimuliert, so dass sie nicht in den Rachen zurückfällt. Erste Erfahrungen sind vielversprechend, auch in der Schweiz. Knackpunkt sind die Kosten: Mit 30'000 Franken ist die Therapie rund zehnmal so teuer wie alle übrigen. Angesichts der hohen Kosten kommt diese Behandlungsmethode meist nur infrage, wenn der Betroffene unter einer mittleren bis starken Schlafapnoe leidet. Zudem ist sie bei Menschen mit starkem Übergewicht wirkungslos. Die Krankenkassen zahlen, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. 

So entsteht Schnarchen

Infografik über Schnarchen
Die störenden Schnarchgeräusche entstehen im Rachen, wenn der Luftstrom das entspannte Gewebe zum Flattern bringt.
Quelle: Beobachter/ Andrea Klaiber und Anne Seeger

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Chantal Hebeisen, Redaktorin

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1 Kommentar

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wildmaa
Habe diese Krankheit auch,Nasenmaske bewirkt Wunder. Kaufe nun das Gerät, weil es einen administrativen Leerlauf zwischen Pneumologe und Krankenkasse gibt. Pneumologe muss trotz Lungenligatest gleichen Test nochmals durchführen und der KK melden. Lobbyarbeit KK und Ärzte klappten im Nationalrat bestens für diese widersinnige Kostensteigerung.

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