Schlechte Nachrichten vom Flughafen Zürich: Das Pistenende ist mit öffentlichem Verkehr vorläufig nicht erreichbar. An der Bushaltestelle «Pistenende» in Oberglatt, nahe dem Ende von Piste 14, fahren die Postautos der Linie 504 ab sofort ohne anzuhalten durch. Grund: Bauarbeiten.

Die Bushaltestelle wurde drei Wochen zu früh ausser Betrieb genommen. Das sorgte in der Lokalpresse für Verwunderung. «Ein Versehen», entschuldigten sich die Verantwortlichen und liessen die Postautos bis zum Baustart auf Verlangen wieder anhalten.

Aber wer will überhaupt hier aus- oder einsteigen? Das nächste Haus liegt mehrere hundert Meter entfernt. Doch der Ort ist beliebt bei sogenannten Plane Spotters, die landende Flugzeuge beobachten. Es gibt Park- und Grillplätze, Imbiss- und Glacestand. Wenn besonders seltene Flugzeuge wie zum Beispiel eine russische Antonow erwartet werden, stauen sich auf der Bülachstrasse schon mal die Autos.

Zum Ort des Geschehens soll man inskünftig auch im Rollstuhl kommen. Die erst letzten Dezember eröffnete provisorische Haltestelle wird durch eine behindertengerechte ersetzt, mit Haltebucht, Rampe, Geländer und Zaun. Für 1,4 Millionen Franken. Eine knappe Million davon entfalle auf die ohnehin notwendige Instandsetzung der Fahrbahn, sagt Thomas Maag von der Zürcher Baudirektion.

Quelle: Gerry Nitsch

Kein Behinderter hat sich gemeldet

Trotzdem, 400'000 Franken sind viel Geld für eine Haltestelle, die ausschliesslich dem Beobachten von Flugzeugen dient. Jedenfalls gibt es keine Pflicht, dafür Geld zu verlochen. Das Behindertengleichstellungsgesetz sieht ausdrücklich vor, dass Hindernisse nicht beseitigt werden müssen, «wenn der für Behinderte zu erwartende Nutzen in einem Missverhältnis steht zum wirtschaftlichen Aufwand». Zudem verlangte laut Zürcher Baudirektion und Postauto Schweiz kein einziger Behinderter den Haltestellenumbau.

Dennoch sei der Aufwand «verhältnismässig», so Maag, «weil diese Haltestelle überdurchschnittlich gut frequentiert» sei. Wirklich? Laut Postauto-Regionalleiter Markus Hegglin gibt es pro Tag und Richtung «etwa sechs Ein- und Aussteiger» – bei 35 Kursen.

Der Neubau diene auch gehbeeinträchtigten Senioren und Leuten «mit Kinderwagen oder Rollgepäck», sagt Maag. Mit dem Rollkoffer am Pistenende? Wer von dort zum mehrere Kilometer entfernten Flughafeneingang läuft, dem fallen die Rollkoffer-Rädchen mit Sicherheit unterwegs ab. 

Den vielleicht triftigsten Grund zum Aussteigen erwähnt die Baudirektion nicht. Am Pistenende sollen sich, so berichten Insider, ein paar besonders seltene Pokémons tummeln.